Daniel Davis: Russlands neue Strategie – kein Entgegenkommen mehr gegenüber der NATO
auf YouTube (15.08.2026) 58:59
Überblick
Einleitung: Die Verweigerung der Lehren aus Niederlagen
Gastgeber Glenn Diesen und Daniel Davis eröffnen das Gespräch mit der Feststellung, dass die USA im Iran und im Krieg gegen Russland vor einer "doppelten Niederlage" stünden. Davis betont, dass militärische Niederlagen zwar wertvolle Erkenntnisse liefern könnten, dies aber eine ehrliche Bewertung voraussetze – die derzeit jedoch ausbleibe.
📉 Lehren aus Vietnam vs. heutige Realität
1:10 – 3:50
Davis beschreibt, wie die US-Armee nach der Vietnam-Niederlage eine tiefgreifende und ernüchternde Neubewertung durchlief. Es entstand eine Kultur der Integrität, harten Arbeit und Verantwortungsübernahme, die zu einem echten Militär führte. Diese Bereitschaft zur Selbstkritik sei heute jedoch völlig verschwunden. Man weigere sich, eigene Fehler einzugestehen.
🇮🇶 Irak und Afghanistan: Ein Muster der Selbsttäuschung
4:00 – 6:48
Davis analysiert die katastrophalen Kriege im Irak und in Afghanistan. Der "Erfolg" im Irak sei nicht David Peträus' brillanter Strategie zu verdanken, sondern der Entscheidung sunnitischer Iraker, sich gegen Al-Qaida zu wenden. Man habe sich dafür auf die Schulter geklopft, aber die eigenen Fehler nicht eingestanden. In Afghanistan weigere man sich bis heute, das Scheitern anzuerkennen, und suche stattdessen Ausreden – bei Politikern, nicht beim Militär.
🇮🇷 Der Iran-Krieg: Scheitern trotz öffentlicher Siegesrhetorik
6:48 – 9:25
Davis kritisiert die Diskrepanz zwischen der offiziellen Rhetorik (Trump: "Der Krieg läuft wunderbar", Pentagon: "Wir haben die Eskalationsdominanz") und der Realität vor Ort. Der Flugzeugträger George Bush sei beschädigt, die Truppen erschöpft, die Moral am Boden. Direkte Mitteilungen von der Front seien noch schlimmer als das, was öffentlich eingeräumt werde. Man weigere sich, Verantwortung zu übernehmen, und nenne kritische Berichte "Fake News".
⚠️ Vom politischen zum militärischen Scheitern
9:25 – 11:50
Davis zieht Parallelen zu Afghanistan 2011/12, wo er selbst sah, wie die offiziellen Erfolgsmeldungen (die Taliban hätten "den Schwung verloren") der Realität widersprachen. Damals konnte die Taliban aber noch in keinem direkten Gefecht gewinnen – heute sei das anders. Im Iran habe man die Luftherrschaft nicht wirklich, die Verluste (über 40 beschädigte oder zerstörte Flugzeuge) würden verschwiegen. Man habe offensive Aktionen faktisch eingestellt.
🔥 Der Preis der Realitätsverweigerung
11:50 – 15:58
Anders als in Vietnam, wo es eine politische, aber keine militärische Niederlage gab, könne es im Iran und in der Ukraine zu einer physischen militärischen Niederlage kommen. Davis befürchtet, dass erst eine solche Katastrophe ein massives Erwachen und einen personellen Neuanfang in den obersten Rängen erzwingen könnte. Es gebe weiterhin großartige Offiziere und Mannschaftsdienstgrade, aber sie müssten nach oben gebracht werden. Das Ansehen der USA in der Welt werde jedoch nachhaltig beschädigt bleiben.
🇷🇺 Russlands Kriegsführung: Abnutzung statt Blitzkrieg
18:47 – 23:00
Davis widerspricht der in Washington verbreiteten Annahme, Russland sei militärisch schwach, weil es nur langsam vorrücke. Russland führe eine anhaltende Offensive auf breiter Front, um der Ukraine Truppenverlegungen unmöglich zu machen. Gleichzeitig nutze es seine massive Überlegenheit bei der Feuerkraft (Gleitbomben, Artillerie, Raketen) aus, um die ukrainische Seite systematisch abzunutzen. Die Behauptung, Russland habe weit höhere Verluste, sei unlogisch und falsch.
🎯 Russlands Strategie: Feuerkraft, Drohnen und Materialüberlegenheit
23:00 – 26:23
Russland setze bewusst keine "Fleischwellen" ein, sondern schone seine eigenen Truppen. Dank der Drohneneffektivität sei die Grauzone größer geworden, große Panzerbewegungen seien unmöglich. Parallel dazu baue Russland seine offensiven und defensiven Fähigkeiten massiv aus (Langstreckenraketen, neue Drohnen, Abfangraketen für S-300/400/500), während die NATO ihre Bestände aufbrauche. Russland bereite sich so auf einen möglichen direkten Konflikt mit der NATO vor.
📉 NATO am Limit: Selenskyjs fatales Eingeständnis
26:23 – 29:08
Davis zitiert Selenskyjs Interview bei CNN, in dem dieser einräumte, dass die Ukraine 2,5-mal weniger Abfangraketen habe als vor einem Jahr, während Russland seine offensiven Fähigkeiten verdoppelt habe. Die NATO habe selbst kaum noch Bestände und könne kaum nachproduzieren – es werde sieben Jahre dauern, um auf ein niedriges Niveau zu kommen. Die Abfangquote gegen russische Raketen liege bei höchstens 10 %, der Großteil der NATO sei faktisch schutzlos.
⚔️ Russland stellt die Weichen für einen möglichen großen Krieg
29:08 – 35:16
Die Geduld in Russland gehe zu Ende. Man habe erkannt, dass der Westen jede Zurückhaltung als Schwäche interpretiere. Russland bereite sich nun offen auf die Möglichkeit eines direkten Krieges mit der NATO vor – mit massiv aufgestockten Raketenbeständen, neuer Drohnentechnik und einer großen Bodenarmee. Davis warnt, dass die NATO auf eine schwere Niederlage zusteuere, weil sie auf einer Fiktion von Erfolg und Stärke operiere.
🧠 Das Problem der politischen Propaganda im eigenen Kopf
35:16 – 36:42
Davis und Diesen analysieren die psychologische Dynamik: Wer eine Behauptung oft genug wiederholt, glaubt irgendwann selbst daran. Die westliche Propaganda von ukrainischen Erfolgen und russischer Schwäche sei so tief verinnerlicht, dass man selbst bei offensichtlichen Rückschlägen (Munitionsmangel, Gebietsverluste) an der Fiktion festhalte – mit fatalen Folgen für die Entscheidungsfindung.
🛡️ Russlands militärische Vorbereitung auf den Ernstfall
36:42 – 41:25
Russland halte bewusst moderne Waffensysteme (Panzer, Raketen, Drohnen) zurück, die nicht an der Front in der Ukraine benötigt würden. Diese seien für den Fall eines direkten Krieges mit der NATO aufgespart worden. Die russische Bevölkerung im wehrfähigen Alter (ca. 30 Millionen) sei der ukrainischen (ca. 4,5 Millionen) weit überlegen. Selbst bei einem 1:1-Austausch wäre die Ukraine demographisch nicht zu halten.
🏰 Die "Festung Donbas" und der fehlende Plan B Russlands
41:25 – 48:24
Davis erklärt, dass die Front um Slowjansk und Kramatorsk ein ausgebauter Festungsgürtel sei, der seit 2014 vorbereitet wurde – daher der langsame Vormarsch. Der russische Vorstoß 2022 sei nie als Eroberungsfeldzug geplant gewesen, sondern als politischer Druck, um Kiew zur Kapitulation zu bewegen. Erst als das Scheitern der Istanbuler Verhandlungen klar war, habe Russland begonnen, seine Armee massiv aufzustocken – was nun zwei Jahre gedauert habe.
⚡ Das Szenario eines russischen Angriffs auf die NATO
48:24 – 53:07
Davis skizziert ein bedrohliches Szenario: Russland verfüge inzwischen über die Mittel (Mannschaften, Panzer, Raketen, Drohnen) für eine großangelegte Bodenoperation. Die NATO habe keine vergleichbaren Verteidigungsanlagen, keine ausreichende Drohnenabwehr und kaum unterirdische geschützte Einrichtungen. Ein russischer Angriff auf das Baltikum oder Polen könnte in wenigen Tagen erfolgreich sein.
🚀 Der "Todesstoß": Raketenangriffe auf die NATO-Infrastruktur
53:07 – 55:51
Das größte Risiko sieht Davis in einem massiven Raketenangriff Russlands auf die oberirdischen militärischen und logistischen Einrichtungen der NATO. Russland habe die Adressen aller Ziele. Mit neuen Waffen wie der Oresnik könnte es die Fähigkeit der NATO, überhaupt zu reagieren, für eine Generation lahmlegen – ähnlich dem deutschen Durchbruch 1940 in Frankreich. Die NATO habe keine vergleichbaren unterirdischen Schutzbauten wie Russland, China oder Nordkorea.
🤔 Abschließende Warnung: Ein Krieg, den niemand will
55:51 – 58:05
Davis hofft, dass Russland bei seiner langsamen, methodischen Strategie in der Ukraine bleibt und es nicht zum großen Krieg kommt. Er warnt jedoch, dass die russischen Falken genau diesen Krieg jetzt führen wollen, solange die NATO noch verwundbar ist. Die größte Gefahr sei, dass nach den ersten Oresnik-Einschlägen jede Eskalationskontrolle verloren gehe. Er appelliert eindringlich, die Risiken ernst zu nehmen – auch wenn es im Westen viele für "absurd" hielten.