Die Eroberung Amerikas. Von Franzobel

Ein Feuerwerk des Einfallsreichtums: Nach dem Bestseller „Das Floß der Medusa“ begibt sich Franzobel in seinem neuen Roman auf die Spuren eines wilden Eroberers der USA im Jahr 1538.

Ferdinand Desoto hatte Pizarro nach Peru begleitet, dem Inkakönig Schach und Spanisch beigebracht, dessen Schwester geschwängert und mit dem Sklavenhandel ein Vermögen gemacht. Er war bereits berühmt, als er 1538 eine große Expedition nach Florida startete, die eine einzige Spur der Verwüstung durch den Süden Amerikas zog.

ISBN 978-3-552-07227-5     26,00 €  Portofrei     Bestellen

Knapp 500 Jahre später klagt ein New Yorker Anwalt im Namen aller indigenen Stämme auf Rückgabe der gesamten USA an die Ureinwohner.
Franzobels neuer Roman ist ein Feuerwerk des Einfallsreichtums und ein Gleichnis für die von Gier und Egoismus gesteuerte Gesellschaft, die von eitlen und unfähigen Führern in den Untergang gelenkt wird.

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Leseprobe des Verlags

Presse:

"Mit viel Einfallsreichtum spielt der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller in seinem neuen Roman ein Szenario durch, das an den Machtstrukturen der heutigen Gesellschaft rüttelt." Martina Kothe, NDR Kultur, 25.01.21

"Ein spannender und effektvoller, aber auch ein zutiefst verstörender Roman.“ Günter Kaindlstorfer, Ö1 Mittagsjournal, 25.01.21

"Dass Franzobel Poetik mit Faktischem verknüpft, dass er, wenngleich dem Surrealismus durchaus nahe, von Realem berichtet, macht den besonderen Reiz seines jüngsten Romans aus. 'Die Eroberung Amerikas' ist, bei aller grotesken Farbigkeit, ein politischer Roman, der besser nicht in unsere Gegenwart passen könnte." Thomas Rothschild, Die Presse, 23.01.21

"Mit Verve, Fabulierlust und Mitteln der Volksoper entwirft Franzobel farbenprächtige Bilder und ein Panoptikum skurriler Figuren. So ist 'Die Eroberung Amerikas' Erkenntnis- und Lesevergnügen zugleich, mit einer Utopie am Ende – und preisverdächtig." Cornelia Zetzsche, BR2 KulturWelt, 22.01.21

5 Fragen an Franzobel

Lieber Franzobel, ein charismatischer Anführer, der durch fragwürdige Geschäfte zu Geld gekommen ist und nicht genug davon kriegen kann, ein dubioser Beraterstab und eine Unternehmung, von der sich alle Beteiligten höchste Gewinne versprechen. Was fällt Ihnen dazu ein?

So könnte man auch Präsidenten oder Wirtschaftsführer zeichnen. In meinem Roman geht es aber um einen Eroberungszug der spanischen Conquista, konkret um Ferdinand Desoto, der bereits vermögend war, als er 1538 aufbrach, Florida zu erobern. Er hoffte auf ein Goldland und Unsterblichkeit – vielleicht ein uralter Menschheitstraum –, brachte aber vor allem Leid und Tod über die indigene Bevölkerung und die meisten seiner Leute.

Wie sind Sie auf diesen spanischen Kleinadeligen gestoßen?

Durch eine Fernsehsendung, bei der der Satz fiel, es handle sich um den erfolglosesten Eroberungszug der spanischen Conquista. Desoto ist nicht so bekannt wie Pizarro, Cortés oder Aguirre, aber nicht minder interessant. Die Expedition stieß in Florida auf einen Spanier, der zwölf Jahre bei Indianern gelebt hatte, weiter gab es eine Frau, die sich verkleidet unter die Soldaten schmuggelte – also genug Stoff für eine spannende Geschichte, die auch als Parabel auf eine gescheiterte Gesellschaft gelesen werden kann. Bevor Desoto auf neun Schiffen mit achthundert Mann Richtung Florida aufbrach, war er durch eine strenge Schule gegangen. Ursprünglich aber wollte er anders als Pizarro, in dessen Gefolge er die Vernichtung der Inka miterlebt hatte, mit den indigenen Völkern humaner umgehen.

Was ist aus diesen Ansätzen geworden?

Bereits bei Desotos Ankunft auf Kuba hat ein ganzes Indianer-Dorf aus Angst vor der Versklavung Selbstmord begangen. Inquisition, grausame Leibstrafen, Hexenverbrennungen … Das 16. Jahrhundert war unermesslich brutal, aber es gab auch Stimmen, die sich für einen menschlichen Umgang mit den Eingeborenen stark machten. Desoto trifft im Roman Las Casas, den humanistischen Bischof von Nicaragua, nimmt aber trotzdem Kampfhunde mit auf seine Expedition. Je länger der Zug unterwegs ist, je verzweifelter die Leute sind, desto unerbittlicher wird auch ihr Umgang mit der einheimischen Bevölkerung. Am Ende geht es nur noch ums nackte Überleben. Sie schildern den Desoto-Trail so genau, als seien Sie dabei gewesen.

Ist die Quellenlage so gut? Wie und wo haben Sie recherchiert?

Lesen, lesen, lesen! Manchmal war mir tatsächlich so, als wäre ich dabei gewesen. Wie beim Floß der Medusa habe ich versucht, wahrhaftig zu erzählen. Die Quellenlage ist gut, es gibt einige Berichte über den Eroberungszug. Daneben habe ich die Schauplätze besucht (Spanien, Panama, Kuba, Florida, Texas, aber auch Algerien), außerdem konnte ich mit Historikern sprechen, die auf die Zeit spezialisiert sind. Irgendwann hat sich die Geschichte dann fast von selbst geschrieben.

Eingebettet ist die Geschichte in eine Rahmenhandlung. Ein Anwalt à la Saul Goodman (aus der Netflix-Serie Better Call Saul) klagt im Namen aller indigenen Stämme die USA auf Rückgabe des Landes an die ursprünglichen Einwohner. Das wäre ein gefundenes Fressen für NRA, Proud Boys usw.

Das ist die Schlusspointe des Romans, und deshalb soll hier nicht verraten werden, ob die USA tatsächlich, wie in der Klage gefordert, an die Native Americans zurückgegeben werden muss oder nicht. Etwas Hoffnung gibt es aber, sowohl für den Leser als auch für Amerika. Interview: Herbert Ohrlinger

Der Autor:

Franzobel, geboren 1967 in Vöcklabruck, erhielt u. a. den Ingeborg-Bachmann-Preis (1995), den Arthur-Schnitzler-Preis (2002) und den Nicolas-Born-Preis (2017). Bei Zsolnay erschienen zuletzt die Krimis Wiener Wunder (2014) und Groschens Grab (2015) sowie 2017 der Roman Das Floß der Medusa, für den er auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis stand und mit dem Bayerischen Buchpreis ausgezeichnet wurde. Zuletzt erschien 2019 der Krimi Rechtswalzer.

Der Autor auf Wikipedia

 

Erstellt: 02.02.2021 - 06:00  |  Geändert: 02.02.2021 - 06:08

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