Intersektionalität. Von Christopher Sweetapple, Heinz-Jürgen Voß und Salih Alexander Wolter

Intersektionalität wurde in der Bundesrepublik bereits seit den frühen 1990er-Jahren von Linken eingefordert, die als Jüdinnen, People of Color und/oder Menschen mit Behinderung ihre Situation als Mehrfachdiskriminierte im Ein-Punkt-Aktivismus etwa der Frauen- und Homobewegung nicht berücksichtigt sahen. Der deutschsprachige akademische Betrieb griff solche Kritik erst mit zehnjähriger Verspätung auf und behandelt sie zumeist als reinen Theorie-Import aus den USA. Heute erfährt der vor allem im queerfeministischen Spektrum of Color verbreitete intersektionale Ansatz, der den gängigen Rassismus thematisiert, zum Teil heftigen Widerspruch nicht nur – erwartbar – von rechts, sondern auch von links. Der Vorwurf lautet, hier werde «Identitätspolitik» zulasten eines Engagements für eine grundlegend andere, bessere Gesellschaft betrieben.

ISBN 978-3-89657-167-0     12,00 €  Portofrei     Bestellen

Vor diesem Hintergrund zeichnen die Autoren zunächst den Denkweg der Schwarzen US-amerikanischen Juristin Kimberlé Crenshaw nach, die dem «provisorischen Konzept» Intersektionalität Ende der 1980er-Jahre nicht nur den Namen gab, sondern es in Antonio Gramscis Reflexionen zu einem westlichen Marxismus fundierte und zugleich «postmoderne» Ideen dafür politisch nutzbar machte. Daneben wird ein Überblick über das aktuelle Weiterdenken des Konzepts aus einer internationalen soziografischen Perspektive gegeben.

Im zweiten Teil des Buches werden, mit zahlreichen Interview-Auszügen belegt, die Ergebnisse einer über mehrere Jahre hin bundesweit durchgeführten wissenschaftlichen Studie zu sexualisierter Gewalt gegen Jugendliche dargestellt. Hier zeigen sich überdeutlich die Notwendigkeit eines intersektionalen Ansatzes zur Prävention und der Stärkung migrantischer Selbstorganisation. In einem kurzen politischen Schlusskapitel wird das Fazit aus Theorie und Empirie gezogen: Bei der Intersektionalität geht es nicht um die Pflege von kulturellen Eigenheiten, sondern um eine gesamtgesellschaftlich ausgelegte «Untersuchung der Unterdrückung», die für linke Politik unter den heutigen Verhältnissen äußerst produktiv sein kann.

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Leseprobe des Verlags

Die Autoren:

Christopher Sweetapple ist ein Anthropologe aus Metro Detroit. Nach seinem BA-Abschluss an der Western Michigan University (Islamische Studien) absolvierte er seinen MA in soziokultureller Anthropologie an der University of Massachusetts, Amherst. Er genießt abenteuerliche Wissenschaft in Forschung und Lehre. Seine Dissertation basiert auf ethnographischen Feldforschungen. Zwischen Lehre, Studium und Forschung hat er sich auch in den Bereichen Arbeit, Queer und antirassistischer Aktivismus engagiert. Er lebt jetzt in Berlin.

Heinz-Jürgen Voß ist ein deutscher Sozialwissenschaftler und Biologe. Seine Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind biologisch-medizinische Geschlechtertheorien, Sexualwissenschaft, Queer Studies und Intersektionalität.

Salih Alexander Wolter hat als Hotelfachkraft, Musikjournalist und Lektor gearbeitet und sich seit den 1980er Jahren queerpolitisch engagiert. Er veröffentlichte in den letzten Jahren Buchbeiträge mit Zülfukar Çetin, Heinz-Jürgen Voß, Koray Yimaz-Günay u. a. Zuletzt in Schmetterling Verlag erschienen, zusammen mit Heinz-Jürgen Voß Queer und (Anti-)Kapitalismus»

 

Erstellt: 12.03.2020 - 07:18  |  Geändert: 14.04.2021 - 13:32