23.04.2026

Europa in der Isolation - Dr Michael Lüders - Luxemburg 15.4.2026

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Europa in der Isolation – ein Kontinent ohne eigenen Kurs Dr. Michael Lüders zeichnet ein klares Bild: Die EU handelt nicht als eigenständiger geopolitischer Akteur, sondern bleibt in zentralen Fragen eng an die USA gebunden. Während sich die Welt in Richtung Multipolarität entwickelt, verliert Europa zunehmend an Einfluss – nicht zuletzt, weil es eigene Interessen kaum definiert und stattdessen außenpolitische Entscheidungen oft aus transatlantischer Loyalität heraus trifft. Die Folge: wirtschaftliche Nachteile, politische Abhängigkeit und ein wachsender Abstand zum globalen Süden. Ein Vortrag, der die Frage stellt: Hat Europa verlernt, selbstständig zu handeln?

Zeitmarken

1. Europa und Deutschland in der „Vasallenrolle“

  • Transatlantische Abhängigkeit: Lüders kritisiert, dass Europa, insbesondere Deutschland, primär als „Juniorpartner“ der USA agiere. Diese Devotheit führe dazu, dass eigene Interessen nicht mehr unabhängig definiert oder wahrgenommen werden [03:03].
  • Wirtschaftlicher Abstieg: Während der Anteil der G7-Staaten und der EU am weltweiten BIP schrumpft, gewinnen die BRICS-Staaten massiv an Bedeutung. Europa ruhe sich auf Erfolgen der Vergangenheit aus, statt innovativ zu sein [02:10].

2. Kritik an der deutschen Außenpolitik und „Staatsräson“

  • Nahost-Konflikt: Der Redner kritisiert die bedingungslose Unterstützung Israels durch Deutschland scharf. Er sieht darin eine „pathologische Realitätsverweigerung“ gegenüber dem Vorgehen im Gazastreifen und im Libanon [06:34], [20:05].
  • Zweierlei Maß: Lüders wirft der EU und Deutschland vor, Völkerrechtsverstöße Russlands (Ukraine) zu verurteilen, während ähnliche Verstöße der USA oder Israels (z. B. gegenüber dem Iran) nicht oder nur zögerlich kritisiert würden [17:26].

3. Geopolitische Brennpunkte

  • Ukraine-Krieg: Er bezeichnet den Konflikt als Stellvertreterkrieg der USA gegen Russland auf ukrainischem Boden [14:59]. Er plädiert für eine Verhandlungslösung und kritisiert das Fehlen europäischer Friedensinitiativen [11:23].
  • Iran: Lüders warnt vor einer Dämonisierung des Irans. Er analysiert den dortigen Machtapparat der Revolutionsgarden als tief in der Gesellschaft verwurzeltes System, das durch Sanktionen oder Attentate allein nicht zu stürzen sei [31:06].
  • Energiesicherheit: Er kritisiert die deutsche Energiepolitik, die russisches Gas durch teures US-Fracking-Gas ersetzt habe oder russisches Öl über Umwege wie Indien zum Vielfachen des Preises einkaufe [48:01], [54:56].

4. Die „Verschrumpfung“ Europas

  • Moralismus vs. Pragmatismus: Der „deutsche Moralismus“ verhindere pragmatische Politik in einer multipolaren Welt [51:20]. Er lobt im Gegensatz dazu Politiker wie den spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez, der durch eine kritischere Haltung zum Nahost-Konflikt Ansehen im globalen Süden und wirtschaftliche Vorteile (z. B. Gas-Rabatte aus Algerien) erlangt habe [18:24], [19:28].
  • Soziale Folgen: Die angestrebte „Kriegstüchtigkeit“ und massive Aufrüstung führten zwangsläufig zu einem Abbau von Sozialleistungen, was den gesellschaftlichen Frieden gefährde [08:44], [14:20].

Fazit: Lüders plädiert für eine Abkehr von ideologischen Gewissheiten hin zu einer konsequenten Friedenspolitik und einem sachlichen Pragmatismus, um in der neuen Weltordnung nicht bedeutungslos zu werden [52:02].

Sprache (Ton)
Deutsch
Laufzeit
56min 45s
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Erstellt: 24.04.2026 - 11:17  |  Geändert: 24.04.2026 - 11:17

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