Experiment Kosovo
Die Rückkehr des Kolonalismus

Am 17. Februar 2008 hat das Parlament in Prishtine die Unabhängigkeit des Kosovo ausgerufen. Der 47. Staat in Europa spaltet damit nicht nur Serbien, sondern auch die internationale Gemeinschaft. Die Gegner der Sezession berufen sich auf das Völkerrecht, die KSZE-Akte von Helsinki und die UN-Resolution 1244 aus dem Jahr 1999, die eine territoriale Integrität Jugoslawiens garantiert hatte. Die Befürworter der Unabhängigkeit argumentieren mit von Serbien verletzten Menschenrechten gegen die kosovarische Mehrheitsbevölkerung vor dem NATO-Angriff und dem Recht des Stärkeren danach. Als Präzedenzfall einer einseitig deklarierten Grenzverschiebung setzt die Entwicklung im Kosovo einen völkerrechtlichen und politischen Schlussstrich unter die europäische Nachkriegsentwicklung. 

ISBN 978-3-85371-845-2 2016 15,99 € Portofrei Bestellen (EPUB)

Kosovo startet als 'gescheiterter Staat' in eine neue Epoche. Die Kernelemente seiner Wirtschaft funktionieren nicht, sozialer Aufstieg spielt sich zwischen Schwarzmarkt und Massenemigration ab und seine politische Elite folgt äußerem Druck. Dies in Rechnung stellend war von Seiten Washingtons und Brüssels niemals an eine echte Selbstbestimmung gedacht. Der von der UNO verworfene und gleichwohl von den USA und der EU in Kraft gesetzte Ahtisaari-Plan schreibt eine überwachte Unabhängigkeit vor, die sowohl Legislative als auch Exekutive in fremde Hände legt. Militärisch herrscht die von den USA geführte KFOR-Truppe, zivil wird das Land mittels allerlei Kürzeln von der Europäischen Union verwaltet. Der Übergang vom UN-Protektorat zur EU-Kolonie passiert schleichend.

Eine 'Koalition der Willigen' abseits der UNO bestimmt über das Schicksal des kleinen, knapp zwei Millionen EinwohnerInnen zählenden Landes. Von der Rechtsprechung über politische Verwaltung bis zur polizeilichen und militärischen Exekutive öffnet sich ein weites Experimentierfeld für hauptsächlich westeuropäische und nordamerikanische Institutionen. Gesellschaftliche Abläufe jenseits bürgerlicher Gewaltenteilung und demokratischer Selbstbestimmung können nach erfolgreichen Probeläufen im Kosovo später anderswo, nötigenfalls auch in Kerneuropa, Platz greifen.

Zum besseren Verständnis der aktuellen Situation zeichnet Hannes Hofbauer die Geschichte des Kosovo von der 500 Jahre dauernden osmanischen Fremdherrschaft über die verschiedenen Befreiungsansätze bis zur serbisch-nationalen Epoche im 20. Jahrhundert nach. Der Eingliederung des Kosovo in das titoistische Jugoslawien sowie dessen katastrophales, von Bürgerkriegen gezeichnetes Ende wird im Buch ebenso behandelt wie die hinter der kosovarischen Unabhängigkeitsbestrebung stehende 'albanische Frage'.

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Inhaltsverzeichnis und Leseprobe

Pressestimmen

„… Hannes Hofbauer liefert mit ‚Experiment Kosovo‘ ein überaus lesenswertes Buch, das bis ins Kleinste die Funktionsweise der ‚EU-Kolonie Kosovo‘ beschreibt.“ Jürgen Wagner, Zeitschrift Wissenschaft und Frieden, Nr. 2, Mai 2009: 

„Hofbauer weist in seinem neuesten Buch nach, dass USA und EU – auch im Wissen darum, dass ein Staat Kosovo mangels solider ökonomischer Grundlagen zum Scheitern verurteilt wäre – nie an eine echte Selbstbestimmung dachten. Im bewährten Wechsel von Report und Analyse, aufbauend auf einem Resümee der mehrhundertjährigen Geschichte des Landstrichs und seiner Bewohner, zeichnet der Autor darüber hinaus ein kontrastreiches Bild der gegenwärtigen Situation.“ Detlef Pries, Neuen Deutschland 22. November 2008

Quelle der Pressestimmen und weitere Stimmen zum Buch im Buchshop des Verlags mediashop.at

Autoreninfos

Hannes Hofbauer (Jahrgang 1955, Wien) ist ein österreichischer Publizist, Autor, Wirtschaftshistoriker und Verleger. Er studierte Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Wien. Seit Mitte der 1990er Jahre leitet er den Promedia Verlag in Wien, für den er zahlreiche Bücher zu politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Themen herausgibt. Hofbauer veröffentlichte selbst mehrere Monographien und Essays und schrieb für verschiedene Medien, darunter analyse & kritik, junge Welt und neues deutschland. Er ist als Redner und Kommentator in Diskussionen zur globalen Politik, Wirtschaftsentwicklung und internationalen Beziehungen präsent. Sein publizistisches Werk befasst sich mit ökonomischen und politischen Entwicklungen, unter anderem in Osteuropa und im Kontext globaler Machtverhältnisse.

Wikipedia (DE): Hannes Hofbauer 

Autoren

Erstellt: 07.05.2026 - 13:18  |  Geändert: 07.05.2026 - 13:37