Jeffrey Sachs: Droht aus dem Iran-Krieg ein Atomkrieg?
auf YouTube (17.03.2026) 28:40
In dem Video diskutiert Professor Jeffrey Sachs mit Glenn Diesen die aktuelle Eskalationsspirale im Nahen Osten und die Gefahr eines atomaren Konflikts. Sachs kritisiert die US-Außenpolitik scharf als "Hegemonie-Wahn" und schlägt einen konkreten Ausweg vor.
Zeitmarken
1. Die Eskalationsgefahr
Sachs warnt davor, dass die israelische "Samson-Option" (der Einsatz von Atomwaffen als letztes Mittel bei existenzieller Bedrohung) real werden könnte, wenn die konventionellen Abwehrsysteme erschöpft sind [00:26]. Er sieht die Weltwirtschaft durch die Schließung der Straße von Hormus und die Zerstörung der Energieinfrastruktur am Rande einer Katastrophe [03:09].
2. Der 5-Punkte-Plan für den Frieden
Um den Krieg zu beenden, schlägt Sachs folgende Schritte vor:
- Anerkennung der Sicherheitsinteressen des Iran: Die USA und Israel müssen ihre "bewaffnete Aggression" beenden. Der Iran dürfe nicht länger mit Regimesturz bedroht werden [07:56].
- Rückkehr zum Atomabkommen: Wiederherstellung des JCPOA (Common Comprehensive Plan of Action). Sachs betont, dass der Iran laut religiösem Dekret keine Atomwaffen anstrebe und internationale Inspektionen akzeptiert habe, bis Trump das Abkommen 2018 zerriss [09:30].
- Regionale Souveränität über Militärbasen: Die Golfstaaten sollten die Souveränität über US-Basen auf ihrem Territorium zurückgewinnen und garantieren, dass diese nicht für Angriffe gegen den Iran genutzt werden. Dies würde die Wiederöffnung der Straße von Hormus ermöglichen [11:33].
- Zwei-Staaten-Lösung: Israel muss zu den Grenzen von 1967 zurückkehren. Ein souveräner Staat Palästina (Gaza, Westjordanland, Ostjerusalem) muss entstehen. Sachs sieht die israelische Weigerung und den Anspruch auf das gesamte Land als Hauptursache für die jahrzehntelangen Konflikte [13:03].
- Entwaffnung militanter Gruppen: Mit der Gründung eines palästinensischen Staates als 194. UN-Mitglied müssten Gruppen wie Hamas und Hisbollah unter regionaler und internationaler Aufsicht entwaffnet werden [16:02].
3. Kritik an der US-Hegemonie
Sachs argumentiert, dass die USA und Israel dem Trugschluss erlegen sind, Sicherheit durch absolute Dominanz (Hegemonie) statt durch "unteilbare Sicherheit" erreichen zu können [17:33]. Er zieht Parallelen zum Ukraine-Krieg, in dem russische Sicherheitsinteressen ignoriert wurden, und wirft der aktuellen US-Führung vor, ohne Strategie zu improvisieren [26:45].
4. Fehleinschätzungen und Hybris
Der Professor erklärt das Versagen der Geheimdienste und der Politik mit einer tiefen Arroganz. Man habe geglaubt, die eigene Realität erschaffen zu können [25:13]. Die Annahme, dass der Iran durch Drohungen oder die Tötung von Führungspersonen einfach kapitulieren würde, bezeichnet er als gefährlichen Wahn [21:43].
Das Video endet mit dem Appell, dass wahre Sicherheit nur durch Diplomatie und den Respekt vor den roten Linien anderer Mächte (wie auch China in Bezug auf Taiwan) möglich ist [22:38].