14.08.2026

Alastair Crooke: Iran und Russland geben Diplomatie auf und gehen in die Offensive

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Alastair Crooke ist ein ehemaliger britischer Diplomat und Gründer des in Beirut ansässigen Conflicts Forum. Zuvor war er Berater für Nahostfragen von Javier Solana, dem außenpolitischen Chef der EU.

Übersicht

Einführung und die Bedeutung inklusiver Diplomatie (00:03) Alister Crook wird als Experte eingeführt, der für seine Hinterkanaldiplomatie bekannt ist. Im Gegensatz zu vielen Kollegen betont er die Notwendigkeit, Gruppen wie Hamas und Hisbollah in Friedensprozesse einzubeziehen, anstatt sie auszuschließen. Das Gespräch widmet sich der Ausweitung des Konflikts im Nahen Osten, die eine komplexe Diplomatie unter Einbeziehung zahlreicher regionaler Akteure erfordere.

Irans Konsolidierung und Abkehr von Verhandlungen (02:24) In Iran findet laut Crook eine gezielte Machtkonsolidierung statt. Durch personelle Wechsel im nationalen Sicherheitsrat (SNC) und im Militär festige sich eine Vision, die keine Verhandlungslösung mit Donald Trump mehr sucht. Teheran stelle sich stattdessen auf einen langen Konflikt bis ins Jahr 2029 ein, wobei die Blockade der Straße von Hormus als Druckmittel diene. Auf Versuche der Marktmanipulation durch die USA reagiere Iran mit demonstrativen Angriffen auf Tanker.

Fehlkalkulationen bei Waffenbeständen und Ölpreisen (05:25) Crook kritisiert zwei fundamentale Fehler der USA: Die mangelnde Prüfung der eigenen Waffenbestände vor Kriegsbeginn und die Unterschätzung der wirtschaftlichen Folgen. Die Strategie der USA, den Ölpreis künstlich niedrig zu halten, täusche niemanden mehr und bereite die Bevölkerung nicht auf die reale Knappheit von Diesel und Kerosin vor. Entscheidend sei die Angebotskurve, die durch physische Ausfälle bereits stark beeinträchtigt ist.

Spannungen im Irak und die Rolle der Hascht al-Schaabi (08:36) Ein weiterer Fehler war der Angriff auf die irakische Hascht-Miliz (PMU) während der religiösen Arbain-Zeit. Crook betont, dass diese Kämpfer keine bloßen iranischen Stellvertreter seien, sondern stolze irakische Nationalisten, die nun auf eigene Faust Rache an Saudi-Arabien geschworen haben. Saudi-Arabien versuche derweil verzweifelt, den Konflikt mit dem Jemen zu ignorieren, obwohl der Krieg bereits auf saudisches Territorium übergreift.

Wirtschaftlicher Niedergang der US-Verbündeten (12:17) In Washington herrsche eine Realitätsverweigerung vor, indem Trump behauptet, Hormus sei offen. Tatsächlich ist der saudische Ölexport um 74 % eingebrochen, da die Pipeline nach Janbu zerstört wurde. Die USA müssten Saudi-Arabien nun finanziell retten, während Iran aufgrund jahrelanger Erfahrung mit Sanktionen weitaus widerstandsfähiger gegen wirtschaftlichen Druck sei als die Golfstaaten.

Israels interne Zerreißprobe und das Westjordanland (16:36) In Israel führt die politische Polarisierung zu einer gefährlichen Eskalation. Rechtsextreme Minister wie Ben-Gvir und Smotrich setzen laut Crook auf eine Provokation im Westjordanland oder am Tempelberg, um durch Chaos die Wahlen zu gewinnen. Währenddessen rüste sich Netanjahu gegen eine mögliche Wahlniederlage, um einer drohenden Haftstrafe zu entgehen.

Regionale Fronten: Jemen, Syrien und irakische Kurden (22:35) Der gesamte Nahe Osten wird zunehmend instabil. Die Hutis vertreiben saudische Truppen im Südjemen, während der Iran im Nordirak gegen kurdische Gruppen vorgeht, um einen geplanten Einmarsch in den Iran zu verhindern. Gleichzeitig drohen die Iraker mit einem Einmarsch in Syrien, falls Syrien gegen die Hisbollah im Libanon vorgeht. Netanjahu dränge die USA zudem zu einer totalen Zerstörung der iranischen Infrastruktur, was Crook als „langsame Atombombe“ bezeichnet.

Die Illusion der Eskalationskontrolle (27:36) Die Hybris der USA bestehe darin zu glauben, sie könnten die Eskalation durch das „Drehen an Knöpfen“ präzise steuern. Crook warnt davor, dass die Kriege in der Ukraine und im Iran miteinander verschmelzen könnten, was für den Westen unkontrollierbar wäre. Er kritisiert, dass Russland und Iran den USA zu lange erlaubt haben, den Takt des Konflikts zu bestimmen.

Der Restaurant-Anschlag in Moskau und Russlands Reaktion (29:22) Ein Bombenanschlag auf zwei Generäle in einem Moskauer Restaurant markiert für Crook einen Wendepunkt. Die Russen werden laut Crook zu dem Schluss kommen, dass westliche Geheimdienste an diesem gezielten Attentat auf eine private Feier beteiligt waren. Anstatt die Bevölkerung gegen Putin aufzubringen, bewirken solche Anschläge in Russland eine tiefe Wut und die Forderung nach einer noch härteren militärischen Reaktion.

Europas „Bunkermentalität“ und politisches Versagen (35:42) Die europäischen Eliten sitzen laut Crook in einem „Bunker“ der Selbstzufriedenheit und nehmen die Realität außerhalb nicht mehr wahr. Da die Ukraine als letztes Mittel zur Aufrechterhaltung der NATO-Struktur scheitert, regiere Verzweiflung. Berichte über Pläne in Deutschland, Bundesländern Kompetenzen zu entziehen, zeigen das Ausmaß dieser Verzweiflung. Die EU sei als geopolitischer Akteur gescheitert und werde von Mächten wie Russland oder China ignoriert.

Ausblick: Unvorbereitet auf den kommenden Schock (45:59) Zum Abschluss warnt Crook vor der psychologischen Unvorbereitetheit der westlichen Bevölkerung auf den kommenden wirtschaftlichen Schock, etwa durch Dieselrationierungen. Während die Medien das Bild einer heilen Welt vermitteln, steuere die Region auf eine massive Krise zu, da sowohl Russland als auch der Iran erkannt hätten, dass Diplomatie mit dem Westen derzeit zwecklos sei

Sprache (Ton)
Deutsch
Laufzeit
47min 59s

Erstellt: 14.08.2026 - 11:09  |  Geändert: 14.08.2026 - 11:24

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