05.05.2026

John Mearsheimer: Das Ende der Weltordnung und die Gefahr eines Atomkriegs

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auf YouTube (05.05.2026) 1:05:37

Medienpräsenz

Zeitmarken

1. Struktureller Wandel zur Multipolarität

Mearsheimer stellt fest, dass die Weltordnung einen fundamentalen Wandel vollzieht:

  • Bipolarität (Kalter Krieg): USA gegen Sowjetunion [02:37].
  • Unipolarität (1991–2017): Die USA als einzige Supermacht weiteten die westliche Ordnung weltweit aus (NATO- und EU-Osterweiterung, Globalisierung) [03:42].
  • Multipolarität (seit 2017): Wir befinden uns nun in einer Welt mit drei Großmächten: USA, China und Russland. Mearsheimer betont, dass Ostasien (wegen China) für die USA nun wichtiger ist als Europa [05:23].

2. Die Rolle von Donald Trump und die Eskalation im Iran

Mearsheimer bezeichnet Trump als „Ein-Mann-Abrissbirne“ der bestehenden Ordnung [02:13]:

  • Iran-Krieg: Trump habe am 28. Februar 2026 (im Kontext des fiktiven Szenarios im Video) einen folgenschweren Krieg gegen den Iran begonnen, in der Hoffnung auf einen schnellen Sieg, der jedoch ausblieb [11:37].
  • Militärische Sackgasse: Die USA können den Iran militärisch nicht besiegen, ohne eine weltweite wirtschaftliche Depression zu riskieren. Gleichzeitig sei ein Abkommen politisch schwierig, da Israel und die US-Lobby den Iran als existenzielle Bedrohung sehen [31:53].
  • Kontrolle der Straße von Hormus: Der Iran kontrolliere nun faktisch diese strategische Meerenge und erhebe Gebühren, was die globale Wirtschaft massiv unter Druck setzt [36:06].

3. Der Ukraine-Konflikt und die nukleare Gefahr

Die Situation in Europa wird als extrem gefährlich eingestuft:

  • NATO-Erweiterung: Mearsheimer wiederholt seine These, dass die Entscheidung von 2008, die Ukraine in die NATO aufzunehmen, die Hauptursache für den Krieg war [18:06].
  • Angriffe auf russisches Territorium: Er zeigt sich erschüttert darüber, dass die Ukraine (mit westlicher Hilfe) direkt in russisches Kernland (Kursk) einmarschiert ist und strategische Bomberstützpunkte angreift. Im Kalten Krieg wäre dies wegen der nuklearen Eskalationsgefahr undenkbar gewesen [52:06].
  • Nuklear-Doktrin: Er verweist auf den russischen Strategen Sergei Karaganov, der den präventiven Einsatz von Atomwaffen ins Gespräch gebracht hat, um den Westen an die nukleare Realität zu „erinnern“ und die Abschreckung wiederherzustellen [46:54].

4. Vernetzung der Krisenherde

Mearsheimer betont, dass die Regionen nicht mehr isoliert betrachtet werden können [59:00]:

  • Russland unterstützt den Iran, während China Öl aus dem Iran bezieht.
  • Die USA müssen Ressourcen (Waffen und Aufmerksamkeit) zwischen der Ukraine, dem Nahen Osten und Ostasien aufteilen, was ihre Fähigkeit zur Eindämmung Chinas schwächt [01:00:31].

Fazit: Grenzen militärischer Macht

Das Gespräch endet mit einem Verweis auf Clausewitz: Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Mearsheimer warnt, dass die USA und Israel glauben, politische Probleme rein militärisch lösen zu können, dabei aber die politischen Realitäten und die Grenzen der Gewalt (wie einst in Vietnam) ignorieren [01:03:09].

Sprache (Ton)
Deutsch
Laufzeit
1h 5min 37s
Thematisierte Personen

Erstellt: 07.05.2026 - 10:16  |  Geändert: 07.05.2026 - 10:16

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