Der Oppositionelle
Georg Ledebour (1850–1947): Linksliberaler, Sozialdemokrat, Linkssozialist
„Du stehst allein“, so Kurt Tucholsky 1925 zu Georg Ledebours 75. Geburtstag. Das war satirisch zugespitzt, denn bis ins Schweizer Exil während des NS-Regime unterhielt Ledebour politische Verbindungen.
Begonnen hatte der hier Porträtierte als Links- und Sozialliberaler mit Affinität zum englischen Parlamentarismus und den Gewerkschaften. Als Sozialdemokrat in der Aufstiegsperiode nach dem Sozialistengesetz rückte Ledebour rasch ins Zentrum der Partei: als Redner nicht nur in deren Bildungswesen und Autor im Zentralorgan „Vorwärts“.
Nach dem Tod des SPD-Patriarchen Wilhelm Liebknecht 1900 übernahm Ledebour dessen Berliner Reichstagswahlkreis und gewann ihn stets, mit Rekordergebnissen bis über 80 %. Fast wäre er und nicht Philipp Scheidemann nach dem Tod August Bebels 1913 einer der beiden Vorsitzenden der SPD-Reichstagsfraktion geworden. Als USPD-Mitglied seit 1917 verlor Ledebour an Einfluss, trotz Höhepunkts öffentlicher Wirkung in der Revolution 1918/19, zumal er 1920 die Vereinigung mit der KPD ebenso ablehnte wie 1922 jene mit der SPD.
Wikipedia (DE): Georg Ledebour
Rezension
Veit Valentin nannte ihn den »Eigenbrötler des Sozialismus« (zit. nach Czitrich-Stahl, S. 462). In der Tat ging Georg Ledebour in seinem 97-jährigen Leben von 1850 bis 1947 kaum einem Konflikt aus dem Weg. Nun hat der Historiker Holger Czitrich-Stahl, der unter anderem bereits durch eine lesenswerte Biografie Arthur Stadthagens, einem Weggefährten Ledebours, hervorgetreten ist, eine umfangreiche Lebensbeschreibung des sozialistischen Politikers unter dem treffenden Titel »Der Oppositionelle« vorgelegt. [PDF] Von AXEL WEIPERT Archiv für Sozialgeschichte (online) 65, 2025