Tricontinental Asia (Medienpräsenz)

2:10:17

Übersicht

Einführung und Start der „Hands Off Asia“-Kampagne (02:16) Ting Chak, die asiatische Ko-Koordinatorin des Tricontinental Institute for Social Research, eröffnet das Webinar. Die von der International People's Assembly (IPA) mitorganisierte Veranstaltung markiert den Start der Kampagne „Hands Off Asia“, die den Abzug von US- und NATO-Militärstützpunkten aus Asien fordert. Ting Chak verweist auf die zunehmende Militarisierung in der Region, darunter die Remilitarisierung Japans und die Waffenverkäufe an Taiwan. Zudem habe der US-israelische Krieg gegen den Iran bewiesen, dass US-Militärbasen für die Gastländer keinen Schutz, sondern ein primäres Angriffsziel darstellen.

Luna Nguyen: Lehren aus dem vietnamesischen Befreiungskampf (07:20) Die vietnamesische Übersetzerin und sozialistische Aktivistin Luna Nguyen (bekannt durch ihren YouTube-Kanal Luna Oi) spricht am Jahrestag der Befreiung Vietnams (30. April 1975). Sie betont, dass der organisierte Kampf der Bevölkerung selbst gegen das mächtigste Imperium siegen kann, die Bedrohung durch die US-Infrastruktur jedoch fortbesteht. In ihrem Schlusswort hebt sie hervor, dass die US-Aggression im Kern auf wirtschaftlichen Interessen (Ressourcen und Kapitalkontrolle) beruht, weshalb eine fundierte Klassenanalyse notwendig sei. Sie ruft zur Stärkung der sozialistischen Bildung auf.

Setare Sadeqi: Der Mythos der US-Militärbasen als Schutzschild (19:29) Dr. Setare Sadeqi, Assistenzprofessorin an der Universität Teheran, berichtet live aus Isfahan unter den Eindrücken des aktuellen Krieges gegen den Iran. Sie dekonstruiert den Mythos von US-Stützpunkten als Sicherheitsgaranten. Golfstaaten wie die VAE, Bahrain, Kuwait, Katar und Saudi-Arabien stellen ihr Territorium und ihren Luftraum für US-Militärgerät bereit und kaufen teure US-Verteidigungssysteme in der Hoffnung auf Schutz. In der Praxis verwandeln diese Basen die Länder jedoch in exponierte Ziele für Vergeltungsschläge, wodurch jegliche Neutralität im Konflikt verloren geht.

Ko Yonaha: US-Militärbesatzung und die Remilitarisierung Okinawas (36:27) Ko Yonaha, Vertreterin der Bürgerinitiative „No More Battle of Okinawa“, schildert die andauernde Belastung der Insel. Obwohl Okinawa nur 0,6 % der Fläche Japans ausmacht, beherbergt es 70 % der US-Militäreinrichtungen des Landes. Sie berichtet von der historischen Landnahme durch US-Bulldozer, der Missachtung von Menschenrechten sowie schwerer Gewalt und sexuellen Übergriffen durch US-Soldaten. Zudem warnt sie, dass Okinawa im Falle einer Taiwan-Krise im Rahmen bilateraler Militärplanungen (wie EABO) zur vordersten Frontlinie gemacht wird und die Zivilbevölkerung die Hauptlast eines Gegenangriffs tragen müsste.

Chen Misa: Militärische und ideologische Kontrolle in Taiwan (53:01) Professorin Chen Misa von der National University of Taiwan analysiert die jahrzehntelange US-Präsenz als eine Form der modernen Kolonisierung

  • Die historische Zugehörigkeit Taiwans (56:02): Chen Misa erklärt, dass Taiwan geografisch und historisch untrennbar mit China verbunden ist. Vor 30.000 Jahren gab es eine Landbrücke zum Festland, und die Migration von Han-Chinesen nach Taiwan begann bereits vor 900 Jahren.
  • Der „Weiße Terror“ und die KMT-Diktatur (1:01:57): In den 1950er und 60er Jahren wurden mit Unterstützung der US-Regierung zahlreiche Patrioten, die sich für eine Einheit einsetzten, von der KMT-Diktatur getötet. Sie zeigt dazu das Bild eines unbeschrifteten Massengrabes aus dieser Epoche.
  • Die Ära der US-Militärbasis (1:04:15): Sie dokumentiert die physische US-Militärpräsenz in Taiwan von 1950 bis 1979 unter dem KMT-Diktator Chiang Kai-shek und zeigt historische Aufnahmen von Truppeninspektionen.
  • Der Abzug und die „ideologische Kontrolle“ (1:05:55): Mit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den USA und der VR China im Jahr 1979 mussten die USA ihre Truppen abziehen. Chen Misa betont jedoch, dass der physische Abzug durch eine noch „bösartigere“ ideologische Kontrolle (Verbreitung von antikommunistischem Liberalismus und pro-amerikanischen Werten) ersetzt wurde, die das Denken der Menschen in Taiwan bis heute tiefgehend beeinflusst.
  • Moderne Waffenverkäufe und Militärtraining (1:07:37): Aktuell wird Taiwan gezwungen, Rüstungsgüter im Wert von 400 Milliarden US-Dollar zu kaufen, während US-Truppen weiterhin taiwanesische Einheiten trainieren.
  • Die taiwanesische Widerstandsbewegung (1:10:37): Zum Abschluss stellt sie führende Aktivisten und Professoren ihrer Gesellschaft vor, die im Publikum sitzen und sich aktiv gegen den US-amerikanischen und japanischen Einfluss in Ostasien organisieren, bevor sie das Wort an die nächste Sprecherin übergibt

Corazon Valdez Fabros: Der Widerstand der Philippinen gegen „Pax Silica“ (1:11:57) Die Friedensaktivistin Corazon Valdez Fabros lenkt den Blick auf die Philippinen, wo zeitgleich die größten bilateralen Militärübungen der Geschichte („Balikatan 2026“) mit 17.000 Truppen stattfinden. Sie kritisiert, dass das Land trotz verfassungsmäßiger Verbote zu einem vorgeschobenen Stützpunkt der USA umgewandelt wird. Besonders warnt sie vor dem Konzept der „Pax Silica“ (Frieden durch technologische Vorherrschaft). Dabei werden riesige Sonderwirtschaftszonen für US-Rüstungskonzerne wie Lockheed Martin auf indigenem Land eingerichtet, um billige Arbeitskräfte und Rohstoffe für die US-Militärlieferkette auszubeuten.

Jeongmin Hwang: Südkorea als „fester Flugzeugträger“ der USA (1:30:16) Jeongmin Hwang, Generalsekretär des International Strategy Center in Seoul, beleuchtet die Rolle Südkoreas im neuen Kalten Krieg. Er kritisiert Trumps Forderungen nach Eigentumsrechten für US-Militärflächen in Korea, die eigentlich koreanischem Hoheitsrecht unterliegen. Südkorea werde von US-Militärs wie General Brunson strategisch als „fester Flugzeugträger“ betrachtet. Über integrierte Netzwerke wie das „Kill Web“ und das „strategische Dreieck“ (Südkorea, Japan, Philippinen) versuche Washington, eine geschlossene Militärallianz zur Eindämmung Chinas, Russlands und Nordkoreas aufzubauen.

Abschließende Diskussion und Aufruf zur Solidarität (1:44:00) In der Schlussrunde betonen alle Sprecherinnen die Notwendigkeit, internationale Solidarität und ein breites Bewusstsein gegen den US-Militarismus zu schaffen. Dr. Setare Sadeqi verweist darauf, dass historische Erfahrungen (wie der CIA-gesteuerte Putsch im Iran 1953) zeigen, dass die USA unzuverlässige Akteure sind. Die asiatischen Völker müssten eigene, indigene Formen des Widerstands und des Dialogs etablieren, um die Region vor den verheerenden Folgen imperialer Kriege zu schützen