Dark Alliance
The CIA, the Contras and the Crack Cocaine Explosion

2014 , Englisch

The characters seem to come straight out of central casting: the international drug lord, Norwin Meneses; the Contra cocaine broker with a marketing MBA, Danilo Blandon; and the illiterate teenager who grows up to become the king of crack, Freeway Ricky Ross. Yet these people are real and their stories are true. In Dark Alliance, Pulitzer Prize-winning journalist Gary Webb recounts how tons of cocaine were sold to the poor of Los Angeles, and the proceeds then channelled to the CIA-backed Nicaraguan Contras. Meanwhile the Reagan government waged a strident, hypocritical war against drugs . This is a masterpiece of reportage whose tale of CIA wrongdoing is as relevant as ever. 

ISBN 978-1-60980-621-7 2014 22,00 € Portofrei per E-Mail bestellen (Buch)

Infografik Dunkle Allianz

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[Die Charaktere scheinen direkt aus einer Casting-Agentur zu kommen: der internationale Drogenboss Norwin Meneses, der Contra-Kokainhändler mit einem MBA in Marketing, Danilo Blandon, und der ungebildete Teenager, der zum König des Crack aufsteigt, Freeway Ricky Ross. Aber diese Leute gibt's wirklich und ihre Geschichten sind wahr. In Dark Alliance erzählt der mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Journalist Gary Webb, wie Tonnen von Kokain an die Armen von Los Angeles verkauft und die Erlöse dann an die von der CIA unterstützten nicaraguanischen Contras weitergeleitet wurden. Währenddessen führte die Reagan-Regierung einen lautstarken, scheinheiligen Krieg gegen Drogen. Dies ist ein Meisterwerk der Reportage, dessen Bericht über die Verfehlungen der CIA nach wie vor aktuell ist. ]

Präsentation Dark Alliance

Die Dunkle Allianz: Wie CIA, Contras und Kokain eine amerikanische Tragödie schufen

Einleitung: Die Ruhe vor dem Sturm

In den späten 1970er Jahren war Kokain in den Vereinigten Staaten eine Droge der Elite. Es war teuer, exklusiv und wurde von den Behörden nicht als ernsthafte Bedrohung angesehen. Vor dem US-Kongress bezeugten Experten wie der Forschungsdirektor des Nationalen Instituts für Drogenmissbrauch, dass Kokain „kein sehr ernstes Gesundheitsproblem“ darstelle, da sein hoher Preis die Verfügbarkeit stark einschränkte. Die allgemeine Wahrnehmung war die eines relativ harmlosen Genussmittels für die Reichen und Berühmten.

Doch hinter dieser Fassade der Gleichgültigkeit schlugen einige Wissenschaftler Alarm. Dr. Robert Byck, ein Pharmakologe der Yale University, versuchte den Kongress mit einer düsteren Prophezeiung wachzurütteln. Er berichtete von seinen Forschungen in Südamerika, wo eine billige, rauchbare Form des Kokains – die Coca-Paste – bereits verheerende Suchtwellen auslöste. Er warnte davor, dass ein „Monster losgelassen“ sei, eine Droge, die „fähig ist, ihren Konsumenten völlig zu versklaven“. Sollte diese Form des Kokains die USA erreichen, stünde dem Land eine Drogenepidemie von unvorstellbarem Ausmaß bevor. Der Kongress ignorierte seine Warnungen. Diese fatale Fehleinschätzung schuf den Nährboden für eine Tragödie, die durch das Zusammentreffen dreier unsichtbarer Kräfte ausgelöst wurde: ein geheimer Krieg in Zentralamerika, ein unersättlicher Bedarf an Geld und eine Drogenepidemie, die ganze Gemeinschaften zerstören sollte.

1. Die Saat des Konflikts: Der Sturz eines Diktators in Nicaragua

Im Jahr 1979 änderte sich die politische Landschaft Mittelamerikas dramatisch. In Nicaragua wurde der Diktator Anastasio Somoza, dessen Familie 46 Jahre lang mit eiserner Faust und der Unterstützung Washingtons geherrscht hatte, von einer linken Guerillabewegung, den Sandinisten, gestürzt. Somozas Regime war durch extreme Korruption und brutale Gewalt gekennzeichnet, die von seinem allmächtigen Militärapparat, der Guardia Nacional (Nationalgarde), durchgesetzt wurde. Die von den USA geschaffene und ausgebildete Guardia fungierte als Somozas Armee, Polizei und Geheimdienst zugleich und war für ihre Menschenrechtsverletzungen berüchtigt.

In seinen letzten Tagen im Bunker flehte Somoza den US-Botschafter um Hilfe an und erinnerte ihn an die jahrzehntelange Loyalität seiner Familie: "Ich habe einen gottverdammten Kommunisten aus Guatemala rausgeworfen ... Daran habe ich persönlich mitgearbeitet." Doch die Unterstützung blieb aus. Der Sturz des Diktators zwang Tausende seiner loyalsten Anhänger und ehemaliger Mitglieder der Guardia ins Exil. Diese entwurzelten und verbitterten Männer bildeten die Keimzelle einer neuen, von den USA unterstützten Guerillaarmee: die Contras. Diese Gruppe verbitterter, antikommunistischer Exilanten zog bald die Aufmerksamkeit einer neuen US-Regierung unter Ronald Reagan auf sich, die entschlossen war, die Ausbreitung des Kommunismus in Mittelamerika mit allen Mitteln zu verhindern.

2. Die Geburt der Contras und der geheime Krieg der CIA

Die Reagan-Regierung sah im sandinistischen Nicaragua die Gefahr eines „zweiten Kubas“ und war entschlossen, die neue Regierung zu destabilisieren. Zu diesem Zweck beauftragte sie die CIA, die exilierten nicaraguanischen Kämpfer zu einer schlagkräftigen Guerillaarmee zu formen. Diese als Contras (kurz für Contrarrevolucionarios) bekannte Truppe, insbesondere deren größter Flügel, die Fuerza Democrática Nicaragüense (FDN), wurde fast ausschließlich aus ehemaligen Mitgliedern der verhassten Guardia rekrutiert. Als militärischen Anführer wählte die CIA Enrique Bermúdez, einen ehemaligen Oberst der Guardia.

Die Drogenfinanzierung war dabei kein späterer Unfall, sondern von Anfang an in der DNA der Bewegung verankert. Die Vorgängerorganisation der FDN, die „Legion des 15. September“, finanzierte sich bereits durch „Entführung, Erpressung und Raub“. Ein CIA-Bericht vom September 1981 bestätigte, dass die Führung der Legion die Entscheidung getroffen hatte, sich am „Drogenschmuggel in die Vereinigten Staaten zu beteiligen“, um ihre Operationen zu finanzieren. Doch selbst diese kriminellen Einnahmen reichten nicht aus. Die offizielle Finanzierung durch den US-Kongress war begrenzt und wurde schließlich ganz eingestellt, was die CIA und die Contra-Führung zwang, verzweifelt nach alternativen Geldquellen zu suchen. Ihr geheimer Krieg stand vor dem finanziellen Aus, bis zwei Schlüsselfiguren eine ebenso schockierende wie verheerende Lösung anboten.

3. Die Drogenhändler: Eine „patriotische“ Mission

Im Zentrum der Drogenfinanzierung standen zwei nicaraguanische Exilanten mit tiefen Verbindungen zum alten Somoza-Regime und zur Unterwelt.

  • Norwin Meneses: Von der CIA als „König der Drogenhändler in Nicaragua“ bezeichnet, war Meneses eine legendäre Figur. Als „El Padrino“ (Der Pate) war er kein gewöhnlicher Krimineller, sondern ein Geschöpf des korrupten, von den USA unterstützten Staates. Seine Brüder waren hochrangige Generäle in Somozas Guardia, was seinem Drogenimperium absolute Immunität sicherte. Er wurde sogar beschuldigt, einen Zollinspektor ermordet zu haben, der seinen Operationen zu nahekam – ein Verbrechen, für das er nie belangt wurde.
  • Oscar Danilo Blandón: Als Sohn einer wohlhabenden, Somoza-treuen Familie verlor Blandón mit der Revolution seinen Status und seinen Reichtum. In Los Angeles, so behauptete er, wurde er von Meneses rekrutiert, um aus „Patriotismus“ Kokain zu verkaufen. Sein Ziel sei es gewesen, Geld für die Contras zu sammeln und die verlorene Welt zurückzuerobern, die ihm die Sandinisten genommen hatten.

Der Pakt wurde bei einem Treffen in Honduras zwischen Blandón, Meneses und dem Contra-Kommandanten Enrique Bermúdez besiegelt. Angesichts des dringenden Bedarfs an Geldern für Waffen gab Bermúdez, der militärische Anführer der CIA-Armee, der Operation seinen Segen. Blandón fasste die moralische Absolution, die sie erhielten, später in einem entscheidenden Satz zusammen:

„Der Zweck heiligt die Mittel“, sagte uns Herr Bermúdez in Honduras.

Mit dieser Rechtfertigung von höchster Stelle begann eine Operation, deren verheerende Auswirkungen bald auf den Straßen amerikanischer Städte zu spüren sein sollten.

4. Die Flut nach Kalifornien: Von Kokainpulver zur Crack-Epidemie

Die von Meneses und Blandón organisierte Operation überschwemmte Los Angeles ab Anfang der 1980er Jahre mit beispiellosen Mengen an billigem, hochreinem Kokain. Während die Drogenfahndung damals noch von Kofferschmugglern ausging, operierte das Contra-Netzwerk im Tonnenmaßstab.

Diese massive und preiswerte Kokainquelle war der entscheidende Faktor, der die Karriere eines jungen Drogendealers aus South Central L.A. befeuerte: „Freeway“ Ricky Ross. Blandón wurde zur Hauptquelle für Ross, der später aussagte: „Er war derjenige, der mich in Gang gebracht hat.“ Ross erkannte, dass man das billige Kokainpulver durch einen einfachen chemischen Prozess in eine rauchbare, extrem potente und hochgradig süchtig machende Form umwandeln konnte: Crack. Ross war kein Erfinder, aber ein brillanter Vermarkter. Er nutzte die schier unendliche Zufuhr von Blandón, um Crack in Massenproduktion herzustellen und es zu Preisen zu verkaufen, die es für jeden erschwinglich machten.

Die Verbindung zwischen der Contra-Operation und der Crack-Epidemie enthüllt eine schreckliche Kausalkette:

Ursache (Contra-Operation)Wirkung (Straßen von L.A.)
Eine beispiellose Flut von Kokain zu Tiefstpreisen durch das Netzwerk von Meneses und Blandón.Ricky Ross erhält den Rohstoff, um Crack zu einer Massenware zu machen.
Das erklärte Ziel war die Finanzierung des Contra-Krieges gegen die Sandinisten.Die Crack-Epidemie explodiert und überzieht afroamerikanische Viertel mit Gewalt und Sucht.

Die Frage, wie eine derart massive Drogenoperation von den US-Behörden unbemerkt bleiben konnte, führt zu einer noch beunruhigenderen Antwort: Sie blieb nicht unbemerkt. Sie wurde aktiv gedeckt.

5. Ein zugedrücktes Auge? Beweise für staatliche Duldung

Der sogenannte „Frogman“-Fall in San Francisco enthüllt, wie weit die US-Regierung zu gehen bereit war, um ihre schmutzige Allianz zu schützen. Es war keine passive Duldung, sondern eine aktive, vorsätzliche Vertuschung.

1983 zerschlug das FBI einen großen Kokainring, der von den Nicaraguanern Carlos Cabezas und Julio Zavala angeführt wurde. Vor Gericht behaupteten die Angeklagten, ein Teil ihrer Gewinne sei für die Contra-Bewegung bestimmt gewesen. Als ihre Verteidiger versuchten, zwei hochrangige Contra-Funktionäre und CIA-Kontaktleute in Costa Rica – Francisco Aviles Saenz und Vicente Rappaccioli Marquis – als Zeugen vorzuladen, schlug die CIA Alarm. Die CIA-Station in Costa Rica warnte Langley in einem Telegramm vor den „ernsthaften Auswirkungen“ solcher Zeugenaussagen.

Daraufhin setzte sich eine Kette von Ereignissen in Gang, die den Anschein einer staatlichen Verschwörung erweckt:

  • Die Intervention: Ein CIA-Anwalt, Lee S. Strickland, suchte „diskret“ den zuständigen Staatsanwalt im US-Justizministerium, Mark Zanides, auf und drängte ihn, die Vorladung der Contra-Zeugen zu verhindern.
  • Die Vertuschung: Der Richter versiegelte alle Beweismittel, die die Drogenhändler mit den Contras in Verbindung brachten, und machte sie für die Öffentlichkeit unzugänglich.
  • Die Rückgabe des Geldes: In einem Akt, der die Justiz auf den Kopf stellt, gab das Justizministerium 36.020 Dollar an beschlagnahmten Drogengeldern an die Schmuggler zurück. Dies war der explizite Preis dafür, dass die Verteidigung ihre Anträge auf Vorladung der Contra-Führer fallen ließ.

Die US-Regierung wurde so zum Komplizen nach der Tat. Sie gab Drogengeld an Händler zurück, um die schmutzige Verbindung zwischen ihrem geheimen Krieg in Nicaragua und dem Drogenhandel auf amerikanischem Boden zu verbergen. Die Verbindungen waren nun klar: Ein von der CIA geführter geheimer Krieg führte zu einer Partnerschaft mit Drogenhändlern, die wiederum eine Drogenepidemie in den USA auslösten – alles unter dem Schutzschild der nationalen Sicherheit.

6. Fazit: Das zerstörerische Erbe der Dunklen Allianz

Die Beweise zeichnen ein klares und vernichtendes Bild. Die Geschichte der Crack-Epidemie ist untrennbar mit einer Kette politischer Entscheidungen und geheimer Operationen verbunden, die eine amerikanische Tragödie auslösten. Das unvermeidliche Urteil, das die Fakten fällen, lässt sich in drei Schritten zusammenfassen:

  1. Der geheime Krieg: Die von der CIA geführten Contras benötigten dringend Geld, um ihren Krieg gegen die sandinistische Regierung in Nicaragua zu finanzieren, nachdem der US-Kongress die offizielle Hilfe gestrichen hatte.
  2. Die Drogen-Finanzierung: Hochrangige nicaraguanische Drogenhändler mit engen Verbindungen zum gestürzten Somoza-Regime nutzten ihre etablierten Netzwerke, um Tonnen von Kokain in die USA zu schmuggeln. Die Gewinne wurden als „patriotischer Beitrag“ an die Contras weitergeleitet, mit dem stillschweigenden Einverständnis und der aktiven Vertuschung durch US-Behörden.
  3. Die Epidemie: Diese beispiellose Kokainflut machte die Droge erstmals billig und in großen Mengen verfügbar. Dies schuf die perfekten Marktbedingungen für die Entstehung von Crack-Kokain, das eine verheerende Suchtwelle auslöste und insbesondere afroamerikanische Gemeinschaften in Städten wie Los Angeles verwüstete.

Das Erbe dieser dunklen Allianz, wie es die Kongressabgeordnete Maxine Waters beschrieb, ist verheerend: zerstörte Leben, verlorene Möglichkeiten und ein tiefes, bis heute anhaltendes Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen, die geschworen hatten, ihre Bürger zu schützen, sie aber stattdessen den Zielen eines geheimen Krieges opferten.

Autoreninfos

Gary Stephen Webb (* 31. August 1955 in Corona, Kalifornien; † 10. Dezember 2004 in Sacramento, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Investigativjournalist und Pulitzer-Preisträger. Webb wurde vor allem durch seine Artikelserie Dark Alliance bekannt, in der er 1996 Verbindungen des US-amerikanischen Auslandsgeheimdiensts CIA zum organisierten Drogenhandel beschrieb.

Infolge der scharfen Kritik großer US-Zeitungen an der umfangreich dokumentierten Artikelserie verlor er seinen Job und konnte beruflich nie wieder Fuß fassen. 2004 starb Webb laut zuständigem Coroner durch Suizid. Die Tatsache, dass er durch zwei Schüsse in den Kopf starb, ist jedoch seither immer wieder Anlass für Zweifel an der Todesursache. 

Wikipedia (DE): Gary Webb (Journalist)

Autoren

Erstellt: 19.01.2026 - 19:56  |  Geändert: 19.01.2026 - 22:01