Der erschöpfte Staat. Eine andere Geschichte des Neoliberalismus. Von Ariane Leendertz

In den 1960er Jahren traute sich der Staat etwas zu: Die Gesellschaft und ihre Institutionen sollten moderner und Krisen vorausschauend gemanagt werden. Die USA riefen den »Krieg gegen die Armut« aus und legten dazu ambitionierte Programme auf. Spätestens mit der Wahl Ronald Reagans zum Präsidenten war es damit vorbei; das staatliche »Biest« sollte »ausgehungert« werden.

Ein bislang nicht ausreichend gewürdigtes Motiv dieser Staatskritik ist Gegenstand von Ariane Leendertz' großer Studie: der Diskurs über Komplexität.

ISBN 978-3-86854-365-0     40,00 €  Portofrei     Bestellen

Die soziale Welt sei letztlich viel zu kompliziert und unüberschaubar, es gebe immer überraschende Wechselwirkungen und nicht intendierte Folgen; staatliche Eingriffe, so die Rhetorik, würden alles nur noch schlimmer machen.

Seit den 1960er Jahren erodierte, wie die Historikerin zeigt, die Überzeugung, mithilfe des Staates gesellschaftliche Probleme lösen zu können. Ihre Studie zeichnet diesen Prozess anhand der Debatten über Komplexität und Regierbarkeit und der Geschichte der Urban Policy in den USA nach.

Mit ihrem Buch gelingt es Ariane Leendertz auf bestechende Weise, den Wandel von Staatlichkeit und die Verbindung zwischen neoliberaler Theorie und politischer Praxis zu veranschaulichen.

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Inhaltsverzeichnis

Leseprobe des Verlags

Antwort der Autorin auf die Kommentare von Biebricher, Rieger, Schimank, Streeck [siehe unten]: „(...) Eine andere Geschichte - Zunächst zur Frage, inwiefern es sich um eine andere Geschichte des Neoliberalismus handelt." Von Ariane LeendertzSoziopolis 28.06.2023

Zwischen Wissenschaftsgeschichte und Politökonomie: Der erschöpfte Staat bietet der Leserschaft auf den ersten Blick eine zeithistorische Policy-Analyse im Hinblick auf die Stadtpolitik der jüngeren Vergangenheit in den USA. Doch Leendertz will anhand dieses Politikfeldes auch eine andere Geschichte des Neoliberalismus vorlegen, wie der programmatische Untertitel des Buches lautet. Ich möchte im Folgenden auf der Grundlage einer pointierten Zusammenfassung des Inhalts erläutern, inwieweit ich den programmatischen Anspruch der Autorin eingelöst sehe, und darüber hinaus anregen, Leendertz’ Analyse zum Ausgangspunkt für weitergehende Überlegungen zu nehmen. [Kommentar zum Buch. PDF] Von Thomas BiebricherSoziopolis / ssoar.info 07.06.2023 

Erschöpft oder verhungert? - Auch jemandem, der die amerikanische Politik nicht nur von außen, sondern über mehr als ein Jahrzehnt auch von innen aufmerksam verfolgt hat, war die politische Bedeutung des housing and urban development, als Problemzone und Politikfeld ebenso wie als Bundesministerium, nicht notwendig geläufig. Es ging, das glaubte man verstanden zu haben, um die inner cities. Aber wie fast alles in den USA ist auch das, was auf den ersten Blick wie Stadtplanung und Städtebau aussehen mag, durchsetzt vom Erbe der Sklavenhaltergesellschaft, das nur allzu oft zwischen harmlos-technokratischen Wortfassaden verborgen bleibt. [Kommentar zum Buch. PDF] Von Wolfgang Streeck → Soziopolis / ssoar.info 07.06.2023

„We're not sure it will work at all“: Die traurige Tatsache, dass viele US-amerikanische Städte sich bereits seit einigen Jahrzehnten in einem desolaten Zustand befinden, der auf westeuropäische Besucherinnen und Besucher mitunter geradezu schockierend wirkt, wird nach der Lektüre des ebenso erhellenden wie ernüchternden Buches von Ariane Leendertz niemanden mehr überraschen. [Kommentar zum Buch. PDF] Von Bernhard Rieger → Soziopolis / ssoar.info 07.06.2023

Neoliberalismus und Stadtpolitik in den USA: Neoliberale Theorien, Programme und Maßnahmen sind inzwischen zum historischen Forschungsgegenstand geworden. Es liegt dabei nahe, von den Ökonomen auszugehen, die seit der Mitte des 20. Jahrhunderts in scharfer Abgrenzung zum expandierenden Wohlfahrtsstaat das marktwirtschaftliche Denken erneuerten und ihre Vorstellungen durch transnationale Netzwerkbildung verbreiteten.1 In ihrer Monografie über urban policy in den Vereinigten Staaten setzt Ariane Leendertz anderswo an, nämlich bei der Situation, in der eine Nachfrage nach neoliberalen Reformangeboten entstehen konnte. [Rezension zum Buch. PDF] Von Moritz FöllmerSoziopolis / ssoar.info 16.01.2023

Pressestimmen:

Neoliberale Theorien, Programme und Maßnahmen sind inzwischen zum historischen Forschungsgegenstand geworden. Es liegt dabei nahe, von den Ökonomen auszugehen, die seit der Mitte des 20. Jahrhunderts in scharfer Abgrenzung zum expandierenden Wohlfahrtsstaat das marktwirtschaftliche Denken erneuerten und ihre Vorstellungen durch transnationale Netzwerkbildung verbreiteten.1 In ihrer Monografie über urban policy in den Vereinigten Staaten setzt Ariane Leendertz anderswo an, nämlich bei der Situation, in der eine Nachfrage nach neoliberalen Reformangeboten entstehen konnte. Von Moritz FöllmerH Soz Kult 01.01.23

(..) Ariane Leendertz hat eine eindrucksvolle Arbeit vorgelegt, die für die wissenschaftliche und politische Auseinandersetzung mit der Geschichte neoliberaler Programmatiken Standards setzt. Das Buch ist eine historisch kenntnisreiche Analyse einer Entwicklung, die oftmals viel zu pauschal als neoliberales Zeitalter gekennzeichnet wird. Es kann als Lektüre für alle an dieser Entwicklung Interessierten nur empfohlen werden. [Überblick über die Kapitel und Rezension] Von Prof. Dr. Norbert WohlfahrtSocialnet 06.12.22

Die Autorin:

Ariane Leendertz, PD Dr., ist Historikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München. Zuvor war sie Forschungsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln. (Stand: Juni 2022)

 

Erstellt: 22.05.2024 - 08:47  |  Geändert: 22.05.2024 - 09:37