Das gespaltene Bewußtsein
Vom Dritten Reich bis zu den langen fünfziger Jahren

Hans Dieter Schäfers richtungsweisende Studie in einer erweiterten Neuausgabe.

Bis 1940 gab es in Deutschland Hollywoodfilme, bis 1942 Coca-Cola und bis 1945 Swing-Musik - Hans Dieter Schäfers Untersuchung über NS-Ideologie und -Praxis sorgte Anfang der 1980er Jahre im In- und Ausland für großes Aufsehen. Lange hatte nach 1945 das Bild eines perfekten NS-Zwangsstaates vorgeherrscht; Schäfer zeigte anhand unterschiedlichster Quellen, dass das Dritte Reich gar nicht so totalitär war: Es gab vielmehr ein mit der Nazi-Weltanschauung erfolgreich konkurrierendes Angebot von »Konsum- und Zerstreuungswerten«, bis hin zu einem »bruchlos im Dritten Reich weiterwirkenden Amerikanismus«.

ISBN 978-3-8353-0428-4 3. Auflage 09.09.2009 38,00 € Portofrei Bestellen (Buch | Hardcover) Erweiterte Neuausgabe

Die Neuausgabe von Schäfers »Standardwerk« (Heinrich Detering) ist u. a. um einen Bericht über Berlin im Bombenkrieg erweitert, in dem die allmähliche Versteppung der Reichshauptstadt ebenso sichtbar wird wie die »Auflösung der Moral« mit Schleichhandel, Kriminalität und Prostitution. 

Einen weiteren Höhepunkt bildet die vorzüglich recherchierte Darstellung des tragischen Scheiterns von Alfred Döblin nach seiner Rückkehr aus dem Exil.

In seiner Vorbemerkung erörtert Schäfer vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzmarktkrise die Rolle Ludwig Erhards im Dritten Reich und zeigt, dass die Bundesrepublik Deutschland im Ersatz des öffentlichen Lebens durch Spektakel und einem »staatlich gezüchteten Bildungsschwund« (Benn) dem Dritten Reich in vielem näher steht als der Republik von Weimar.

»Ein wichtiges, an einigen Stellen zugleich aufregendes und niederschmetterndes Buch.« Jörg Drews

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Inhaltsverzeichnis

Rezensionen

Verdrängtes Alltagsleben unter Hitler: Vor über einem Vierteljahrhundert veröffentlichte der Regensburger Germanist und Lyriker Hans Dieter Schäfer seine damals großes Aufsehen erregende Studie über die Alltagskultur im Nationalsozialismus. Jetzt ist Das gespaltene Bewußtsein, erweitert um zwei Drittel zusätzlicher Texte, neu erschienen. (...) Bücher dieser Art erscheinen nicht alle Jahre, und wir stehen hier dankbar vor dem Lebenswerk eines Wissenschaftlers, der immer auch Schriftsteller ist. Es ist keine müßige Spekulation, vielmehr Gewissheit: Generationen künftiger Forscher wird dieses Buch einmal als Schlaglicht durch die dunkelste Epoche Deutschlands dienen. Von Gernot Wolz amerker.de (ohne Datum)

Wie wichtig jedoch allein die Tatsache der Neuauflage des Buches und seiner Kernthese vom »gespaltenen Bewusstsein« ist, zeigte sich erneut, als der Autor im Rahmen eines von der Forschungsgemeinschaft Deutscher Widerstand e. V. und der TU Chemnitz im Juni 2009 (!) veranstalteten Symposions seine Kernthese einem überwiegend fachkundigen Publikum aus Historikern und Literaturwissenschaftlern erneut vorstellte und damit eine emotionale, mehr von politischen denn von wissenschaftlichen Interessen gelenkte Auseinandersetzung entfachte. Vor diesem Hintergrund bleibt zu hoffen, dass die neu entbrannte Diskussion um das Leben im »Dritten Reich« nunmehr mit der einem wissenschaftlichen Diskurs geziemenden Sachlichkeit fortgesetzt wird und wir verstehen statt uns mit dem beständigen Urteilen zufrieden zu geben: »Anhänger von Robespierre, Gegner von Robespierre, wir flehen Euch an: Sagt uns bitte nur, wer Robespierre wirklich war!« Von Boris Schilmar für Francia-Recensio 2011/2: 19./20. Jahrhundert – Histoire contemporaine perspectivia.net (ohne Datum)

Autoreninfos

Hans Dieter Schäfer, geb. 1939 in Berlin, unterrichtete von 1974 bis 2004 Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Regensburger Universität. Bekanntschaft mit dem Lyriker Wilhelm Lehmann (1882-1968), über den er 1969 eine Monographie veröffentlichte und dessen »Gesammelte Werke« er mit herausgab (1982 ff.). Neben Forschungsarbeiten zum Dritten Reich und zur Nachkriegszeit erschienen von ihm Untersuchungen zur Moderne von Hölderlin bis Brinkmann, zuletzt »Verteidigung des Lebens durch Poesie«. Seit »Fiktive Erinnerungen« (1968) publizierte Schäfer außerdem mehrere Bände mit Gedichten und autobiographischer Prosa. Wallstein (31.07.2026)

Wikipedia (DE): Hans Dieter Schäfer

Erstellt: 31.07.2026 - 05:48  |  Geändert: 31.07.2026 - 06:20