Niemands-Herrschaft. Eine Einführung in die Schwierigkeiten, Herrschaft zu begreifen. Von Wolf-Dieter Narr

Politische Theorie fragt seit je her nach der Legitimation von Herrschaft. Dabei stellt sich immer wieder das Problem des Odysseus im Kampf mit Polyphem: Der griechische Sagenheld konnte dem einfältigen Riesen nur entkommen und damit Herrschaft dingfest machen und ihr zugleich entgehen , indem er sich "Niemand" nannte.
Bis heute wird die überwiegende Mehrheit aller Menschen auf der Erde irgendwie beherrscht. Die ausbeutenden Institutionen und Repräsentanten können noch am ehesten namhaft gemacht werden, ungleich wichtiger aber sind jene riesigen Organisationen und Apparate, deren Funktionen sie unterworfen sind: die weltumspannende kapitalistische Ökonomie und ihre transnationalen, miteinander verflochtenen Konzerne.

ISBN 978-3-89965-600-8     26,80 €  Portofrei     Bestellen

Selbst wer nominell frei ist und angeblich die Menschenrechte genießt, ist ohnmächtig. Auch die "Mächtigen" der Erde sind Unterworfene, sie können genau das nicht tun, was sie von Amts und Behauptung wegen tun müssten. Macht ist dann gerade nicht Gestalten-Können im Sinne Hannah Arendts, sie wird zur "Niemands-Herrschaft".

Mit dieser Veröffentlichung greift Wolf-Dieter Narr ein Publikationsvorhaben wieder auf, das bereits vor einem Vierteljahrhundert begonnen, seinerzeit jedoch nicht abgeschlossen wurde. Mit Uta von Winterfelds "Auftauchhilfe" wird dieser grundlegende Text nunmehr zugänglich gemacht und für die heutigen Fragestellungen in der Konfrontation mit Niemands-Herrschaft aktualisiert. Die "Mächtigen" dieser Erde sind gleichwohl Unterworfene. Sie können weder die Ströme des Geldkapitals dirigieren noch "Sicherheits"- oder Abhörmanagements wirklich verändern. Wie aber funktioniert dann Herrschaft?

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Inhalt und Leseprobe

„Herrschaft von Menschen über Menschen […] ist und bleibt in allen Formen, Institutionen und Personen ein Ärgernis“. Mit diesem Verständnis eröffnet Wolf‑Dieter Narr seine „vor fast einem Vierteljahrhundert“ (10) begonnene Auseinandersetzung mit einem elementaren und heiklen Grundbegriff der Politik. Rezension von Hendrik Claas Meyer → Portal für Poltikwissenschaft 24.09.2015

Der Autor:

Wolf-Dieter Narr, Politikwissenschaftler, war von 1971 bis 2002 Professor am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin, Mitgründer und Mitsprecher des Komitees für Grundrechte und Demokratie. Uta von Winterfeld, Politikwissenschaftlerin, ist Projektleiterin am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats von Attac.

 

Erstellt: 09.01.2019 - 05:53  |  Geändert: 02.12.2020 - 17:58

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