02.08.2025

«Gefahr Russlands wird masslos übertrieben»: Historikerin Komlosy über Wege zum Frieden

Remote Video URL
Quelle
Medienpräsenz
Videokanal

Zeitmarken

1. Einschätzung der Bedrohungslage

  • Übertreibung der Gefahr: Komlosy vertritt die Ansicht, dass die von Russland ausgehende Gefahr für den Westen maßlos übertrieben wird. Im Vergleich zur NATO sei Russland militärisch gesehen ein „Zwerg“ [04:26].
  • Keine imperialistischen Ambitionen auf Europa: Sie sieht keine Anzeichen dafür, dass Russland plant, über die Ukraine hinaus in den Westen (etwa nach Berlin) vorzumarschieren [05:17].
  • Militarisierung der EU: Kritisch betrachtet sie die zunehmende Aufrüstung innerhalb der EU, die ihrer Meinung nach eine gefährliche Eigendynamik in Richtung Kriegsvorbereitung entwickelt [05:49].

2. Ursachen des Konflikts

  • Innerukrainische Spannungen: Ein Hauptgrund liegt für sie in der heterogenen Zusammensetzung der Ukraine. Der Versuch einer forcierten Ukrainisierung habe die russischsprachige Bevölkerung marginalisiert und zu Absatzbewegungen geführt [15:37].
  • Scheitern von Minsk II: Sie sieht im Scheitern bzw. der Torpedierung des Minsk-II-Abkommens einen entscheidenden Moment. Russland habe über Jahre eine Autonomie der Donbas-Region innerhalb der Ukraine angestrebt, was vom Westen und der Ukraine nicht konsequent verfolgt wurde [11:36].
  • Geopolitische und ökonomische Interessen: Hinter dem Krieg stehen für sie auch handfeste ökonomische Motive, wie der Zugriff auf Rohstoffe und die fruchtbaren Schwarzböden der Ukraine durch westliche Konzerne [22:28].

3. Wege zum Frieden

  • Neutralität als Chance: Komlosy plädiert leidenschaftlich für eine neutrale Ukraine. In ihrer Lage als „Pufferstaat“ zwischen Großmächten könne das Land eine Brückenfunktion zwischen Ost und West einnehmen [31:50].
  • Positives Verständnis von Neutralität: Neutralität dürfe nicht als Kapitulation verstanden werden, sondern als aktive, friedensschaffende Funktion, wie sie Österreich oder die Schweiz (traditionell) verkörpern [31:13].
  • Verhandlungsnotwendigkeit: Ein dauerhafter Frieden könne nur durch Verhandlungen über die Territorialität und die Grenzen erreicht werden, wobei sie skeptisch ist, ob eine Rückkehr zum Status quo vor dem Krieg aufgrund der tiefen ethnischen Vergiftung noch möglich ist [28:22].

4. Kritik an der EU und Ausblick

  • Verlust der Friedensmission: Die EU habe sich von ihrer Rolle als Friedensmacht entfernt und untergrabe durch das „Kriegsgerassel“ und die massive Aufrüstung ihre eigenen Regeln und ihre Glaubwürdigkeit [35:12].
  • Ungewisse Zukunft: Als Historikerin schwankt sie zwischen Hoffnung und Skepsis. Zwar könne man aus der Geschichte lernen, doch viele Konflikte endeten in der Vergangenheit tragisch, bevor etwas Neues entstehen konnte [45:20].
Sprache (Ton)
Deutsch
Laufzeit
46min 5s

Erstellt: 27.04.2026 - 09:14  |  Geändert: 27.04.2026 - 09:14

verwendet von