24.04.2026

John Mearsheimer: USA weitet Iran-Krieg aus & trennt sich von Europa

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auf YouTube (24.04.2026) 1:09:27

Medienpräsenz

Zeitmarken

1. Das Scheitern der USA im Iran-Krieg

Mearsheimer stellt fest, dass die USA und Israel ihre ursprünglichen Kriegsziele (Regimewechsel, Ende der Urananreicherung, Entwaffnung von Pro-Iran-Gruppen) nicht erreicht haben [04:12].

  • Militärische Sackgasse: Die Luftoffensive sei gescheitert, und eine Bodenvilla sei politisch und militärisch keine Option. Er betont, dass der Iran bei jeder weiteren Eskalation am längeren Hebel sitze [01:45].
  • Die Meerenge von Hormus: Der Iran kontrolliere nun faktisch die Straße von Hormus und habe dort eine Art „Mautstation“ eingerichtet. Dies verschaffe dem Iran eine enorme strategische Abschreckung, da er die Weltwirtschaft jederzeit durch eine Blockade lahmlegen könne [04:38].

2. Trumps diplomatisches Dilemma

Präsident Trump stehe unter enormem Druck, den Krieg zu beenden, um eine globale Wirtschaftskrise zu verhindern [02:14].

  • Druck durch Israel: Israel und die US-Israel-Lobby betrachteten den Iran als existentielle Bedrohung und drängten Trump dazu, kein Abkommen zu schließen, das den iranischen Sieg anerkennt. Trump schwanke daher ständig zwischen wirtschaftlicher Realpolitik und dem Druck seiner Verbündeten [06:20].
  • Unfähigkeit in der Diplomatie: Mearsheimer kritisiert die Trump-Administration als diplomatisch unfähig und zieht Parallelen zum Umgang mit dem Ukraine-Konflikt, wo Trump ebenfalls versprochen hatte, den Krieg schnell zu beenden, dies aber „völlig vermasselt“ habe [03:13].

3. „Responsibility Shifting“: Die Entkoppelung von Europa

Ein wesentlicher Teil des Gesprächs dreht sich um eine Rede von Elbridge Colby, die auf eine drastische Änderung der US-Strategie in Europa hindeutet [48:31].

  • Auslagerung des Ukraine-Kriegs: Die USA wollen die Verantwortung für die konventionelle Sicherheit und die Unterstützung der Ukraine fast vollständig auf die Europäer übertragen. Der Grund sei, dass die US-Waffenbestände (z. B. Patriot-Raketen) durch den Iran-Konflikt erschöpft seien und man die verbleibenden Ressourcen für die Eindämmung Chinas in Ostasien benötige [50:33].
  • Schuldzuweisung: Wenn die Ukraine den Krieg letztlich verliert, werde Trump den Europäern die Schuld geben, um den Rückzug der USA politisch zu rechtfertigen [56:00].

4. Eine gefährliche multipolare Welt

Mearsheimer skizziert den Übergang von einer unipolaren zu einer multipolaren Weltordnung seit etwa 2017 [39:01].

  • Existenzielle Ängste: In beiden Hauptkonflikten (Ukraine/Russland und Israel/Iran) betrachten sich die Gegner gegenseitig als existentielle Bedrohung. Dies mache diplomatische Lösungen extrem schwierig [41:13].
  • Globale Verflechtung: China und Russland hätten ein Interesse daran, dass die USA in Europa und im Nahen Osten gebunden bleiben, damit sie weniger Kapazitäten für Ostasien haben [44:16].

Fazit: Mearsheimer zeichnet ein düsteres Bild: Die USA verlieren an Einfluss, ihre Bündnissysteme erodieren, und die Gefahr einer weltweiten wirtschaftlichen Depression oder weiterer militärischer Eskalationen bleibt hoch, da keine Seite bereit ist, den Sieg des Gegners anzuerkennen [01:08:22].

Sprache (Ton)
Deutsch
Laufzeit
1h 9min 27s
Thematisierte Personen

Erstellt: 24.04.2026 - 08:53  |  Geändert: 24.04.2026 - 08:53

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