NachDenkSeiten (Medienpräsenz)

1:15:50

36. Pleisweiler Gespräch mit Jacques Baud – Teil 1: Vortrag
Thema: Ukraine – aktuelle Lage und Friedensperspektiven

Von der Art und Weise, wie man eine Krise versteht, folgt die Art und Weise, wie man sie löst. Unser derzeitiges Verständnis des Ukraine-Konflikts beruht jedoch ausschließlich auf dessen Wahrnehmung. Seit dem Sommer 2022 ist die Ukraine nur dank westlicher Hilfe in der Lage zu kämpfen. Die Vorschläge, die Zelenskij Russland im März 2022 unterbreitet hatte und die damals einen für die Russen akzeptablen Kompromiss darzustellen schienen, wurden unter westlichem Druck zurückgezogen. Von da an schien sich - mit zunehmendem zeitlichen Abstand - immer weniger ein Kompromiss abzuzeichnen. Der Westen bemüht sich, alles auszuschließen, was als russischer Sieg verstanden werden könnte. Aber Fakten sind Fakten, und die westliche Politik spielt mit ukrainischen Leben. Es ist an der Zeit, zur Realität zurückzukehren, die Fakten zu akzeptieren und die Zukunft der Ukraine zu gestalten, bevor nichts mehr von ihr übrig ist. 

Jacques Baud hat für den Schweizer Strategischen Nachrichtendienst, die NATO und die Vereinten Nationen gearbeitet. Mit seinem am 10. Juli erschienenen Buch „Putin – Herr des Geschehens?“ https://www.westendverlag.de/buch/putin/ liefert er auf der Grundlage von Dokumenten, die hauptsächlich von den USA, der Ukraine, der russischen Opposition und internationalen Organisationen stammen, einen sachlichen Blick auf die Realität und öffnet die Tür für eine unvoreingenommene Einschätzung des Kriegs in der Ukraine.

Jaques Baud hat einen Master in Ökonometrie und ein abgeschlossenes Nachdiplomstudium in internationaler Sicherheit und internationalen Beziehungen. Er arbeitete als für die Ostblockstaaten und den Warschauer Pakt zuständiger Analyst für den Schweizer Strategischen Nachrichtendienst und leitete die Doktrin für friedenserhaltende Operationen der Vereinten Nationen New York. Dort war er zuständig für die Bekämpfung der Proliferation von Kleinwaffen bei der NATO und beteiligt an den NATO-Missionen in der Ukraine.

21:23

Nord Stream als Kriegsgrund | Florian Warweg | NachDenkSeiten-Podcast | 17.04.2023

AUSZUG: Die blau-gelbe Fahne steht für Freiheit, das ominöse russische Zeichen „Z“ für Unterdrückung. So einfach ist der Krieg um die Ukraine aber nicht erklärbar, obwohl sich unter europäischen Staatskanzleien und Leitmedien nur diese eine Erzählung festgesetzt hat. Der Anfang April 2023 vom in Wien ansässigen ProMedia-Verlag veröffentlichte Sammelband „Kriegsfolgen – Wie der Kampf um die Ukraine die Welt verändert“ hat den Anspruch, jenseits von Propaganda-Narrativen in 17 Beiträgen von ukrainischen, russischen und deutschsprachigen Autoren die Motive und die Folgen dieser seit Generationen gefährlichsten Weltkrise zu durchleuchten. Die NachDenkSeiten präsentieren den Beitrag unseres Redakteurs Florian Warweg für den „Kriegsfolgen“-Band, in welchem er sich den wirtschaftlichen Hintergründen der Nord-Stream-Sprengung widmet.

57:26

Das Pleisweiler Gespräch vom 10. Juli 2022 mit der außergewöhnlichen Professorin aus Bonn war das am besten besuchte Gespräch in der Geschichte dieser Veranstaltung. Über 300 Menschen aus der ganzen Republik und aus dem benachbarten Ausland waren in die Südpfalz gekommen. Die Aufzeichnung von Vortrag und Diskussion stellen wir Ihnen hiermit zur Verfügung. Es würde uns freuen, wenn Sie dieses Video weiterverbreiten.

33. Pleisweiler Gespräch mit Prof. Dr. Ulrike Guérot, Politikwissenschaftlerin und Publizistin - Vortrag
Thema: Wie wir in Europa leben wollen? Zwischen Freiheit, Kontrolle und Abhängigkeit im Zeitalter des „autoritären Kapitalismus“
10. Juli 2022 in Kapellen-Drusweiler
Das Video beginnt mit der Begrüßung durch Albrecht Müller und einer Einführung von Annette Sorg.

Zeitmarken

1. Krise des demokratischen Diskurses

  • Erosion der Debattenkultur: Guérot diagnostiziert eine „Fassungslosigkeit“ über den tiefen Fall der bundesrepublikanischen Gesellschaft in den letzten Jahren [16:54]. Sie kritisiert eine zunehmende Ausgrenzung und Diffamierung kritischer Stimmen, die als „Staatsfeinde“ oder „Schwurbler“ etikettiert werden, um eine inhaltliche Auseinandersetzung zu vermeiden [12:34, 24:57].
  • Mediale Selbstgleichschaltung: Unter Bezugnahme auf Precht und Welzer kritisiert sie, dass Massenmedien oft einseitig und moralisierend berichten und die Meinungsvielfalt der Bevölkerung nicht mehr repräsentieren [23:32, 24:13].
  • Verlust der Gewaltenteilung: Sie sieht Anzeichen für eine Erosion des Rechtsstaats, etwa wenn die Judikative Entscheidungen der Exekutive ungeprüft legitimiert, ohne wissenschaftliche Widersprüche (z.B. zur Impfpolitik) angemessen zu würdigen [29:54, 30:31].

2. Kritik an Wissenschaft und Technikgläubigkeit

  • Wissenschaft vs. Weisheit: Guérot warnt vor einem „Scientizismus“, der Wissenschaft nur noch in Zahlen und Statistiken begreift und dabei das „anthropologische Mysterium“ und die menschliche Intuition (die „Kopf-Bauch-Schnur“) vernachlässigt [37:33, 41:13].
  • Forderung nach einem „Recht auf analoges Leben“: Als konkreten politischen Vorschlag plädiert sie dafür, das Recht auf ein Leben ohne digitale Überwachung und Smartphone-Zwang in der UN-Charta zu verankern, um gesellschaftliche Teilhabe auch analog zu gewährleisten [53:27, 46:13].

3. Geopolitische Einordnung und Europa

  • Kritik der Ukraine-Politik: Sie plädiert für Verhandlungslösungen und kritisiert eine „Russophobie“, die das Erbe der Entspannungspolitik (Brandt/Bahr) gefährde [49:01, 49:27].
  • Scheitern der europäischen Ziele: 30 Jahre nach Maastricht konstatiert sie das Scheitern der beiden Hauptziele von 1989/92: die Schaffung einer echten politischen Union und ein gemeinsames Europa von Lissabon bis Wladiwostok [53:04, 53:44].
  • Emanzipatorisches Projekt: Sie fordert ein Europa, das sich als eigenständiger Akteur zwischen den USA und Eurasien emanzipiert, um seine spezifischen Werte, Industriestrukturen und die mittelständische Basis zu schützen [54:47, 55:10].

4. Ausblick

  • Gefahr sozialer Unruhen: Guérot warnt vor einem Kippen der Stimmung nach rechts, wenn soziale Fragen (Inflation, Energiepreise) nicht gelöst werden und der demokratische Diskurs weiterhin blockiert bleibt [50:34, 50:58].
  • Europäischer Bundesstaat: Als Lösung sieht sie die im Koalitionsvertrag der Bundesregierung erwähnte Perspektive eines europäischen Bundesstaates, den es nun konsequent einzufordern gelte, um die Souveränität der Bürger wiederherzustellen [56:00, 56:18].