20.07.2026

USA und Iran „kämpfen um den endgültigen Sieg“ – führender iranischer Analyst

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Medienpräsenz

Max Blumenthal von The Grayzone trifft Mostafa Khoshcheshm, einen der am besten vernetzten und produktivsten Analysten und Journalisten Irans, um über die nächste Phase des US-israelischen Krieges gegen das Land zu sprechen und darüber, warum er glaubt, dass Iran als regionale Macht hervorgehen wird.  
Khoshcheshm erklärt, wie sich die aktuelle Phase des Konflikts wahrscheinlich zu einem ausgewachsenen regionalen Krieg ausweiten wird und warum er der Ansicht ist, dass Israel bereits auf dem Weg zu einer inneren politischen Implosion ist.  

Zeitmarken

Erwartete Eskalation zu einem regionalen Krieg

▶ 0:19

Das Interview beginnt mit der Frage nach der weiteren Entwicklung des Konflikts. Der Gesprächspartner erwartet eine Ausweitung weit über den bisherigen Kriegsschauplatz hinaus. Nach seiner Einschätzung seien die Vereinigten Staaten bereits unmittelbare Kriegspartei und nicht lediglich Unterstützer Israels. Als Beleg verweist er auf Angriffe gegen strategische Infrastruktur im Norden Irans, darunter eine wichtige Bahnverbindung Richtung Maschhad. Solche Angriffe wertet er als Zeichen einer neuen Eskalationsstufe. Er rechnet deshalb mit einem umfassenden Krieg zwischen der sogenannten Widerstandsfront und den USA sowie deren Verbündeten.

Dynamik der Eskalation und Einschätzung der US-Strategie

▶ 1:18

Der Referent verweist auf israelische Warnungen vor neuen Angriffen und folgert daraus, dass die militärische Eskalation weiter an Tempo gewinnen werde. Donald Trump versuche seiner Ansicht nach gleichzeitig, politischen Druck und Gesprächsangebote zu kombinieren. Diese Signale hält er jedoch wegen fortbestehender Sanktionen und laufender Angriffe für unglaubwürdig. Er erwartet deshalb eine deutliche Ausweitung iranischer Gegenschläge sowohl hinsichtlich ihrer Intensität als auch ihres räumlichen Umfangs.

Warum der Referent Iran als bisherigen Gewinner betrachtet

▶ 3:10

Der Gesprächspartner definiert einen Sieg danach, ob die ursprünglichen Kriegsziele erreicht wurden. Den USA schreibt er Regimewechsel, Schwächung Irans, Ausschaltung des Raketen- und Atomprogramms sowie die Isolation regionaler Verbündeter zu. Keines dieser Ziele sei bislang erreicht worden. Iran dagegen habe seine staatliche Handlungsfähigkeit bewahrt und mit der Kontrolle über die Straße von Hormus zusätzlichen geopolitischen Einfluss gewonnen. Das eigentliche iranische Ziel habe lediglich darin bestanden, den Staat und seine politischen Strukturen zu erhalten. Dieses Ziel sieht er als erfüllt an, betont aber zugleich, dass der Krieg nach seiner Einschätzung noch lange nicht beendet sei.

Strategische Bedeutung der Straße von Hormus

▶ 4:12

Der Referent beschreibt die Sperrung beziehungsweise Kontrolle der Straße von Hormus als den wichtigsten strategischen Erfolg Irans. Die Meerenge sei eine der bedeutendsten Handels- und Energierouten der Welt und verschaffe Teheran erheblichen geopolitischen Einfluss. Nach seiner Darstellung hätten frühere Ankündigungen, diese Route im Ernstfall zu schließen, nun praktische Bedeutung erlangt. Trotz militärischer Schäden und hoher Verluste bewertet er diesen Umstand als Zeichen dafür, dass Iran politisch gestärkt aus der bisherigen Kriegsphase hervorgegangen sei.

Drei Phasen des Krieges

▶ 5:55

Der Gesprächspartner unterscheidet mehrere Kriegsphasen. Die zurückliegende Phase bewertet er als erfolgreich für Iran, weil das Land seine staatliche Stabilität bewahrt und militärisch die Oberhand gewonnen habe. Gleichzeitig betont er, dass dies noch keinen endgültigen Sieg bedeute. Nun beginne nach seiner Einschätzung eine entscheidende dritte Phase, in der beide Seiten versuchen würden, ihre strategischen Ziele endgültig durchzusetzen.

Militärische Fähigkeiten und Eigenproduktion

▶ 7:03

Als wichtigste militärische Faktoren nennt er ballistische Raketen, Drohnen und die schnelle Anpassung der Luftverteidigung. Besonderes Gewicht legt er auf die vollständig im Inland entwickelte Rüstungsindustrie. Selbst unter Bombardierungen sei die Produktion nach seiner Darstellung nie zum Erliegen gekommen. Eingesetzt würden überwiegend laufend produzierte Systeme; modernere Waffen und Reserven seien bislang zurückgehalten worden.

Rüstungsentwicklung als Folge der Sanktionen

▶ 10:55

Nach Auffassung des Referenten haben gerade die jahrzehntelangen Sanktionen den Aufbau einer leistungsfähigen iranischen Rüstungsindustrie beschleunigt. Er verweist auf Drohnen-, Raketen- und weitere Hochtechnologien, die vollständig im Inland entwickelt worden seien. Die Fähigkeit, Waffen unabhängig vom Ausland herzustellen, betrachtet er als einen entscheidenden militärischen Vorteil.

Rückhalt der Bevölkerung als militärischer Faktor

▶ 12:07

Der Gesprächspartner bezeichnet die Unterstützung der Bevölkerung als einen der wichtigsten Gründe für die Widerstandsfähigkeit Irans. Anders als im Vorjahr seien nach der Tötung des obersten Führers zahlreiche Menschen auf die Straßen gegangen. Trotz Luftangriffen hätten sie demonstriert, Versammlungen abgehalten und damit nach seiner Darstellung der politischen Führung sowie den Streitkräften moralischen Rückhalt gegeben. Die öffentliche Geschlossenheit bewertet er als ebenso bedeutsam wie die militärische Technologie.

Szenario einer Bodeninvasion

▶ 14:15

Auf die Frage nach einer möglichen amerikanischen Landungsoperation erklärt der Referent, eine vollständige Besetzung Irans würde nach seiner Einschätzung etwa zwei Millionen Soldaten erfordern und sei deshalb unrealistisch. Selbst begrenzte Landungen würden nach seiner Auffassung auf gut vorbereitete iranische Bodentruppen treffen. Er verweist auf Erfahrungen aus dem Iran-Irak-Krieg sowie auf spezialisierte Eliteverbände.

Reservisten, Freiwillige und Bodentechnologie

▶ 16:06

Ausführlich beschreibt der Gesprächspartner die Größe der iranischen Landstreitkräfte. Neben Armee und Revolutionsgarden nennt er Freiwilligenverbände, Reservisten und bewaffnete Stammesverbände. Außerdem hebt er hervor, dass Iran moderne Bodensysteme, Drohnen, Kurzstreckenraketen und weitere Ausrüstung entwickelt habe, die bislang kaum öffentlich gezeigt worden seien. Darin sieht er einen zusätzlichen Abschreckungsfaktor.

Erwartete Verluste einer US-Offensive

▶ 19:00

Der Referent geht davon aus, dass eine Bodenoffensive für die Vereinigten Staaten mit hohen Verlusten verbunden wäre. Gerade deshalb würden Teile der iranischen Führung eine solche Entwicklung eher begrüßen als ausschließliche Luft- oder Marineangriffe. Die im Fels verborgenen Raketenanlagen betrachtet er als Beleg für die Fähigkeit Irans, selbst unter massivem Beschuss weiter militärisch zu operieren.

Möglicher Einsatz taktischer Atomwaffen

▶ 20:04

Auf die Frage nach einem möglichen Einsatz taktischer Atomwaffen erklärt der Gesprächspartner, ein solcher Schritt sei denkbar, falls die USA oder Israel eine schwere militärische Niederlage erlitten. Gleichzeitig hält er die politischen Folgen für gravierend. Ein nuklearer Angriff würde nach seiner Einschätzung Iran faktisch legitimieren, eigene Kernwaffen zu entwickeln. Zudem verweist er auf die geografische Größe Irans und argumentiert, dass einzelne Atomwaffen das Land militärisch nicht ausschalten könnten, während ein nuklearer Gegenschlag gegen Israel wegen dessen geringerer Fläche wesentlich verheerendere Folgen hätte.

Irans Atomprogramm und die religiöse Fatwa

▶ 22:23

Im anschließenden Gespräch erläutert der Referent die aus seiner Sicht geltende religiöse Grundlage der iranischen Nuklearpolitik. Die Fatwa gegen Atomwaffen habe weiterhin Bestand. Gleichzeitig betont er jedoch, dass ihre zukünftige Gültigkeit von der Entwicklung des Krieges abhängen könne. Technologisch sieht er Iran grundsätzlich in der Lage, Kernwaffen zu entwickeln. Nach seiner Darstellung fehle nicht das technische Wissen, sondern ausschließlich eine politische und religiöse Entscheidung.

Abschreckung statt Einsatz?

▶ 25:00

Ein weiterer Themenblock beschäftigt sich mit der inneriranischen Debatte über nukleare Abschreckung. Der Gesprächspartner verweist darauf, dass Massenvernichtungswaffen aus religiösen Gründen als verboten angesehen würden. Gleichzeitig werde inzwischen diskutiert, ob der Besitz von Atomwaffen ausschließlich zur Abschreckung zulässig sein könnte. Eine endgültige Entscheidung schreibt er allein dem obersten religiösen Führer zu und sieht einen möglichen Nuklearangriff auf Iran als Ereignis, das diese Debatte grundlegend verändern könnte.


Langfristige Kriegsziele und Zukunft Israels

▶ 27:30

Der Interviewer fragt nach den langfristigen Perspektiven des Konflikts. Der Gesprächspartner definiert einen iranischen Sieg als dauerhafte Zurückdrängung amerikanischen Einflusses in der Region beziehungsweise als Festigung der Kontrolle über die Straße von Hormus. Anschließend entwickelt er seine Einschätzung zur Zukunft Israels. Er vertritt die Auffassung, innere Spannungen, wirtschaftliche Probleme, Auswanderung und sicherheitspolitische Entwicklungen würden das Land langfristig schwächen und letztlich seinen Niedergang einleiten.

Aktuelle Kriegslage und persönliche Erfahrungen

▶ 30:03

Zum Ende des Gesprächs richtet sich der Blick auf die unmittelbar aktuelle Lage. Der Referent schildert laufende Vergeltungsschläge und hält eine schrittweise Eskalation für wahrscheinlicher als einen plötzlichen Großangriff. Auf die Frage nach der persönlichen Sicherheit berichtet er von Bombardierungen in unmittelbarer Nähe seines Wohnortes. Gleichzeitig beschreibt er eine große Gelassenheit der Bevölkerung, die nach seiner Darstellung auf jahrzehntelangen Kriegserfahrungen beruhe.

Medienkritik und Schlusswort

▶ 34:03

Zum Abschluss kritisiert der Gesprächspartner die westliche Berichterstattung über Iran. Er wirft den großen Medien vor, ein verzerrtes Bild des Landes zu vermitteln und Informationen gezielt zu filtern. Als Gegenbeispiel nennt er die parlamentarische Vertretung religiöser Minderheiten wie Christen und Juden im iranischen Parlament. Mit diesem Hinweis endet das Interview.

Sprache (Ton)
Deutsch
Laufzeit
35min 38s

Erstellt: 24.07.2026 - 07:07  |  Geändert: 24.07.2026 - 07:33

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