Kino gegen Austerität: "Busch singt" (DDR 1982) von Konrad Wolf
Mittwoch, 12.11.25, 20 Uhr, Kokoschka-Hörsaal im Philosophenturm der Uni Hamburg
Einführung, künstlerische Darbietung und anschließende Diskussion mit Liedermacher, Regisseur und Autor Hans-Eckardt Wenzel
Wehrpflicht, Arbeitsdienst, enthemmte militärische Aufrüstung, rassistische Gesetzgebung und forcierte Verfolgung von „Andersdenkenden“ – mit diesen Maßnahmen des Jahres 1935 ebnete das faschistische Deutschland den Weg für den Beginn von Weltkrieg und Massenvernichtung vier Jahre später. Wenn die Geschichte auf diese Weise lebendig wird, gewinnt auch das Lernen aus der Geschichte vitale gegenwärtige Bedeutung – insbesondere aus der Geschichte des Widerstands, des Ringens um Humanität für eine Welt ohne Ausbeutung, Krieg, Gewalt und Elend und des Gelingens der Befreiung 1945.
Einen der eindrucksvollsten Versuche, eine lehrreiche Chronik dieses widerständigen Wirkens auf die Leinwand zu bannen, stellt der Fragment gebliebene, sechsteilige Dokumentarfilm „Busch singt“ von Konrad Wolf aus dem Jahre 1982 dar.
Der 1925 geborene Regisseur Wolf, Präsident der Akademie der Künste der DDR von 1965-1982, jüngster Sohn einer jüdisch-deutschen Familie, die als Kommunisten 1933 nach Moskau emigriert war, wuchs mit den Liedern Ernst Buschs auf. Als freiwilliger Rotarmist war er 19-jährig an der Befreiung Berlins beteiligt. Sein Aufklärungsbataillon spielte an der Front über Lautsprecher u.a. auch Buschs Lieder und bewegte auf diese Weise zahllose deutsche Wehrmachtssoldaten zum Strecken der Waffen. Mit dem Film würdigt er das beispielgebende Lebenswerk seines späteren engen Freundes und Weggefährten, des 1900 in Kiel geborenen Sängers, Schauspielers und Antifaschisten Ernst Busch, der zur selben Zeit (Ende April 1945) – gerade aus faschistischer Haft im Zuchthaus Brandenburg befreit – ebenfalls auf dem Weg nach Berlin gewesen war.