03.08.2026

Jennifer Kavanagh: Historischer Wandel in Asien & Ukraine ist besiegt

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auf YouTube (03.08.2026) 1:07:45

Medienpräsenz

Jennifer Kavanagh erörtert die geschwächte Position der USA in Ostasien und warum es für die Ukraine nicht möglich zu sein scheint, das Blatt zu wenden. Kavanagh ist Senior Fellow und Direktorin für Militäranalyse bei Defense Priorities sowie außerordentliche Professorin am Center for Security Studies der Georgetown University.

Übersicht

Veränderungen der Sicherheitsarchitektur in Ostasien (00:09 – 03:21) Jennifer Cavanaugh erläutert, dass sich der strategische Fokus der USA unter Trump zwar offiziell auf den Wettbewerb mit China verlagerte, ein tatsächlicher Rückzug aus Europa oder dem Nahen Osten jedoch ausblieb. Dies führt zu einer großen Nervosität bei asiatischen Verbündeten wie Japan, Australien und Südkorea, die befürchten, im Stich gelassen zu werden. Infolgedessen beginnen diese Staaten, eigene Verteidigungsnetzwerke und Kapazitäten aufzubauen, um auch ohne die USA wirksamer zusammenarbeiten zu können.

Der Einfluss des Nahost-Konflikts auf die US-Präsenz (03:34 – 06:36) Die Kriege im Nahen Osten ziehen massiv US-Militärmacht und diplomatische Aufmerksamkeit ab. Laut Cavanaugh beobachten die asiatischen Verbündeten genau, dass die militärische Handlungsfähigkeit der USA geringer ist als früher, was sich etwa im Abzug von Patriot-Systemen aus Südkorea zeigt. Während Cavanaugh eine stärkere Eigenverantwortung der Verbündeten begrüßt, warnt sie davor, dass sich diese zu sehr auf das Militärische und zu wenig auf die Diplomatie mit China konzentrieren.

Chinas Spielraum in der „Grauzone“ und schwindende US-Bestände (06:58 – 10:46) Ein direkter Angriff Chinas auf Taiwan gilt als unwahrscheinlich, doch die US-Ablenkung gibt China mehr Raum für Druck in der sogenannten „Grauzone“, um einen neuen Status quo zu normalisieren. Cavanaugh bezeichnet die Debatte über einen Krieg zwischen den USA und China als „geradezu albern“, da die US-Bestände an Raketen und Munition bereits durch den Konflikt mit dem Iran extrem geschrumpft sind. Eine stabile Sicherheitsarchitektur müsse daher inklusiv sein und einen direkten Dialog mit China beinhalten.

Das Problem verzerrender Sicherheitsgarantien (11:28 – 15:49) Besondere Sorge bereitet das Verhältnis zwischen China und Japan, das durch historische Konflikte und gegenseitiges Misstrauen belastet ist. Cavanaugh argumentiert, dass die US-Sicherheitsgarantien oft „verzerrend“ wirken, da sie es Ländern wie Japan und Südkorea ermöglichen, ihre geopolitische Realität – das Leben neben einer Großmacht – zu ignorieren. Ein Wegfall dieser Garantien könnte diese Staaten dazu zwingen, sich nachhaltiger mit ihrer Umgebung auseinanderzusetzen.

Europas Rolle zwischen den USA und China (16:00 – 23:40) Die Europäer halten laut Cavanaugh krampfhaft an der alten unipolaren Ordnung fest und versuchen, ihren Wert als „Juniorpartner“ der USA zu steigern. Dabei fehlt Europa jedoch die militärische Fähigkeit zur Machtprojektion in Asien. In einer multipolaren Welt steht Europa vor dem Dilemma, sich entweder von China abzukoppeln oder seine Beziehungen zu diversifizieren, wobei besonders der Technologiebereich (Abhängigkeit von US- oder China-Tech) eine schwierige Entscheidung darstellt.

Interne Machtkämpfe und strukturelle Defizite in der Ukraine (23:58 – 33:11) Innerhalb der ukrainischen Führung gibt es Spannungen; Selenskyj versucht durch Umbildungen seine Macht zu festigen und potenzielle Bedrohungen zu entfernen. Cavanaugh betont, dass Personalentscheidungen jedoch nichts an den strukturellen Problemen ändern: Der Ukraine fehlen Soldaten, und die massiven russischen Raketenangriffe treffen auf eine erschöpfte Verteidigung. Die Botschaft, dass für Veränderungen Proteste auf der Straße nötig sind, sei in einem Land unter solchem Stress gefährlich.

Luftverteidigung und die Realität der US-Waffenknappheit (33:21 – 44:50) Selenskyjs Pläne für eine eigene Patriot-Produktion oder den Einsatz von Starlink für Angriffe in Russland gelten als unrealistisch oder gefährlich eskalierend. Die Lage bei der Luftverteidigung ist kritisch: Die USA haben etwa 60 % ihrer Bestände an Patriot- und THAAD-Abfangraketen eingesetzt. Während die Ukraine für den Winter 300 Raketen fordert, liegt die US-Jahresproduktion bei nur 600 Stück, was eine vollständige Deckung des ukrainischen Bedarfs unmöglich macht.

Schlachtfeld-Trends und die Erhöhung des diplomatischen Drucks (45:12 – 1:07:10) Russland behält im Luftraum einen deutlichen Vorteil und passt sich erfolgreich an ukrainische Strategien an. Cavanaugh sieht die Gefahr, dass das Moment wieder zugunsten Russlands kippt, weshalb sie „triumphale Narrative“ über eine Kriegswende für schädlich hält. Die US-Regierung setzt derzeit auf eine Strategie des erhöhten Drucks, um Putin zu Zugeständnissen zu zwingen. Dies könnte jedoch nach hinten losgehen, da die immer engere Integration der Ukraine in NATO-Strukturen (wie Link 16) eine neutrale Friedenslösung erschwert

Sprache (Ton)
Deutsch
Laufzeit
1h 7min 45s
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Erstellt: 03.08.2026 - 07:48  |  Geändert: 03.08.2026 - 15:39

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