Eugenische Phantasmen
Eine deutsche Geschichte. Frankfurter Adorno-Vorlesungen 2021

Dieses Buch ist ein Experiment. Es unternimmt den Versuch, eine Geistesgeschichte der geistigen Beeinträchtigung zu schreiben, indem es die Debatten über den Wert behinderten Lebens nachzeichnet, wie sie in den letzten 150 Jahren geführt wurden.

Abgrund dieser Epoche war ein schier unvorstellbares Massenmordprojekt, das eine komplexe Vorgeschichte hat und eine erstaunlich lange Nachgeschichte. Die Eugenik zu verlernen, hat sich in Deutschland als ein außerordentlich zäher Prozess erwiesen, der bis heute nicht abgeschlossen ist.

ISBN 978-3-518-58814-7 1. Auflage 22.05.2024 36,00 Portofrei Bestellen (Buch | Hardcover) Originalausgabe

Dagmar Herzog schildert die immer wiederkehrenden Konflikte über die Deutung von Fakten und die daraus zu ziehenden praktischen Konsequenzen. In diesen sowohl politisch als auch emotional hoch aufgeladenen Auseinandersetzungen vermischten sich Konzepte aus Medizin und Pädagogik mit religiös-theologischen Vorstellungen, aber auch mit solchen über Arbeit und Sexualität, menschliche Verwundbarkeit und wechselseitige Abhängigkeit.

Wie soll man über die Mitbürger:innen mit den unterschiedlichsten kognitiven Beeinträchtigungen und psychiatrischen Diagnosen denken und fühlen? Wie mit ihnen umgehen? Indem die Deutschen über diese Fragen stritten, rangen sie stets auch um ihr Selbstverständnis als Nation.

Mehr Infos

Inhaltsverzeichnis

Leseprobe des Verlags

Aus dem Inhalt

1 Das Problem der Unheilbarkeit 27
In der Guggenbühl’schen Zeit 30
Aufstieg und Krise der Anstalten und Schulen 36
Rassenhygiene und Todeswünsche 48
In der Breitbarth'schen Zeit 55

2 Liebe, Geld, Mord 61
Die Freigabe der Vernichtung 66
»Wie eine Versuchung« 71
Kompromissbildung 76
Lebensunwert? 89

3 Wie erkennt man ein Verbrechen? 99
»Irrtum über die Rechtswidrigkeit der Tat« 100
»Das ebenso selbstunsichere wie expansive Rassenmotiv« 108
Nachholende Aufarbeitung 115
»Das Recht haben, als aufgrund von rassischen Gründen
Verfolgte zu gelten« 124

4 Der Faschismus in den Köpfen 135
Das Wesen des Vorurteils 140
Zwischen Marx und Buber 150
»Wider die Spaltung der Behinderten« 162
Krüppelbewegung und WohlTÄTER 176

5 Sozialistischer Humanismus und behindertes Leben 187
DDR-Versprechungen 190
»Die Verantwortung der sozialistischen Gesellschaft« 205
Was für eine Insel in was für einem Meer? 214
Die Erfindung der »Förderpflege« 225

Nachwort: Das Vermächtnis des Antipostfaschismus 234

Pressestimmen

»[Eine] brillante Studie ... Zum Verlernen eugenischer Phantasmen und einem Bekenntnis zu radikaler Gleichwertigkeit menschlicher Differenz bietet Dagmar Herzogs Buch und dessen Lektüre ... einen entscheidenden Schlüssel.« Regina Schidel wochentaz 20.09.2024

»[Ein] intensiv recherchiertes, bohrend nachdenkliches, leidenschaftlich fragendes Buch ...« Johann Hinrich Claussen Süddeutsche Zeitung 07.08.2024

»[Eine] vielschichtige Studie zur wechselvollen Geschichte der deutschen Debatte über den Wert des behinderten Lebens. Zudem rekonstruiert die ... Historikerin die Vorgeschichte der titelgebenden ›eugenischen Phantasmen‹, die im nationalsozialistischen Massenmord kulminierten, und zeigt, wie zählebig diese Ideologie in der Bundesrepublik nachwirkte.« Marianna Lieder Frankfurter Allgemeine Zeitung 26.07.2024

»Dagmar Herzog hat uns mit ihrem Essay die Möglichkeit gegeben, die Geschichte der Eugenik und des Ableismus neu zu verstehen und zu lesen.« Frédéric Valin neues deutschland 20.08.2024

»Was für ein langer Weg noch vor uns liegt, um vollständige Teilhabe und Gleichberechtigung für Menschen mit Behinderung zu erreichen und die Eugenik vollständig ›zu verlernen‹, das allerdings ahnt man nur nach dieser tief bewegenden, glänzend recherchierten Lektüre.« Gesa Ufer Deutschlandfunk 11.07.2024

»Man erhält nach der Lektüre des Buches von Dagmar Herzog eine ganz andere Sicht von Scham. ... Begriffe wie „unwertes Leben“ oder „Ballastexistenzen“ darf es nicht mehr geben. Nie wieder!« Das Magazin für Stadtgeschichte, Cloppenburg 27.11.2024

»[Ein] Buch voller Denkanstöße.« Zeitschrift Menschen 28.10.2024

»Herausragender wissenschaftlicher Beitrag, der einen bisher wenig erforschten Teil deutscher Geschichte eindrücklich und emotional berührend beleuchtet.« Christoph Gärtner ekz.bibliotheksservice 31.07.2024

»Dagmar Herzog beschreibt den Weg in die Euthanasie und das Fortwirken der Euthanasie beeindruckend. … Ein ungeheuer wichtiges Buch.«
Reiner Girstl

Quelle der Pressestimmen: Suhrkamp (11.08.2026)

Autoreninfos

Dagmar Herzog, geboren 1961, ist Distinguished Professor of History am Graduate Center der City University New York und Autorin zahlreicher Publikationen zur Sexual- und Geschlechtergeschichte der Moderne, zur Holocaustforschung und zur Geschichte der Religion. 2023 wurde sie mit dem Sigmund-Freud-Kulturpreis ausgezeichnet. Suhrkamp (11.08.2026)

Wikipedia (DE): Dagmar Herzog

Autoren

Erstellt: 11.08.2026 - 07:44  |  Geändert: 11.08.2026 - 08:01