Der Anarchist und Evolutionstheoretiker Peter Kropotkin (1842-1921) zeigt in seinem Spätwerk auf, wie eine Ethik zu begründen ist, die auf einer naturalistischen Basis beruht und ohne metaphysische, transzendente bzw. religiöse Fundierung auskommt. Ausgehend von seinen Untersuchungen zur gegenseitigen Hilfe bei Tieren und Menschen, die als Vorläufer der modernen Soziobiologie verstanden werden kann und insbesondere die Bedeutung kooperativen Verhaltens für die Evolution in den Blick rückt, beschreibt Kropotkin, dass "sittliches" Verhalten selbst in der Natur angelegt ist bzw. zu ihr nicht im Widerspruch steht.
Philosophie (Thema)
Der Zusammenhang zwischen KI, Ethik, gesellschaftlichen Werten und Standardisierung ist komplex. Die Mitwirkenden dieses Bandes diskutieren die Herausforderungen und Chancen, die mit der Standardisierung der KI-Ethik verbunden sind, einschließlich algorithmischer Prüfungen, Beteiligung von Interessengruppen und Zertifizierungsmechanismen.
The relationship between AI, ethics, societal values and standardization is complex. The contributors to this volume discuss the challenges and opportunities involved in standardizing AI ethics, including algorithmic audits, stakeholder participation and certification mechanisms.
Wie entsteht Sinn in einer Welt voller digitaler Technologien?
David J. Krieger schlägt eine neue Informationsphilosophie als Grundlage für eine Revision des Pragmatismus vor. Dazu verbindet er ihn mit Systemtheorie, Akteur-Netzwerk-Theorie und Posthumanismus: Sinn entsteht aus normativ geleiteten sozialen Praktiken, Sinn ist eine emergente Ordnungsebene jenseits von Materie und Leben und umfasst alles, was zur Gesellschaft und zur Welt gehört, und an den sozialen Praktiken, die Sinn konstruieren, sind Menschen und Nichtmenschen gleichberechtigt beteiligt.
Das Buch präsentiert einen Abriss der Ideengeschichte des islamisch-politischen Denkens von al-Farabi über Ibn Khaldun und Ibn Taymiyya bis hin zu al-Afghani, Hasan al-Banna, Muhammad Asad, Khomeini, Nasr Hamid Abu Zaid, Yusuf al-Qaradawi und Elijah Muhammad. Das Werk arbeitet die Vielschichtigkeit des politischen Denkens im islamischen Bezugsraum heraus und zeigt auf, wie das intellektuelle, soziale und politische Umfeld das jeweilige Denken der einzelnen Persönlichkeiten prägte und wie damit ein Wandel zentraler Begriffe einherging.
Die Stimme des Gewissens - Ein rätselhaftes Phänomen zwischen akustischer Empfindung und personaler Vorstellung.
Welche Versuche wurden in der Literatur, der Philosophie und der Psychologie unternommen, die Stimme des Gewissens unter modernen Voraussetzungen zu denken? Der von Philipp Weber untersuchte Zeitraum reicht von Kants Verankerung des Gewissens im Bewusstsein bis zu Freuds Nachweis eines unbewussten Anteils am Gewissen.
Unsere Wirtschaft gründet auf geistigen Voraussetzungen, die von ihren Agenten nicht reflektiert, sondern unhinterfragt übernommen werden. Sie halten das in Geltung stehende wirtschaftliche Paradigma für unabdingbar wahr und alternativlos. Doch dieser Eindruck ist verhängnisvoll, weil er die angesichts von Klimawandel, Kriegen, Sinnkrisen und einer schleichenden Erosion des Gemeinsinns notwendige Transformation der Ökonomie verhindert.
Vermutlich hat kein Songwriter des 20. und 21. Jahrhunderts bei Intellektuellen und Philosophen so viel Aufmerksamkeit erregt wie Bob Dylan. Obwohl er im engen Sinne weder ein Intellektueller noch ein Philosoph ist, kann man durchaus von einer Dylan'schen Songphilosophie sprechen.
Jenseits der strikten Gepflogenheiten und Begrenzungen des modernen philosophischen Diskurses nimmt der Künstler sich dieselben Freiheiten, die auch antike Philosophen besessen haben: unbedingte Subjektivität statt Systemzwang, Feier des Augenblicks und das Freisetzen einer Vielfalt von Blicken auf die Welt und das eigene Ich.
Auf dem Weg zu einem neuen Freiheitsverständnis: die Aktualität von Hannah Arendts politischer Philosophie im Kontext aktueller Krisen.
Hannah Arendt gilt als eine der einflussreichsten Denkerinnen des 20. Jahrhunderts - doch die Frage nach der Modernität ihrer Ansätze ist umstritten. Bruno Heidlberger interpretiert das Werk Arendts mit Blick auf die Fragilität spätmoderner Massen- und Konsumgesellschaften und macht dadurch ihre ungebrochene Aktualität sichtbar.
Oskar Negt hatte unter dem Titel »Philosophie und Gesellschaft« im Wintersemester 1974/75 an der Universität Hannover einen großen Vorlesungszyklus begonnen. Er wollte darin eine neue Interpretation des Marxismus als epochaler Theorie in praktischer Absicht entwickeln. Ausgangspunkt dieses Unternehmens war die Auseinandersetzung mit seinen philosophischen Quellen: eine Vorlesung zu Kant bildete den Anfang, worauf eine weitere zur dialektischen Philosophie Hegels folgte. Am Ende beschlichen Negt jedoch Zweifel am eigenen Vorhaben und gaben Ausschlag dafür, die Pläne zu verändern.
Oskar Negts Beschäftigung mit Karl Marx und dem Marxismus reicht weit in seine Studienzeit in Frankfurt zurück. In den 1950er Jahren ging es darum, die durch den Nationalsozialismus zerstörte marxistische Tradition aus dem geschichtlichen Schutt zu bergen und sie zugleich aus jenen weltanschaulichen Fesseln zu lösen, die, wie Negt es später klassisch formulieren wird, eine kritische Theorie in eine Legitimationswissenschaft verkehrten.