25.03.2026

Wir haben dort nichts zu suchen: Gabriele Gysi über Israel, Iran, Medien und Missverständnisse

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In dieser Ausgabe von Schack Spezial spricht Moderator Ramon Schack mit der Schauspielerin und Autorin Gabriele Gysi über aktuelle geopolitische Entwicklungen und persönliche Erfahrungen aus erster Hand.

Im Mittelpunkt des Gesprächs stehen Gysis Eindrücke aus Israel kurz vor Beginn der jüngsten Eskalation sowie ihre Reisen in den Iran. Dabei schildert sie Begegnungen vor Ort und reflektiert über gesellschaftliche Stimmungen, politische Wahrnehmungen und die Rolle internationaler Berichterstattung.

Darüber hinaus geht es um die Entwicklung politischer Diskurse in Deutschland und Europa, die Rolle von Medien sowie um Fragen von Kultur, Geschichte und gesellschaftlicher Veränderung. Auch persönliche biografische Aspekte, etwa das Aufwachsen in der DDR und die Ausreise in den Westen, werden im Gespräch thematisiert.

Zeitmarken

Eindrücke aus Israel und Kritik an der Regierung

  • Stimmung vor dem Angriff: Gysi berichtet von einer Opernpremiere in Tel Aviv kurz vor Kriegsbeginn. Sie beschreibt die israelische Gesellschaft als tief gespalten. Linke Intellektuelle fühlten sich isoliert, da Kritik an der Regierung von Benjamin Netanjahu im Ausland oft vorschnell tabuisiert oder als Antisemitismus geframt werde [01:46], [02:45].
  • Umgang mit Begriffen: Sie kritisiert die inflationäre und kontextlose Verwendung historischer Begriffe im öffentlichen Diskurs. Dieser werde den komplexen Realitäten vor Ort (wie der systematischen Benachteiligung der Palästinenser) nicht gerecht [04:49].
  • Iranische Realität: Gysi verweist darauf, dass der Iran (90 Millionen Einwohner) eine komplexe Gesellschaft sei. Entgegen westlicher Pauschalisierungen gebe es beispielsweise eine große jüdische Gemeinde in Teheran mit eigenen Abgeordneten im Parlament [05:42], [06:46].

Medienkritik und westliche Überheblichkeit

  • Intellektuelle Begrenztheit: Westliche Politik und Medien neigen laut Gysi dazu, die eigene intellektuelle Begrenztheit zum Maßstab der Welt zu machen. Sie kritisiert die Unkenntnis über den schiitischen Glauben, der im Diesseits eine politische Ordnung mit eigenen Institutionen begründe und nicht einfach als bloßes „Regime“ abgetan werden könne [17:18], [18:02].
  • Fehlende Einmischung: Sie plädiert dafür, dass sich der Westen aus den inneren Angelegenheiten des Iran heraushält („Wir haben dort nichts zu suchen“). Künstlich von außen geschürte Unruhen zerstörten die Chance auf einen organischen innergesellschaftlichen Ausgleich [20:15].

DDR-Vergangenheit und deutsch-deutsche Geschichte

  • Zwei deutsche Staaten: Gysis Sicht auf Deutschland war stets gesamtdeutsch. Sie betrachtet die Existenz zweier deutscher Staaten als logisches Resultat des verlorenen Zweiten Weltkriegs und der Besatzungsmächte [10:41].
  • Kulturelle Bildung: Im Vergleich zur heutigen Zeit, in der Bildung oft vom Geldbeutel der Eltern abhänge, lobt sie das staatliche Fördersystem der DDR, welches breiten Schichten über Theater-, Konzert- und Musikschulbesuche kulturelle Teilhabe ermöglichte [25:38].

Deutsche Außenpolitik und die EU

  • Gefährliche Rhetorik: Aussagen wie jene von Friedrich Merz, wonach Deutschland die „größte Armee in Europa“ anstrebe, hält Gysi für hochgefährlich. Dies wecke historisches Misstrauen bei den europäischen Nachbarn [00:00], [22:12].
  • Kritik an der EU: Die Europäische Union beschreibt sie als technokratischen Apparat ohne positive Visionen, der ideologisch primär durch das Feindbild Russland zusammengehalten werde [28:47].

Persönliches und Politik

  • Verhältnis zu Gregor Gysi: Sie schätzt ihren Bruder Gregor Gysi als wichtige linke Stimme und bundesrepublikanische Institution, sieht sich selbst jedoch als weniger staatsbejahend bzw. systemgläubig an [08:29], [10:21].
  • Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW): Es gab Gespräche darüber, für das BSW in Berlin als Spitzenkandidatin anzutreten. Aufgrund organisatorischer Umstände verlief die Idee jedoch im Sande [26:46], [27:03].
Sprache (Ton)
Deutsch
Laufzeit
30min 7s
Ereignisdatum
12.03.2026

Erstellt: 26.03.2026 - 12:05  |  Geändert: 26.03.2026 - 12:05

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