Alte Industrie (Medienpräsenz)

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In Schweinfurt schlug einst das mechanische Herz einer ganzen Generation. Kaum ein Fahrrad rollte durch deutsche Straßen ohne die berühmte Sachs Torpedo Freilaufnabe, kaum ein Moped von Hercules oder KTM knatterte los, ohne dass ein Sachs Zweitaktmotor darin brüllte. Fichtel & Sachs war mehr als ein Hersteller, es war ein Versprechen deutscher Ingenieurskunst, präzise, robust und unverwüstlich, gebaut von Menschen, die ihr Handwerk mit Stolz und Hingabe ausübten. Für Millionen junger Deutscher war Sachs der erste Geschmack von Freiheit, das Geräusch, das Kindheit und Jugend definierte.

Doch der Niedergang begann nicht mit technischem Versagen, sondern mit einem Verrat im Vorstandszimmer. Als die Gründerfamilie das Unternehmen an Mannesmann verkaufte, war der Grundstein für eine Kette von Übernahmen gelegt, die schließlich beim Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen endete. Für ZF zählte nur eines, die Produktion von Kupplungen für die Automobilindustrie. Die einst so geliebten Sparten für Fahrräder und Mopeds erschienen den neuen Eigentümern lediglich als unbedeutender Ballast, ein Anhängsel ohne Wert, das man loswerden wollte.

Was folgte, war die kaltblütige Zerschlagung eines Lebenswerks. ZF schloss die gesamte Zweiradsparte, entließ die legendären Ingenieure von Schweinfurt, deren Wissen über Generationen gewachsen war, und verkaufte den Namen Sachs Bikes schließlich an einen asiatischen Holdingkonzern. Ein Name, der einst für deutsche Handwerkskunst stand, wurde zur bloßen Handelsware degradiert. Dies ist die Geschichte, wie zwei Industriegiganten Deutschlands größten Kleinmotorenbauer bewusst zu Grabe trugen, und was dieser kalkulierte Untergang über den Wert von Tradition in der modernen Wirtschaft verrät.