Freiheit und Demokratie, so der Investor Peter Thiel 2009, seien nicht länger kompatibel. Wer die Freiheit liebe, müsse daher versuchen, der Politik in all ihren Formen zu entkommen. Zuflucht suchen könnten Libertäre im Cyberspace, im Weltraum und auf dem offenen Meer. Das mag verblasen klingen, steht aber in einer jahrzehntealten Tradition marktradikaler Ideen: Denker wie Milton Friedman begeisterten sich für das noch unter britischer Oberhoheit stehende Hongkong; Margaret Thatcher träumte von einem Singapur an der Themse.
In seinem Buch Globalisten hatte sich Quinn Slobodian mit Versuchen befasst, ökonomische Fragen der demokratischen Willensbildung zu entziehen, etwa durch ihre Übertragung an internationale Organisationen. In Kapitalismus ohne Demokratie geht es nun um eine andere Lösung für das von Thiel beklagte Problem: die Zerschlagung der Welt in Steueroasen, Privatstädte oder Mikronationen.
The Billionaire Plan to Escape Democracy: Quinn Slobodian on 'Crack-Up Capitalism'
auf YouTube (08.02.2026) 56:08
Werden Tech-Milliardäre die Demokratie abschaffen, indem sie die Bevölkerung verdrängen?
In dieser Folge von „The Nerd Reich“ spricht Gil Duran mit dem renommierten Historiker Quinn Slobodian (Globalisten, Zusammenbruch des Kapitalismus), um die „Ideologie des Ausstiegs“ zu analysieren.
Während die Medien gescheiterte „Freiheitsstadt“-Experimente wie Prospera in den Fokus rücken, enthüllt Slobodian ein düstereres Endspiel: den Wandel hin zu einer automatisierten, „posthumanen“ Infrastruktur, in der Wähler keine Rolle mehr spielen.
In dieser Folge beleuchten wir:
Der Hongkong-Plan: Wie ein Relikt aus der Kolonialzeit zur Vorlage für den Kapitalismus des 21. Jahrhunderts wurde.
Autoritärer Kapitalismus: Warum die Eliten des Silicon Valley von Kontrollmodellen besessen sind.
Die posthumanistische Zone: Warum die Zukunft der „Souveränität“ den Rechenzentren von Manhattan-Größe gehört, nicht den Bürgern.
Die Realität von Octavia Butler: Was, wenn es in der Zukunft nicht darum geht, der „Firmenstadt“ zu entfliehen, sondern darum, in sie hineingelangen zu können?
Erstellt: 20.02.2026 - 08:35 | Geändert: 20.02.2026 - 08:35