Speedy – Skizzen. Von Florian Havemann

Wegen "unnationalsozialistischer Lebensweise" sitzt der Maler Rudolf Schlechter 1938 in Berlin-Erkner in Untersuchungshaft. Der Grund ist sein als skandalös empfundenes Verhalten, das er zusammen mit seiner Frau "Speedy" an den Tag legt. Er nutzt diese Gelegenheit, um sein Leben mit "Speedy" aufzuschreiben. In 260 kurzen Kapiteln steuern all die Abenteuer und Betrachtungen auf eine "andere" Ästhetik des Widerstands zu - strikt individualistisch, sexuell. Schlechter der Masochist, der Mann, der eine Frau sein möchte, wirft einen entwaffnend unverstellten Blick auf die Welt, rechts und links, oben und unten. Skandalös, bohrend und unterhaltend beschreibt und seziert er die anderen - und sich selbst immer mit.

ISBN 978-3-95890-328-9     34,00 €  Portofrei     Bestellen

Weil "Speedy" mit anderen Männern schlief, wurde Schlechter eingesperrt. Weil sie am Ende gezielt mit den richtigen schläft, kommt er schließlich wieder frei.
Der große Roman über eine Liebesbeziehung in den wilden Zwanziger Jahren und in der Zeit des Nationalsozialismus ist inspiriert von der Figur des Malers Rudolf Schlichter (1890-1955), der in Berlins linken wie rechten Zirkeln mit Ernst Jünger, Bertolt Brecht und vielen anderen verkehrte.

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Presse:

"Speedy ist die interessanteste Frauenfigur, die mir seit langer Zeit in einem deutschsprachigen Werk begegnet ist … wäre dies ein französisches oder amerikanisches Buch, hätte es längst preisberegnet seinen Weg in unsere Regale angetreten … Liebende von der variablen Seelentiefe wie Schlechter und Speedy sind nicht einfach Leute, die einander in komplementärergänzender Autorschaft begegnen. Wahrscheinlich wird dies durch alle Zeiten etwas Brandgefährliches bleiben.“ Clemens J. Setz, Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der Autor:

Florian Havemann, geb. 1952 in Ost-Berlin, Sohn des bekannten DDR-Regimekritikers Robert Havemann, wurde 1968 verhaftet, weil er gegen den Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts in die Tschechoslowakei protestierte. Nach seiner Haft bei der Stasi in Hohenschönhausen und im Jugendgefängnis Luckau machte er Berufsausbildung und Abitur im Reichsbahnausbesserungswerk Schöneweide. 1971 floh er in den Westen, wo er als Elektriker, Beleuchter und Hausmeister arbeitete, zuletzt in der Akademie der Künste Berlin. 1974–1977 erfolgte eine Schauspielausbildung bei Hermann van Harten, 1974–1979 studierte er zunächst Graphik-Design, dann Bühnenbild bei Achim Freyer an der Hochschule der Künste. 1977 inszenierte er einen Abends mit Texten des russischen Futuristen Velimir Chlebnikow: Auszüge aus den Tafeln des Schicksals. 1978 begann seine Arbeit am Projekt: Speer, einem Theaterstück über Albert Speer, 1985 gründete er ein Theaterlaboratorium. Von 1986 an arbeitete er 15 Jahre als Reinigungskraft, schrieb 1989 ein Theaterstück über Rosa Luxemburg (Rosa) und komponierte 1995/96 einen Zyklus von 37 Klavierstücken. 1998 brachte er die CD Sympathie mit dem Teufel heraus. 1999 wurde er zum Richter am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg gewählt, 2002 übernahm er die Kandidatur der PDS für den Bundestag auf der sächsischen Landesliste. Von 2002–2009 arbeite er an einem Zyklus von Theaterstücken über Politiker; von 2003 bis 2011 war er zusammen mit Daniel Küchenmeister und Helge Meves Herausgeber der im Internet erscheinenden Zeitschrift für unfertige Gedanken. 2007 erscheint sein Werk Havemann bei Suhrkamp und löst einen Skandal aus. Von 2009–2013 arbeitet er als Berater von Gregor Gysi im Deutschen Bundestag. 2016 erscheint sein Roman Bankrott. Seit 2019 hat er eine eigene Galerie in Berlin, gesponsert von Albert Wenger, New York.

 

Mein 1968: Interview mit Florian Havemann
Bundesstiftung Aufarbeitung Youtube 14.08.2018

 

Erstellt: 16.09.2020 - 06:03  |  Geändert: 19.09.2020 - 11:40