25.04.2026

Jeffrey Sachs: Trumps Niederlage im Iran & der Niedergang des US-Imperiums

Remote Video URL
Medienpräsenz

Zeitmarken

1. Der langfristige Trend des westlichen Niedergangs

  • Historischer Kontext: Sachs argumentiert, dass die westliche (insbesondere europäische) Dominanz ihren Höhepunkt um 1950 erreichte und seither stetig abnimmt. Er sieht den aktuellen Machtverlust der USA als Fortsetzung dieses Prozesses, der mit der Dekolonisierung nach dem Zweiten Weltkrieg begann [01:34].
  • Aufstieg Asiens: Die eigentliche globale Geschichte der letzten 75 Jahre ist für Sachs der wirtschaftliche und technologische Aufholprozess Asiens. Er betont, dass Asien mit 60 % der Weltbevölkerung historisch das natürliche Schwerkraftzentrum der Welt war und zu dieser Rolle zurückkehrt [05:22].

2. Die Illusion des „Unipolaren Moments“

  • Fehleinschätzung nach 1991: Das Ende der Sowjetunion löste im Westen eine Euphorie über eine vermeintlich dauerhafte US-Dominanz aus. Sachs bezeichnet dies als „wirtschaftlich naiv“ und eine „Selbsttäuschung“, da der Aufstieg Chinas und anderer asiatischer Staaten unter der Oberfläche bereits die Grundlagen dieser Macht untergrub [12:03].
  • Grenzen militärischer Macht: Er verweist auf historische Beispiele wie den Vietnamkrieg und aktuelle Konflikte wie in der Ukraine, um zu zeigen, dass militärische Überlegenheit allein nicht ausreicht, um eine globale Hegemonie gegen den Widerstand anderer Großmächte aufrechtzuerhalten [06:55].

3. US-Außenpolitik und „Offensiver Realismus“

  • Geopolitische Denkschulen: Sachs diskutiert den „offensiven Realismus“ (nach John Mearsheimer), der besagt, dass Großmächte zwangsläufig nach Vorherrschaft streben müssen, um sicher zu sein. Er kritisiert, dass Washingtoner Strategen jede andere stabile Großmacht (Russland, China, künftig Indien) als existenzielle Bedrohung wahrnehmen [25:56].
  • Kriegstreiberei: Er kritisiert Politiker wie Senator Lindsey Graham, die für ständigen militärischen Druck plädieren, und bezeichnet diesen Ansatz als destabilisierend und gefährlich für die USA selbst [27:47].

4. Ideologische Wurzeln und imperiales Erbe

  • Erbe des Britischen Weltreichs: Die USA haben laut Sachs ihre imperialen Denkmuster und Ideologien weitgehend von Großbritannien übernommen. Dazu gehört die Vorstellung einer „zivilisatorischen Mission“ oder einer natürlichen Überlegenheit des Westens [32:58].
  • Wahrnehmung Chinas: Sachs sieht die aktuelle Feindseligkeit gegenüber China in Washington darin begründet, dass man Chinas Entwicklung als „unzulässigen Eindringling“ in die westlich dominierte Ordnung betrachtet, anstatt die Realität einer multipolaren Welt zu akzeptieren [21:02].

5. Der Irankrieg als Wendepunkt

  • Verlust der Kontrolle: Der Konflikt mit dem Iran zeigt für Sachs deutlich die Grenzen der US-Einflussnahme im Nahen Osten auf. Er warnt davor, dass ein Festhalten an einer auf Dominanz basierenden Friedensordnung („hegemonialer Friede“) in einer multipolaren Welt nicht mehr funktioniert und zu endlosen Konflikten führt [23:05].

Sachs schließt mit dem Plädoyer, dass die USA lernen müssen, in einer Welt mit mehreren Machtzentren kooperativ zu agieren, anstatt zu versuchen, jeden Konkurrenten einzudämmen oder zu schwächen.

Sprache (Ton)
Deutsch
Laufzeit
34min 17s

Erstellt: 26.04.2026 - 07:51  |  Geändert: 26.04.2026 - 07:51

verwendet von