Honey Balecta (Medienpräsenz)

35:02

Deutschland hat eine der ältesten und historisch mächtigsten Arbeiterbewegungen der Welt. Doch wenn du heute ganz praktisch lernen willst, wie man eine Belegschaft organisiert, wie man eine Krankenhausstation zur kollektiven Handlungsfähigkeit bringt oder im Betrieb echte Mehrheiten von unten aufbaut, stehst du vor fast leeren Regalen. Es gibt in Deutschland kaum Literatur zum Thema Organizing.

Gute Nachrichten: Seit einigen Jahren kehrt das Handwerk des Organizing über Umwege aus den USA zurück. Die erfolgreichen, harten Kämpfe an der Berliner Charité, bei Lieferando oder in den Krankenhäusern in NRW zeigen, dass die Basis wieder lernt, selbst zu handeln.

Angesichts der aktuellen Angriffe des Merz-Klingbeil-Regimes auf unsere Rechte als arbeitende Klasse ist die Wiederentdeckung dieser vergessenen Bibliothek kein linkes Hobby mehr. Sie ist unsere einzige Überlebenschance gegen die Ausbeutung von oben.

22:09

Sich heute in Deutschland zu organisieren, fühlt sich oft wie ein aussichtsloser Kampf gegen Windmühlen an. Bewegungen flammen kurz auf und versanden wieder, während Parteien und Gewerkschaften für viele an Strahlkraft verloren haben. Wer versucht, vor Ort etwas auf die Beine zu stellen – im Betrieb, im Stadtteil, in der Schule –, steht meist nach drei Wochen wieder allein da. Das Problem ist nicht mangelnde Energie, sondern die fehlende Antwort auf die Frage: Wo fange ich überhaupt an?

In meinem neuen Video präsentiere ich dir das Handwerkszeug, das Schluss mit frustrierender Symbolpolitik macht: die Machtressourcenanalyse. Ein nüchternes Diagnoseinstrument, das deine tatsächlichen Mittel kartiert und zeigt, wo du einen Hebel mit echter Wirkung ansetzen kannst.

Unter https://macht.jetzt findest du das Tool, mit dem du selbst eine Machtressourcenanalyse durchführen kannst.

16:08

Jede aktivistische Zelle, jede Bürgerinitiative und jedes linke Bündnis kennt diesen Moment: Am Anfang läuft alles super, die Stimmung ist gut, der Plan steht. Doch dann kommt der Tag, an dem es ernst wird – sei es durch juristische Repression, Druck vom Arbeitgeber oder mediale Hetze. In genau diesem Krisenmoment bricht eine schmerzhafte Wahrheit auf: Die Menschen am Tisch haben völlig unterschiedliche Grenzen. Die einen wollen »Jetzt erst recht« weitergehen, die anderen müssen aus Selbstschutz aussteigen.

Handlungsfähigkeit ist kein Vibe
Echte Handlungsfähigkeit ist kein warmes Bauchgefühl, sondern die nüchterne Kenntnis der eigenen Möglichkeiten und Grenzen. Wer die Belastbarkeit der eigenen Leute ignoriert, schreibt Schecks, die die Mitglieder am Ende mit ihrer Existenz einlösen müssen.

Hier kommt das Konzept der »Bruchlinie« ins Spiel: Ein feiner, unsichtbarer Riss, der quer durch eine scheinbar harmonische Gruppe verläuft. Solange kein Druck von außen kommt, hält die Wand. Doch der Gegner wird genau auf diese Risse drücken. Eine kluge Gruppe macht ihre Bruchlinien deshalb vorher sichtbar, um solidarisch und realistisch planen zu können.

Eine Resilienzanalyse ist kein Werkzeug, um Menschen zu bewerten oder in »harte« und »weiche« Aktivisten einzuteilen. Jede persönliche Grenze verdient uneingeschränkten Respekt. Wer das Werkzeug nutzt, um moralischen Druck aufzubauen, verwandelt es in eine Waffe gegen die eigenen Leute. Das Ziel ist rein kollektiv: Wir müssen die Schwächsten schützen und mit ihren realen Grenzen planen, statt sie im Ernstfall unvorbereitet ins offene Messer laufen zu lassen.

Alle Tools für die Resilienzanalyse und die Machtressourcenanalyse findet ihr kostenlos und datensparsam auf: macht.jetzt

25:19

Die Kriegstreiber in Regierung und Leitmedien haben ein gewaltiges Problem: Die Jugend macht nicht mit. Nach den massiven bundesweiten Schulstreiks am 8. Mai 2026 reagiert der Staat mit purer Panik – durch Repression vonseiten der Geheimdienste, durch plumpe Zahlentrickserien und die gute alte Extremismus-Keule.

Hier ist die Realität, die gerade massiv vertuscht werden soll:

Der PR-Trick mit den Zahlen

Verteidigungsminister Pistorius feiert öffentlich eine angeblich »ordentliche« 72-prozentige Rücklaufquote beim neuen Wehrdienst-Fragebogen. Was dabei bewusst verschwiegen wird: Diese Zahl bezieht sich ausschließlich auf die 18-jährigen Männer, denen bei Nichtbeantwortung ein Bußgeld von 250 Euro droht. Und selbst unter diesem Zwang verweigern sich über ein Viertel.

Blickt man auf die Kontrollgruppe – die 18-jährigen Frauen, die keine Strafe befürchten müssen – liegt die Antwortverweigerung bei 97 Prozent! Rechnet man ehrlich, verweigern also über 60 Prozent einer ganzen Generation die Kooperation mit der Bundeswehr. Die Botschaft ist glasklar: Ohne nackte Erpressung macht bei diesem Kriegsapparat fast niemand mehr mit.

Das Märchen von der »Unterwanderung«

Weil diese kollektive Verweigerung verheerend für die Militarisierungs-Agenda der Regierung ist, wird das Narrativ gewechselt: Plötzlich warnen Verfassungsschutz und Medien davor, die Schulstreiks seien von »Linksextremen« gesteuert.

Das ist historische Geschichtsklitterung. Antimilitarismus ist keine unpolitische Bürgerbewegung, die jetzt heimlich von links gekapert wird. Der Widerstand gegen Krieg, Aufrüstung und die Disziplinierung durch die Wehrpflicht ist seit über 100 Jahren ein Kernthema der organisierten Linken – von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg bis zur Friedensbewegung der 80er Jahre. Wenn die Jugend heute auf die Straße geht, steht sie genau in dieser Tradition.

10:37

Kapitel 2:

Kropotkin beginnt mit einem Bild aus der katholischen Ikonografie: Der Mensch wandert mit einem Teufel auf der linken und einem Engel auf der rechten Schulter; aus dem Kampf der beiden ergebe sich tugendhaftes oder lasterhaftes Handeln. Diese naive Vorstellung sei zwar verschwunden, lebe aber in modernem Gewand fort.

Dagegen stellt Kropotkin die These der englischen Philosophen und der Encyclopädisten, die später von Bentham, Mill und Tschernyschewski erneuert wurde: Alle Handlungen – die guten wie die schlechten – entspringen ein und derselben Triebfeder, nämlich dem Streben nach Selbstbefriedigung beziehungsweise dem Vermeiden von Leid. Ein Mensch, der einem Kind das Brot wegnimmt, und ein Mensch, der sein letztes Hemd hergibt, handeln beide aus diesem Grund: Der eine findet Vergnügen am Nehmen, der andere ein noch größeres Vergnügen (oder eine Erleichterung von Mitleidsschmerz) am Geben.
Die Beispiele
Kropotkin führt diese These durch eine Reihe von Beispielen aus, die bewusst Heroisches und Niederträchtiges nebeneinanderstellen:

Thiers, der 35.000 Pariser massakrieren lässt, und ein Raubmörder folgen beide einem alles andere erstickenden Wunsch (Ruhm, Geld, Wollust).
Eine russische Revolutionärin, die für die Befreiung der Unterdrückten aufs Schafott steigt, würde ihr Leben nicht gegen das eines kleinen Diebs tauschen – im Kampf findet sie ihre größte Befriedigung.
Eine Frau, die ihr letztes Stück Brot oder ihre Kleidung hergibt, tut dies, weil sie unter dem Anblick fremden Leids selbst stärker leiden würde.
Affen, die einen erschossenen Artgenossen aus dem Zelt eines Jägers zurückfordern, und Ameisen, die sich zu Tausenden in die Flammen werfen, um ihre Larven zu retten, folgen demselben inneren Drang.
Selbst ein Infusionstierchen, das einem zu heißen Strahl ausweicht, und eine Pflanze, die ihre Blüten der Sonne zuwendet, gehorchen diesem Prinzip.

Die Schlussfolgerung
Daraus leitet Kropotkin ein universelles biologisches Prinzip ab: Das Streben nach Befriedigung und das Vermeiden von Leid sei „eine allgemeine Tatsache (ein Gesetz würden andere sagen) in der organischen Welt. Es ist die Essenz des Lebens selbst." Anarchistischebibliothek Ohne dieses Streben würde der Organismus zerfallen, das Leben aufhören.
Damit ist der erste Schritt seiner Argumentation getan: Die alte religiöse Vorstellung von Tugend als Sieg der Seele über die Fleischeslust ist hinfällig; Materialismus und naturwissenschaftliche Beobachtung führen zur „Theorie des Egoismus", wonach alle Handlungen aus einem natürlichen Bedürfnis hervorgehen.


»Freizeitfront« ist ein Projekt, das politischen Theorie zugänglichen machen soll. Zu diesem Zweck habe ich mich (sehr zum Ärger Liberaler, die politische Bildung ganz schrecklich finden), dazu entschlossen, Werke, die mir persönlich geholfen haben und die noch nich als Hörbücher erhältlich sind, vorzulesen.

Das soll all jenen, denen es, aus welchen Gründen auch immer schwerfällt, selbst zu lesen, den Zugang erleichtern. Geplant ist, täglich ein neues Kapitel zu veröffentlichen, zusätzlich zu meinem üblichen Content.

Den Start macht dabei »Anarchistische Moral« von Peter Kropotkin. Ein ziemlich kurzes Werk, das mir dabei helfen soll, dieses Format zu testen. 

9:37

»Freizeitfront« ist ein Projekt, das politischen Theorie zugänglichen machen soll. Zu diesem Zweck habe ich mich (sehr zum Ärger Liberaler, die politische Bildung ganz schrecklich finden), dazu entschlossen, Werke, die mir persönlich geholfen haben und die noch nich als Hörbücher erhältlich sind, vorzulesen.

Das soll all jenen, denen es, aus welchen Gründen auch immer schwerfällt, selbst zu lesen, den Zugang erleichtern. Geplant ist, täglich ein neues Kapitel zu veröffentlichen, zusätzlich zu meinem üblichen Content.

Den Start macht dabei »Anarchistische Moral« von Peter Kropotkin. Ein ziemlich kurzes Werk, das mir dabei helfen soll, dieses Format zu testen.

Kapitel 1:
Kropotkin eröffnet seine Schrift mit einer grundsätzlichen Frage: Woher kommt eigentlich das, was wir Moral nennen? Er lehnt sowohl religiöse als auch utilitaristische Begründungen ab und sucht stattdessen nach einer naturalistischen Grundlage.

Das zentrale Argument: Moralisches Verhalten ist kein Privileg des Menschen, sondern lässt sich bereits in der Tierwelt beobachten. Er führt zahlreiche Beispiele an – Ameisen, die ihre Nahrung teilen und kranke Artgenossen versorgen; Vögel, die gemeinsam vor Raubtieren warnen; Säugetiere, die in Herden Schutz suchen und sich gegenseitig verteidigen. Tiere, die das Prinzip der gegenseitigen Hilfe missachten, sterben aus oder verkümmern. Geselligkeit und Solidarität sind also ein Überlebensvorteil.

Kropotkin grenzt sich von verschiedenen Denkschulen ab:

Religiöse Moral begründet das Gute mit göttlichen Geboten und Belohnung/Strafe im Jenseits – für ihn eine Krücke, die der wissenschaftlichen Aufklärung nicht standhält.
Die utilitaristische Moral (Bentham, Mill) reduziert moralisches Handeln auf kalkulierten Eigennutzen, was Kropotkin zu eng und zu kühl erscheint.
Auch Kants kategorischer Imperativ überzeugt ihn nicht, weil er abstrakt bleibt und die natürlichen Wurzeln der Moral ignoriert.

Die These des Kapitels:
Moral entsteht nicht durch Offenbarung, Vertrag oder reine Vernunft, sondern aus dem über Jahrmillionen gewachsenen Instinkt der Solidarität. Was wir „Gut" und „Böse" nennen, hat seine Wurzel im sozialen Leben selbst: Handlungen, die der Gemeinschaft nützen, werden als gut empfunden; solche, die sie schädigen, als schlecht. Die Gewohnheit gegenseitiger Hilfe verfestigt sich über Generationen zum sittlichen Empfinden.
Kropotkin bereitet damit das Fundament für seine spätere These, dass eine herrschaftsfreie Gesellschaft keine externen Zwangsmoral braucht, weil die Grundlagen ethischen Verhaltens bereits in der menschlichen (und tierischen) Natur angelegt sind.

31:14

Der 1. Mai ist heute für viele ein netter freier Tag mit Bratwurst und zahmen Reden über »Sozialpartnerschaft«. Doch wer die Geschichte dieses Tages kennt, weiß: Nichts davon wurde uns geschenkt. Alles, was wir heute als selbstverständlich erachten, wurde mit Blut, Streiks und dem Mut von Menschen erkämpft, die bereit waren, für ihre Klasse ins Gefängnis oder an den Galgen zu gehen.

Die Geschichte lehrt uns: Rechte werden nur durch Druck von unten gesichert. Wenn die etablierten Gewerkschaften zu schwach zum Streiken sind, müssen wir uns selbst organisieren. Die Aufgabe einer Gewerkschaft ist der Klassenkonflikt, nicht die Standortlogik. Es ist Zeit, den 1. Mai wieder als das zu begreifen, was er ist: Ein Kampftag gegen ein System, das uns nur als Kostenfaktor betrachtet.