Die Durchrohung der Gesellschaft - Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer, 16. März 2026
auf YouTube (16.03.2026) 1:40:55
Seit vielen Jahren ist in der Gesellschaft die Frage virulent, ob das Verhalten in privaten, öffentlichen und institutionellen Räumen zunehmend verroht. Verschiedene Formen der Gewalt treten im Privaten in nahen sozialen Räumen von Ehen und Familien auf. In öffentlichen Räumen richten sie sich etwa gegen Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte. Sie sind aber auch in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Straßenverkehr, bei Sportveranstaltungen oder gegen Obdachlose zu beobachten. Und wenn wir an institutionelle Räume denken, dann betreffen diese Formen der Gewalt Schulen, Kirchen, Sportvereine ebenso wie Krankenhäuser oder Altenheime. Gewalt gegen Amtsträgerinnen und das Personal öffentlicher Einrichtungen ist keine Seltenheit mehr. Dabei wurde von Bedrohungen und Hass gegen Andersdenkende in den virtuellen Räumen des Internets noch gar nicht gesprochen. Wilhelm Heitmeyer hat sich in einer Vielzahl vielbeachteter Studien mit Menschenfeindlichkeit und Gewalt befasst – und analysiert diese nun im Zusammenhang mit der Ökonomisierung des Sozialen, mit Kontrollverlusten und einem zunehmenden Gefühl der Orientierungslosigkeit. In Verbindung mit einer abnehmenden Ambivalenz und Ambiguitätstoleranz, mit dem Verlust von Empathie und mit der schwindenden Verbindlichkeit von Rechtsnormen führe dies – so seine These – zur Durchrohung der Gesellschaft.