Der Ökonom Andre Gunder Frank stellt in seinem Buch "ReOrient" die herkömmliche eurozentrische Ansicht der Weltgeschichte auf den Kopf, die die europäische Expansion seit dem 16. Jahrhundert als langfristigen Aufstieg des Westens deutet. Dieser Sichtweise stellt er die Zentralität Asiens, insbesondere Chinas, entgegen: hier konzentrierten sich zwischen 1400 und 1800 politische Macht, ökonomische Innovation und soziale Stabilität. Um an die weltweit begehrten asiatischen Artikel heranzukommen, setzten westeuropäische Kolonialmächte lateinamerikanisches Silber ein, das in Asien wiederum die Kommerzialisierung und den Austausch beförderte.
Andreas (André Gunder) Frank (* 24. Februar 1929 in Berlin; † 23. April 2005 in Luxemburg) war ein deutsch-amerikanischer Ökonom, Sozialwissenschaftler, Entwicklungsforscher, Globalhistoriker und Theoretiker Internationaler Beziehungen. Er ist einer der Begründer der Dependenztheorie und der Weltsystem-Theorie (die er später jedoch revidierte). Frank lehrte an zahlreichen Universitäten, u. a. in den USA, Brasilien, Chile und England; von 1981 bis zur Emeritierung 1994 war er Professor für Entwicklungsökonomie und Sozialwissenschaften an der Universität Amsterdam.
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