Der Etatismus der Sozialdemokratie. Zur Vorgeschichte des Nazifaschismus. Von Willy Huhn

Beim Ausbruch des 1. Weltkrieges erfüllte sich an der deutschen Sozialdemokratie die Voraussage Eduard Bernsteins: "Im weiteren Verlaufe wird das Nationale sozialistisch sein. Nennen sich doch schon heute Sozialisten demokratischer Staatswesen gern Nationalisten." So wurde die Sozialdemokratie, die sich auf den Boden der Landesverteidigung und der Kriegsrendite, vor allem aber auf den des "Kriegssozialismus" stellte, vor der Weltgeschichte die erste nationalsozialistische Partei.

ISBN 978-3-924627-05-8     18,00 €  Portofrei     Bestellen

Der Essay von Willy Huhn gehört zu den Klassikern einer linken, nicht parteikommunistischen Kritik der offiziellen, sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. Huhn stellt ideologiekritisch dar, wie es zur Staatsfixierung und am Ende zur Verstaatlichung der SPD kommen konnte. Er untersucht die Staatsphilosophie Ferdinand Lassalles, des Begründers der Sozialdemokratie, stellt dar, inwieweit Karl Kautsky die Marxsche Staatskritik im Streit um die Verstaatlichung der Schlüsselindustrien mißverstand, und greift die These holländischer Rätekommunisten auf, die die Sozialdemokratie als prinzipiell obrigkeitshörige und staatssozialistische Partei begriffen. Damit bewegt sich Huhn an den Wurzeln der heutigen Sozialdemokratie der »Volks-Partei« des Godesberger Programms und zeigt auf, daß sich alle über die Möglichkeiten der SPD, Real- und Reformpolitik treiben zu können, gründlich irren – auch in der Berliner Republik.

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Inhalt:

Clemens Nachtmann: Die deutsche Sozialdemokratie als Partei des »Nationalsozialismus«. Willy Huhns Überlegungen zum totalen Staat

Willy Huhn: Etatismus – »Kriegssozialismus« – »Nationalsozialismus« in der Literatur der deutschen Sozialdemokratie
- Die Lassalle-Legende
- Der Streit um den Staatssozialismus
- Vom Sozialistengesetz zum Kriegssozialismus
- Die Ideen von 1914 und die Folgen
- Anmerkungen

Willy Huhn: Bilanz nach zehn Jahren (1929–1939)
A. Die Periode der geistigen Rezeptivität (1929–1932)
B. Die Periode der theoretischen Produktivität (1932–1939)
1. Historische Kritik der Sozialdemokratie
2. Historische Kritik des Staatssozialismus
3. Historische Kritik der Kriegswirtschaft
4. Historische Kritik des Bolschewismus
5. Kritik des Faschismus
6. Die historische Notwendigkeit des Nationalsozialismus
7. Die Kriegswirtschaft als ökonomisches Problem
8. Historische Kritik des Naturalismus

Willy Huhn: Karl Marx gegen den Stalinismus. Was Marx und Engels unter »Kommunismus« verstanden

Anhang
- Christian Riechers: Willy Huhn (1909 – 1970). Eine biographische Notiz
- Joachim Bruhn: Avantgarde und Ideologie. Nachbemerkung zum Rätekommunismus
- Ralf Walterf: Willy Huhn: Eine bibliographische Information

Der Autor:

Willy Huhn gehörte in der Weimarer Republik zu den Rätekommunisten der »Roten Kämpfer«, eine der aktivsten Organisationen im Widerstand gegen Hitler. Nach 1945 lehrte er an der Berliner Volkshochschule und war Redakteur der Zeitschrift »pro und contra«, die er bis zum Bruch mit dem Trotzkismus gemeinsam mit Ernest Mandel herausgab. Ausschluß aus der SPD 1953, u.a. wegen des öffentlich geführten Nachweises, »daß die sozialdemokratische Regierung Ebert, Scheidemann, Noske bewußt auf die Abschlachtung der revolutionären Arbeiter hingearbeitet hätte.« Die Herausgeber: Clemens Nachtmann (Berlin) ist Redakteur der Zeitschrift »Bahamas«, Christian Riechers war Professor für Politikwissenschaft in Hannover.

 

Erstellt: 28.05.2020 - 06:08  |  Geändert: 28.05.2020 - 18:32

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