Was bleibet aber. Schriftsteller in der DDR
Porträts
Alles ist vergänglich, zumal in der politischen Welt. Ganze Staaten, Länder und Kulturen sind in der Geschichte versunken. Doch Literatur arbeitet gegen das Vergessen. Schriftsteller halten die Erinnerung an das Gelebte wach: „Was bleibet aber“, heißt es deshalb bei Hölderlin, „stiften die Dichter.“
In dem vorliegenden Band porträtiert Klaus Bellin 32 Autorinnen und Autoren der DDR, die die deutsche Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts mitgeprägt haben, auch wenn ihre Namen in den heutigen Medien kaum noch eine Rolle spielen.
Nicht wenige Autoren der DDR, glaubten an ein besseres Deutschland ohne Nazis, Ausbeutung und Kriege. Für sie galt Brechts Bekenntnis: „Ich habe meine Meinungen nicht, weil ich hier bin, sondern ich bin hier, weil ich meine Meinungen habe.“ Im Westen, der sie verhöhnt oder auf andere Art vereinnahmt hat, sahen sie keine Alternative, auch wenn sie erleben mussten, wie ihre Hoffnungen im Osten an den Widersprüchen der Wirklichkeit zerschellten.
Dieses Buch stellt Schriftsteller vor, die zwischen Elbe und Oder gelebt haben, manche namhaft und trotzdem inzwischen ignoriert, die meisten in der DDR angesehen und gelesen, in der Bundesrepublik so gut wie unbekannt. Der Autor hat Ludwig Renn, Hans Mayer, Stephan Hermlin und Franz Fühmann besucht und interviewt, sich mit Johannes Bobrowski auf der Leipziger Buchmesse getroffen und mit Fritz Rudolf Fries über die Dummheiten in Ost und West ausgetauscht.
Rezension
En miniature: Arbeit am und gegen den Kanon: Klaus Bellin porträtiert Schriftsteller aus der DDR: Was bleibet aber, stiften die Dichter», heißt es am Ende von Hölderlins Lobgesang «Andenken». Der Literaturkritiker Klaus Bellin hat die längst zum geflügelten Wort gewordene Sentenz in den Titel seiner neuesten Sammlung mit Porträts von DDR-Schriftstellern aufgenommen. Ob Hölderlin recht hatte? Die Frage lässt sich nicht so leicht entscheiden. Vor allem nicht in Bezug auf die DDR-Literatur, die Vielgescholtene, für die ja seit dem Untergang des ostdeutschen Sozialismus stets die bange Frage lautet: Was bleibt? Von Ronald Weber junge Welt 20.03.2026