07.05.2026

Ulrike Guérot: Merz ist bald weg. Mir ist wichtig, daß wir die Argumente der Russen ernst nehmen!

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Sergey Filbert im Gespräch mit Prof. Dr. Ulrike Guérot über ihre tiefen,  bewegenden, nachdenkenswerten und ganz persönlichen Erlebnisse ihrer letzen Russlandreise.  

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Reiseeindrücke aus Moskau

Ulrike Guérot schildert Moskau als eine funktionierende, saubere und moderne Metropole, in der der Krieg im Alltag kaum spürbar sei [05:16]. Sie betont die Warmherzigkeit der Menschen und das Fehlen von Ressentiments gegenüber Deutschen [05:42]. In intellektuellen und akademischen Kreisen herrsche eine große Trauer darüber, vom Westen „abgeknipst“ worden zu sein [07:52].

Kernpunkte der russischen Perspektive (laut Guérot)

  • Wahrnehmung des Konflikts: Viele Russen sähen die Ukrainer als „Brudervolk“ und richteten ihre Ablehnung gegen das, was sie als „nationalistisches Regime“ in Kiew bezeichnen [11:18].
  • Historischer Kontext: Es bestehe ein großer Stolz auf den Sieg der Sowjetarmee über den Faschismus. Die Unterstützung ukrainischer Nationalisten durch den Westen werde daher als besonders verletzend empfunden [10:04], [26:00].
  • Informationsstand: Die russische Elite und akademische Kreise seien sehr gut über westliche Argumente und politische Debatten informiert [07:06].

Kritik an der deutschen Politik und Medienlandschaft

  • Propaganda-Vorwurf: Guérot kritisiert eine einseitige Berichterstattung in Deutschland, die Stereotype wie den „bösen Russen“ bediene [16:53].
  • Mangelnde Reisetätigkeit: Sie bemängelt, dass deutsche Politiker (wie Friedrich Merz oder Boris Pistorius) sich oft kein eigenes Bild vor Ort machten [16:20].
  • Doppelmoral: Sie sieht eine Heuchelei darin, dass beispielsweise deutsch-ukrainische Schüleraustausche massiv gefördert werden, während der Austausch mit Russland zum Erliegen gekommen sei [28:02].

Vision für ein europäisches Friedensprojekt

  • Bürgerbewegung: Guérot plädiert dafür, dass die Bevölkerungen Europas über Grenzen hinweg für den Frieden eintreten müssen, da die Regierungen versagten [33:06]. Sie verweist auf das „European Peace Project“ und den Aufruf zum Frieden am 9. Mai [32:07].
  • Geopolitische Achse: Ihr Ideal bleibt eine Verständigung auf der Achse Paris–Berlin–Moskau, um eine stabile europäische Sicherheitsarchitektur ohne neue kalte Grenzen zu schaffen [57:39].
  • Forderung nach Diplomatie: Sie fordert, russische Argumente (wie die Forderung nach Neutralität und Föderalisierung der Ukraine) ernst zu nehmen, um zu einer Verhandlungslösung zu gelangen [14:46].

Persönliche Situation

Guérot spricht über ihren juristischen Kampf gegen ihre Kündigung als Professorin, den sie als „öffentliche Hinrichtung“ aufgrund ihrer kritischen Positionen beschreibt [51:17]. Sie sieht in ihrem Fall beim Bundesverfassungsgericht eine Bewährungsprobe für den deutschen Rechtsstaat [52:34].

Sprache (Ton)
Deutsch
Laufzeit
59min 41s

Erstellt: 10.05.2026 - 07:56  |  Geändert: 10.05.2026 - 07:56

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