Die Welt wieder verzaubern
Feminismus, Marxismus & Commons
Silvia Federici ist eine der einflussreichsten feministischen Theoretikerinnen der Gegenwart. In diesem Band, der Texte aus den letzten zwanzig Jahren versammelt, stehen die Commons im Zentrum der Analyse. So gelingt es Federici, die proletarischen Kämpfe gegen die Einhegungen der Vergangenheit und der Gegenwart miteinander in Beziehung zu setzen. Die Commons versteht sie aber nicht als »Inseln der Glückseligen« in einem Meer ausbeuterischer Verhältnisse, sondern als autonome Räume, von denen aus die bestehende kapitalistische Organisation des Lebens und der Arbeit herausgefordert werden kann.
Die Kämpfe von Frauen und die von ihnen geleistete reproduktive Arbeit sind dabei von zentraler Bedeutung, nicht nur, weil sie für unser (Über-)Leben entscheidend sind, sondern auch, weil aus dieser Perspektive eine Welt jenseits der Verheerungen des Kapitalismus gedacht werden kann. Die »Entzauberung der Welt« (Max Weber) versteht Federici politischer, nämlich als die Zerstörung jedweder Logik jenseits kapitalistischer Rationalität. Daher ihr Aufruf, die Welt wieder zu verzaubern und andere Welten zu entdecken und für diese zu kämpfen.
Inhaltsverzeichnis und Leseprobe des Verlags
Rezensionen
Geschichte und Gegenwart der Enteignung: Vom Verschwinden alter und der Schaffung neuer Commons rund um die Welt: Im Spiegel erschien im Mai 2020 eine Fotoreportage über Strassenverkäuferinnen in Accra, der Hauptstadt von Ghana: Wie haben sie den Corona-Lockdown überstanden? Sie arbeiten an viel befahrenen Strassenkreuzungen und verkaufen verschiedenste Waren an die Autofahrer*innen. Viele von ihnen leben von der Hand in den Mund. Wie sind sie über die drei Wochen gekommen, in denen die Stadt stillstand? „Ich habe schnell die Stadt verlassen und bin zu meiner Mutter in die Central Region gefahren“, sagt eine, und „zum Glück waren meine Kinder auf dem Land“, eine andere. Ihre Antworten führen direkt ins Zentrum von Silvia Federicis neuem Buch. Von Johanna Tirnthal untergrund blättle 03.08.2020
Beim oberflächen Lesen so mancher Beiträge über Commons/Gemeinschaffen in der Oya könnte der Eindruck entstehen, dass es sich dabei um ein nettes Hobby für privilegierte Menschen handelt, die nicht einen Großteil ihrer Lebenszeit für ihren Lebensunterhalt im Kapitalismus aufwenden müssen. Silvia Federici macht in ihrem Buch deutlich, dass dem nicht so ist: Commons sind für sie ein wesentliches Element bei den Bemühungen«, den Kapitalismus und das Patriarchat aufzuheben. Der Titel »Die Welt wieder verzaubern« ist erstaunlich materialistisch gemeint. Es geht ihr damit um »die Möglichkeit, die kollektive Entscheidungsgewalt über unser Schicksal auf diesem Planeten wiederzugewinnen«.Von Timo Ollech oya #61/2020
Autoreninfos
Übersetzt von
Leo Kühberger ist Historiker und Kulturanthropologe. Er lebt in Graz und arbeitet zu Praxis und Theorie sozialer Bewegungen. 2019 hat er für den Mandelbaum Verlag Harry Cleavers Der Kampf gegen die Arbeit ins Deutsche übersetzt.
Erstellt: 04.02.2026 - 08:36 | Geändert: 04.02.2026 - 08:50