Abstauben in Brasilien. Deutsche Konzerne im Zwielicht. Von Christian Russau

Brasilien ist eines der zentralen Partnerländer. São Paulo ist die Stadt mit der weltweit größten deutschen Industriekonzentration außerhalb der Bundesrepublik. Automobilhersteller und ganze Zuliefererketten haben sich dort angesiedelt, ebenso wie Chemie- und Technologieunternehmen, metallverarbeitende Industrie sowie Banken, Versicherer und Rückversicherer. Wegen der ausgeprägten Verbundenheit zwischen Brasilien und Deutschland stehen deutsche Konzerne stärker unter dem kritischen Blick zivilgesellschaftlicher Organisationen als Konzerne aus anderen Ländern. Das hat dazu geführt, dass die deutschen Konzerne darauf bedacht sind, ihr Image in der Öffentlichkeit als von "Nachhaltigkeit", "Umweltschutz", "sozialer Verantwortung" und "Entwicklungsförderung" geprägt darzustellen. Doch durch zivilgesellschaftliches Monitoring werden immer wieder Skandale aufgedeckt. Wenn die Investitionen oder die Beteiligung deutscher Konzerne (unmittelbar oder mittelbar) in Konflikt mit Menschen- und Umweltrechten treten, wird dies in den Medien thematisiert.

ISBN 978-3-89965-721-0     16,80 €  Portofrei     Bestellen
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Es werden Informationskampagnen durchgeführt oder diese Kritik direkt in die jährlich stattfindenden Hauptversammlungen der Konzerne getragen, wo die Konzernchefs sich der öffentlich vorgetragenen Kritik stellen müssen. Damit gewinnen die zivilgesellschaftlichen Akteure bei den KonzernvertreterInnen weder Freunde, noch gelingt es ihnen in der Regel, die Konzerne an ihrem Agieren zu hindern und/oder sie rechtlich haftbar zu machen - auch wenn manchmal Pläne für künftiges Handeln revidiert werden müssen. Dabei waren die deutschen Konzerne nie alleine. Schon früh in den deutsch-brasilianischen Beziehungen offenbarte sich das geschickte Doppelgespann von Wirtschaftshandeln und Politik.

In diesem in Kooperation von der Rosa-Luxemburg-Stiftung und medico international veröffentlich ten Buch wird die Geschichte von Menschen in Brasilien erzählt, deren Existenz auch durch das Profitstreben der deutschen Konzerne bedroht ist - und welche Formen des Widerstands es gegen die Konzernmacht gab und gibt.
Die Global Player der deutschen Wirtschaft sind alle in Brasilien aktiv. Der Autor geht der Frage nach, wie sie es mit Menschenrechten und Umwelt halten und welche unrühmliche Rolle deutsche Politik und Konzerne während der Militärdiktatur in Brasilien spielten.

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Inhalt und Leseprobe des Verlags

Deutsche Konzerne und ihre Rohstoffgier in Brasilien. Von Andreas Grünwald.
Die Verantwortlichen für die Brandrodungen in Brasilien sitzen zu einem starken Anteil in Deutschland. Anstatt uns also weiterhin nur mit Horror-Bildern über die Brände im Amazonas Gebiet gegenseitig in Schrecken zu versetzen, wäre es jetzt also doch viel notwendiger sich mit den ökonomischen und politischen Hintergründen und vor allem auch mit der Rolle deutscher Politik und deutscher Monopolunternehmen betreffs der Vernichtung der südamerikanischen Regenwälder zu beschäftigen. Denn nicht nur dass diese an diesem Vernichtungsfeldzug einen starken Anteil haben, allein dadurch könnte doch auch so etwas wie eigene Handlungsperspektive entstehen. Sich indes in schrillen Tönen immer wieder nur und ausschließlich über die besondere Brutalität von Jair Bolsonaro aufzuregen, das ist zwar verständlich, aber es bringt nur wenig. Denn Bolsonaro ist doch nur der Bluthund, der gerade auch zum Nutzen des deutschen Industrie- und Monopolkapitals, wie auch des Monopolkapitals aus einigen anderen Ländern, dort vor Ort in Brasilien dann die Drecksarbeit verrichtet.

Der Autor:

Christian Russau ist Journalist und Autor sowie Vorstandsmitglied des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, Redakteur der Lateinamerika Nachrichten und aktiv beim Berliner Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika (FDCL), bei der Initiative GegenStrömung sowie beim Netzwerk KoBra – Kooperation Brasilien.

 

Erstellt: 28.08.2019 - 07:44  |  Geändert: 29.08.2019 - 16:10

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