Frankenstein in Bagdad. Von Ahmed Saadawi

Saadawis moderne Adaption und Politisierung des Frankenstein-Stoffes spielt zwei Jahre nach der US-amerikanisch geführten Intervention im Irak und dem Sturz Saddam Husseins. Der Bürgerkrieg eskaliert, die Milizen liefern sich erbitterte Kämpfe, Selbstmordattentate erschüttern die Stadt Bagdad. Der Roman ist die Parabel über einen Gesellschaftszustand, in dem eskalierende Gewalt ständig neue Gewalt gebiert und die Grenzen zwischen schuldig und unschuldig verschwimmen. Der Roman wurde mehrfach ausgezeichnet und in zahlreiche Sprachen übersetzt.

ISBN 978-3-86241-472-7     22,00 €  Portofrei     Bestellen

Hadi al-Attag, seines Zeichens Trödler und Geschichtenerzähler, sammelt die Leichenteile von Opfern der Bombenanschläge, zu denen Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen gehören, und näht sie zu einem Kadaver zusammen. Doch als seine Gestalt zum Leben erwacht und verschwindet, schwappt eine Welle schauriger Morde über die Stadt. Berichte über einen abscheulichen Verbrecher machen die Runde und Hadi erkennt, dass er ein Monster erschaffen hat. Eine Kreatur, in der die irakische Bevölkerung auf paradoxe Weise vereint ist und Rache nimmt für die jeweiligen Opfer, aus deren Körperteilen der neue Frankenstein zusammengesetzt ist.

Der irakische Geheimdienst heftet sich an die Fersen des anonymen Mörders, ein Journalist zeichnet ein Gespräch über die Geschehnisse auf, eine Tonbandaufnahme landet in den Händen des Romanautors. Ein Vexierspiel über einen Geschichtenerzähler, der eine Geschichte erzählt, die eine Geschichte erzählt und in der Realität und Fiktion untrennbar verschmelzen.

Saadawis moderne Adaption und Politisierung des Frankenstein-Stoffes ist die Parabel über einen Gesellschaftszustand, in dem eskalierende Gewalt ständig neue Gewalt gebiert und die Grenzen zwischen schuldig und unschuldig verschwimmen. Einzig eine alte Frau vermag sich dieser Spirale zu entziehen und entwirft kurz vor ihrem Gang ins Exil das Bild eines möglichen Ausgangs.

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Presse:

"Ungemein spannend" findet der Rezensent "Frankenstein in Bagdad". Der Roman sei eine "bitterböse Satire über eine völlig hilflos agierende Staatlichkeit und eine alles lähmende Gewalt" sowie "ein beeindruckendes großstädtisches Panorama von Bagdad". Von Florian  Schmid → ND, 7.12.2019

Mit leichter Hand mischt Ahmed Saadawi Elemente realen und fiktiven Horrors, Fantasy, Sozialstudien sowie intertextuelle Anspielungen auf das Original. Noch das Grausamste erzählt er in einem leichtfüssigen Tonfall, ohne dabei dessen ernsten Hintergrund, das Leid der Menschen, zu verraten. Von Susanna Petrin → Luzerner Zeitung, 6.12.2019

Dem 1973 geborenen und in Bagdad lebenden Ahmed Saadawi gelingt der unglaubliche Spagat, diese mitunter tragische und brutale Geschichte über eine vom Krieg in Mitleidenschaft gezogene Metropole, prügelnde, korrupte Polizisten und sich in die Luft sprengende Selbstmordattentäter als satirischen Roman in Szene zu setzen. Ein begnadetes Stück Literatur, unterhaltsam, gesellschaftskritisch. Ein rasanter Roman, der mit einem fulminanten Ende aufwartet. Von Florian Schmid → Freitag, 7.11.2019

Sehr angetan ist Mario Scalla im HR2 von Saadawis Roman "Frankenstein in Bagdad". Er lobt ihn als originelle und literarisch überzeugende Adaption der historischen Vorlage vor dem Hintergrund der irakischen Gesellschaft nach dem Sturz Saddam Husseins und der US-amerikanischen Intervention. Insbesondere beindrucken ihn die gelungene Kombination von Realistik und Phantastik sowie die interessanten Charaktere des Romans. Von Mario Scalla (Podcast) → Hessischer Rundfunk 05.11.2019

 

Von einem beunruhigend real wirkenden Irrsinn berichtet Ahmed Saadawi in seinem Roman "Frankenstein in Bagdad" in einer konsequent klaren Sprache, die den Leser zielsicher durch das verminte Terrain einer zerstörten Gesellschaft führt. So phantastisch diese Geschichte anmuten mag, so unmittelbar trifft sie den Leser, dem hier kein tröstlicher orientalischer Diwan, sondern eine gnadenlos witzige Geschichte präsentiert wird, die dazu geeignet ist, jeden zuversichtlichen Blick auf das menschliche Treiben nachhaltig zu verätzen. Von Robert Brack → Crimemag 03.11.2019

 

Bei Mary Shelley war Frankensteins Kreatur ein Spiegelbild menschlicher Hybris. Der Iraker Ahmed Saadawi adaptiert den Roman ebenso frei wie raffiniert: Im missgestalteten Leib des Monsters reflektiert er gleich doppelt das Schicksal seines Landes. Sein Monster verkörpert eine Nation, die ebenso versehrt, entmenschlicht und im Zerfall begriffen ist wie ein aus Leichenteilen gefügter Körper; zugleich aber ist es ein Amalgam aus Menschen unterschiedlichster ethnischer, religiöser und sozialer Herkunft – und damit das Wesen, das der Staat nie hervorbringen konnte: "der erste wirkliche irakische Bürger". Jüdische, christliche und islamische Elemente schliesst Saadawi andernorts überraschend und auf knappstem Raum zusammen. Seine Botschaft ist stark – und unmissverständlich. Von Angela Schader → NZZ, 19.10.2019 

"El País" zählt "Frankenstein in Bagdad" von zu den "besten Büchern in arabischer Sprache, die im letzten Jahrzehnt erschienen sind". Im Gespräch mit der renommierten spanischen Zeitung sagt der Schriftsteller Ahmed Saadawi, dass angesichts der "totalen Zerstörung der menschlichen Beziehungen" durch die allgegenwärtige Gewalt im Irak die Literatur für ihn ein "Schmerzmittel" gewesen sei. → El País, 24.9.2019

Saadawi’s strange, violent and wickedly funny book borrows heavily from the science fiction canon, and pays back the debt with interest: it is a remarkable achievement, and one that, regrettably, is unlikely ever to lose its urgent relevancy. Von Sarah PerryThe Guardian, 16.2.2018

Saadawis Roman ist kein Horrorschmöker, sondern ein Mosaik der irakischen Gesellschaft, der sprunghaft in Wohnungen, Busse und Hinterhöfe blickt, aus denen Sorgen und Perspektiven der Menschen zusammengeführt werden, ähnlich, wie es Shelley in ihren späteren Reiseberichten tat. Von Nicolas FreundSZ 03.01.2018

"The novel is a ground-breaker in Arab literature that paints an authentic picture of a bleeding city": Eyal Sagui Bizawe anlässlich des Erscheinens der hebräischen Ausgabe von "Frankenstein in Bagdad". → Haaretz, 8. August 2017

Der Roman erzählt von einem vergangenen Bagdad, einer Stadt voller Leben, Widersprüche und Schmerz, aber auch von einer Stadt, in der Muslime, Christen und Juden zusammenlebten, wo Schiiten und Sunniten, Araber und Kurden gemeinsam die Luft der Altstadt atmeten und die einfachen Menschen sich noch nicht in Konfessionen und Religionen aufteilen ließen. Und er beschreibt ein Bagdad, das selbst ein Ungeheuer geworden ist, eine Stadt, in der entmischte Wohnviertel durch Betonmauern und Checkpoints voneinander getrennt sind und an deren Rändern tödlicher Hass zwischen den Volksgruppen gedeiht. Von Khaled Hroub anlässlich der Verleihung des International Prize for Arabic Fiction an Ahmed Saadawi). → Qantara, Arabischer Booker-Preis für "Frankenstein in Bagdad", 5.5.2014

Der Autor:

Ahmed Saadawi wurde 1973 in Bagdad geboren, wo er auch heute als Schriftsteller, Drehbuchautor und Dokumentarfilmer lebt. Er hat bislang drei Romane veröffentlicht und war einige Jahre als BBC-Korrespondent tätig. Für »Frankenstein in Bagdad« wurde Saadawi als erster irakischer Autor mit dem renommierten International Prize for Arabic Fiction ausgezeichnet. Der Roman wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt.

 

Erstellt: 31.12.2019 - 07:03  |  Geändert: 31.12.2019 - 07:17

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