Die sprachlose Stadt
Soziologie einer gesellschaftlichen Erosion
Von der Klimakatastrophe bis zum Rassismus: Warum die gesellschaftliche Ordnung unserer Städte ihre Sprachunfähigkeit erkennen und verstehen muss.
In Städten zeigen sich gesellschaftliche Probleme am heftigsten. Kommunikation wäre der richtige Schlüssel, diese zu adressieren und zu bearbeiten. Allerdings verhindert die bestehende urbane Ordnung, dass Probleme wie Klimakatastrophen, soziale Ungleichheiten, Exklusion oder Rassismus besprechbar werden. Frank Eckardt zeigt in seiner gesellschaftlichen und historischen Analyse, warum die soziale Segregation der Stadt und das bestehende Wohlstandsmodell verhindern, dass die Stadtgesellschaft sich kollektiv dieser Probleme annimmt.
Fragen an den Autor
1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Eine gemeinsame Sprache zu finden ist die Grundvoraussetzung, um die multiplen Krisen der Gesellschaft angehen zu können. Städte sind genuin Orte, an denen unterschiedliche Menschen diese Kompetenz erlernen. Das scheint aber immer weniger zu geschehen. Das Buch beleuchtet die gesellschaftlichen Hintergründe.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Kommunikation im urbanen Kontext ist durch eine historisch gewachsene urbane Ordnung geprägt, in denen sich Prozesse der Segregation und Fragmentierung immer weiter intensifizieren. Damit droht eine Erosion der gesellschaftlichen Kommunikationspotenziale und die Möglichkeiten soziale Probleme wie Armut und Rassismus, aber auch die Klimakrisen besprechbar zu machen.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Die soziologische Beschäftigung mit der Stadt spiegelt bereits die Fragmentierung der Gesellschaft wider. Die ausdifferenzierte Untersuchung von Städten erschwert den Blick auf die langen Entwicklungslinien von Städten einerseits und die Einordnung jüngster Dynamiken der Segregation andererseits. Das Buch ordnet die aktuellen stadtgesellschaftlichen Tendenzen in eine Analyse der bestehenden ›urbanen Ordnung‹ ein.
4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit allen, die sich um die gesellschaftliche Zukunft unserer Städte sorgen machen.
5. Ihr Buch in einem Satz:
Der Verlust der Sprache in der Stadt ist Spiegel der gesellschaftlichen Multikrise, aber auch der Anfang für die Rückgewinnung der Handlungsfähigkeit.