07.03.2026

Schönbach: Chef der Marine muss wegen Ukraine-Krieg gehen

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Medienpräsenz

In diesem Video spricht Glenn Diesen mit Kai-Achim Schönbach, dem ehemaligen Inspekteur der Deutschen Marine. Schönbach reflektiert über seinen erzwungenen Rücktritt im Januar 2022 und analysiert die aktuelle sicherheitspolitische Lage in Europa.

Zeitmarken

 

1. Die Hintergründe des Rücktritts

  • Schönbach wurde 2022 zum Rücktritt gedrängt, nachdem er bei einem Besuch in Indien geäußert hatte, dass die Krim für die Ukraine verloren sei und Wladimir Putin Respekt verdiene [03:54].
  • Er stellt klar, dass seine Aussage zur Krim eine rein militärische Einschätzung der Realität war und keine Billigung des russischen Vorgehens [04:18].
  • Mit „Respekt“ meinte er die Anerkennung der russischen Sicherheitsinteressen an dessen Westgrenze, nicht eine persönliche Bewunderung für Putin [06:01].

2. Kritik an der deutschen Politik

  • Schönbach sieht seinen Sturz als politisches Opfer, um die damals frisch gebildete Ampel-Koalition zu beruhigen. Insbesondere die Grünen (Annalena Baerbock) hätten auf seine Entlassung gedrängt [10:02].
  • Er kritisiert, dass Deutschland seine traditionelle Rolle als „Brückennation“ und diplomatische Macht verloren habe [17:54]. Die aktuelle Außenpolitik sei zu stark von Moralismus statt von strategischer Weitsicht geprägt [13:44].

3. Ursachen des Konflikts und strategische Fehler

  • Er stimmt mit Analysten wie John Mearsheimer überein, dass die Missachtung russischer Sicherheitsbedenken (insbesondere die NATO-Erweiterung in Richtung Ukraine und Georgien seit 2008) ein fataler Fehler des Westens war [18:39].
  • Der Westen habe den Gegner unterschätzt und sei nach dem Ende des Kalten Krieges einer Hybris verfallen, die Diplomatie durch Ultimaten ersetzt habe [43:41].

4. Einschätzung der russischen Ziele

  • Schönbach glaubt nicht, dass Putin die Sowjetunion wiederherstellen will [38:37].
  • Das Hauptziel Russlands sei es, einen Puffer zwischen sich und der NATO zu schaffen. Eine neutrale Ukraine wäre für Moskau akzeptabel gewesen, ein NATO-Aufmarschgebiet an der Grenze hingegen niemals [39:45].

5. Wege zum Frieden

  • Er sieht keine Alternative zu Verhandlungen, warnt aber davor, dass die Ukraine wahrscheinlich Gebietsabtretungen akzeptieren muss [46:16].
  • Einen NATO-Beitritt der Ukraine hält er für völlig ausgeschlossen und für das Haupthindernis eines Waffenstillstands [47:33].
  • Langfristig müsse Russland wieder in die europäische Handels- und Sicherheitsarchitektur integriert werden, was auch eine schrittweise Aufhebung der Sanktionen beinhalten müsse [50:36].

6. Die Zukunft der europäischen Sicherheit

  • Schönbach fordert, dass Deutschland und Frankreich wieder die Führung in der Diplomatie übernehmen und Kommunikationskanäle nach Moskau öffnen [54:52].
  • Er betont die Notwendigkeit, die eigene Verteidigungsfähigkeit zu stärken (z. B. durch die Wiedereinführung der Wehrpflicht), anstatt sich blind auf die USA zu verlassen [45:28].
Sprache (Ton)
Deutsch
Laufzeit
58min 9s
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Erstellt: 08.03.2026 - 07:17  |  Geändert: 08.03.2026 - 07:17

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