Kain. Von José Saramago

"Die Geschichte der Menschheit ist die Geschichte ihrer Uneinigkeiten mit Gott, weder versteht er uns, noch verstehen wir ihn", heißt es in Saramagos "Kain", und es könnte das Motto des Buches sein. Saramago schickt seinen Helden nach dem von ihm begangenen Brudermord an die unterschiedlichsten Schauplätze des Alten Testaments und lässt ihn aktiv an den biblischen Geschichten teilhaben. So trifft Kain, der in der Zeit vor und zurück katapultiert wird, auf die verführerische Lilith, die ihn sofort als Liebhaber vereinnahmt, er ist als Retter zur Stelle, als Abraham sich in Gottes Auftrag anschickt, seinen Sohn Isaak zu opfern, er verfolgt fassungslos die Zerstörung von Sodom und Gomorrha.

ISBN 978-3-455-40295-7     19,99 €  Portofrei     Bestellen

Stets stellt der staunende, vermeintlich naive Kain die göttliche Vernunft in Frage - ob es sich um Gottes "unrühmliche" Rolle in dem ureigenen Bruderzwist handelt, ob um die Babel'sche Sprachverwirrung oder den Tanz ums Goldene Kalb. Und auch Saramagos geistreicher, unermüdlich kommentierender Erzähler macht einmal mehr deutlich, dass göttliches Handeln mit rationalem Denken nicht nachzuvollziehen ist.

In "Kain" schreibt José Saramago die Bibel kurzerhand um und lässt den Brudermörder eine ganz eigene Reise durchs Alte Testament antreten. Mit Phantasie, Ironie und einem Schuss Boshaftigkeit führt der große Romancier die göttliche Allmacht ad absurdum. "Portugals bedeutendster Romancier" (DIE ZEIT) hat seinen Lesern mit seinem letzten Werk ein kraftvolles, provozierendes Vermächtnis hinterlassen.

Mehr Infos...

Der neunzigjährige portugiesische Nobelpreisträger hat sich mit seinem „Kain“ den literarischen Spaß eines Häretikers erlaubt, der auf dem schmalen Gebiet literarischer Religionskritik würdig neben Voltaires „Candide“ steht. Von Wolfram Schütte → CulturMag 17.09.2014

Ein zusammenfassender Satz findet sich gleich zu Beginn des Buches (Gott hat gerade Evas Nabel erschaffen): „Dies war das letzte Mal, dass der Herr ein von ihm geschaffenes Werk betrachtete und es für gut befand.“ Das ist eine Zusammenfassung für den Inhalt UND den Stil des Buches. Beides genial, beides grossartig. → LiteraturBlog 19.10.2011

Abrechnung eines weisen Erzählers. In seinem letzten Buch „Kain“ zeigt der 2010 verstorbene portugiesische Literaturnobelpreisträger José Saramago Gott als nachtragenden und gewalttätigen Schöpfer. Als das Buch in seiner Heimat erschien, löste es einen Skandal aus. → Deutschlandfunk Kultur 16.08.2011

Der liebe Gott muss dringend in Therapie. Gott hat eine Schraube locker. Anders kann sich Kain keinen Reim auf all das machen, was er auf jahrzehntelangen Irrfahrten erfuhr. Leichen pflastern Gottes Weg. Von Florian Borchmeyer → FAZ 15.08.2011

Kain gegen Gott. José Saramago will es wissen. Mit „Cain“ erzählt er seine Version des Alten Testaments. Sein Held ist der ungeliebte Kain, und sein Gott ist ein stolzer, selbstgefälliger Mann. → HNA 12.12.2009

Der Autor:

José Saramago (1922-2010) wurde in Azinhaga in der portugiesischen Provinz Ribatejo geboren. Er entstammt einer Landarbeiterfamilie und arbeitete als Maschinenschlosser, technischer Zeichner und Angestellter. Später war er Mitarbeiter eines Verlags und Journalist, bevor er Schriftsteller wurde. Während der Salazar-Diktatur gehörte er zur Opposition.1998 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

José Saramago auf Wikipedia

 

Erstellt: 24.11.2022 - 08:17  |  Geändert: 24.11.2022 - 08:18