Alexander Teske (Medienpräsenz)

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Alexander Teske war über zwei Jahrzehnte für die ARD tätig und arbeitete unter anderem in der Nachrichtenredaktion. Heute blickt er deutlich kritischer auf den öffentlich rechtlichen Rundfunk und seine eigene Zeit innerhalb des Systems. In seinem neuen Buch beschäftigt er sich zudem mit sogenannten Wochenkindern, die in der DDR bereits im frühen Kindesalter mehrere Tage am Stück von ihren Eltern getrennt betreut wurden. Teske war selbst ein Wochenkind.

Im Gespräch geht es um die Frage, wie journalistische Blasen entstehen und welchen Einfluss politische Überzeugungen auf Berichterstattung haben können. Teske spricht über seine Erfahrungen während der Flüchtlingskrise 2015, redaktionelle Grenzen während Corona und den Umgang mit der AfD. Er erklärt, warum er heute manche Entscheidungen seiner früheren Kollegen anders bewertet und weshalb ihm das Ausmaß des Misstrauens gegenüber öffentlich rechtlichen Medien lange nicht bewusst war. Außerdem spricht er über frühe Fremdbetreuung, mögliche Folgen für Kinder, seine eigene Familiengeschichte und darüber, warum sich die deutsche Medienlandschaft aus seiner Sicht langsam wieder öffnet.

Zeitmarken:
00:00 Intro 
00:52 Die Tagesschau und ihre Bedeutung 
08:05 Teskes Wandel nach der ARD 
14:24 Ost West und die Folgen früher Fremdbetreuung 
26:36 Kinderbetreuung heute und der Fall Eva Herman 
37:08 Corona und redaktionelle Grenzen 
42:17 Die Lebenswelt der Tagesschau Redakteure 
53:08 Migration und Berichterstattung seit 2015 
01:11:59 Social Media und alternative Medien 
01:23:56 Die AfD und der Umgang mit unbequemen Positionen 
01:38:56 Journalistische Distanz und der Wandel der Medienlandschaft

1:20:38

Michael Hartmann erforscht seit 40 Jahren die Eliten weltweit. Der Professor für Soziologie hat bis 2014 an der TU Darmstadt gelehrt. Doch noch immer lässt ihn das Thema nicht los. Die Kernelite in Deutschland gibt er mit 1.000 Menschen an, die erweiterte Elite mit 4.000. Das sind die Menschen, die mit ihren Entscheidungen unser aller Leben bestimmen. Erstaunlicherweise nimmt die Homogenität der Elite zu statt ab. Warum erklärt Hartmann im Gespräch. Zuerst habe ich ihn gefragt, was er unter Elite versteht und ob der Begriff nicht umstritten ist sowie wie sich die Elite verändert hat in den vergangenen Jahrzehnten.

Hartmann war immer für eine Frauenquote und sagt auch, dass diese gewirkt hat. Allerdings hat die Frauenquote dafür gesorgt, dass akademisch gebildete Frauen aus dem Bürgertum Männer aus der Arbeiterschaft aus der Elite verdrängt haben. Und das bemängelt Hartmann: Die Breite der Gesellschaft ist nicht in der Elite abgebildet. Die Elite wird von Akademiker und Bürgerlichen dominiert. Deshalb ist er für die Quote für Arbeiterkinder.

Wir waren nicht immer einer Meinung, zum Beispiel bei Sophie von der Tann, aber ich fand das Gespräch hochspannend und erhellend. Auch Hartmann fremdelt mit den klassischen Medien und kann kaum noch Unterschiede bei RTL/NTV, ARD/ZDF sowie WELT erkennen. Laut Hartmann ist die Medienelite übrigens die zweitexklusivste.

Natürlich habe ich ihn auch gefragt, ob er wirklich lieber von Arbeiter und Bauern regiert werden will, da ich damit in der DDR ungute Erfahrungen gemacht habe. Und ich habe ihn gefragt, ob nicht auch andere Gruppen wie Schwerbehinderte, Ostdeutsche und Migranten von der Elite ausgeschlossen werden und woran das liegt.

Wer das Thema vertiefen möchte: Michael Hartmann hat das Buch "Die Abgehobenen - wie die Eliten die Demokratie gefährden" geschrieben. 

Wer nur deutsche Leitmedien konsumiert, zumal öffentlich-rechtliche, bekommt meist ein recht einseitiges Bild über Ungarn gezeichnet. Der böse Orban ist nun weg und nun alles gut bzw. besser. Doch die Wahrheit ist nicht nur viel komplizierter, sie ist teilweise auch erschreckend. Denn der neue Regierungschef Peter Magyar scheint jovialer im Umgang, seine Politik unterscheidet sich aber kaum von der seines Vorgängern. Auch er lässt nun reihenweise politische Gegner abservieren und schreckt sogar nicht davor zurück, den gewählten Staatspräsidenten durch eine Verfassungsänderung auszutauschen. Magyar ist deutlich jünger als Orban, aber die restriktive Migrationspolitik wird er genauso fortführen, wie er den EU-Beitritt der Ukraine blockieren wird und weiterhin russische Energie bezieht. Der einzige Unterschied: Die EU ist auf seiner Seite und klatscht (noch) Beifall, aus welchen Motiven auch immer.

Mein Gesprächspartner ist Bence Bauer, der Direktor des Deutsch-Ungarischen-Instituts, der in Deutschland studiert hat und ein Kenner sowohl der ungarischen als auch der deutschen Politik ist. Er stand inhaltlich eher der abgewählten Regierung nahe, was ihn nicht davon abhält, diese deutlich zu kritisieren. Und so wurde es ein spannendes Gespräch über Parallelen zwischen beiden Ländern und dem kompletten Neustart des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Ungarn.