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Zwölf gute Vorsätze für das "neue Jahr"
Die Illusion des Neuanfangs: Warum das „Neue Jahr“ eine Falle des Kapitalismus ist

Zusammenfassung und Infografik

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Dieses Dokument fasst die zentralen Argumente eines philosophischen Essays von Fernando Buen Abad Domínguez sowie den umgebenden geopolitischen Kontext zusammen, der in einer Reihe von Nachrichtenmeldungen von Ende 2025 und Anfang 2026 dargestellt wird. Die Analyse ist zweigeteilt: Zuerst wird die ideologiekritische Auseinandersetzung des Autors mit dem Konzept des „Neujahrs“ als Werkzeug des Kapitalismus zur Aufrechterhaltung des Status quo beleuchtet. Anschließend werden diese philosophischen Überlegungen in den Kontext einer schweren internationalen Krise gestellt, die eine militärische Intervention der USA in Venezuela unter der Führung von Donald Trump und die Gefangennahme von Präsident Nicolás Maduro umfasst.

Der Kerngedanke des Essays ist, dass die jährliche Feier des Jahreswechsels eine ideologische Anästhesie darstellt – eine Illusion der Erneuerung, die systemische Ungerechtigkeiten verschleiert und kollektiven Kampf durch individuelle, psychologische Erwartungen ersetzt. Als Gegenentwurf formuliert der Autor „Zwölf gute Vorsätze“, die nicht als persönliche Ziele, sondern als revolutionäre Aufgaben für eine radikale gesellschaftliche Transformation verstanden werden. Diese umfassen soziale Gerechtigkeit, Souveränität, die Demontage herrschender Ideologien und die Ethik kollektiver Organisation.

Die begleitenden Nachrichtenmeldungen zeichnen das Bild einer akuten Krise: Die USA haben in Venezuela militärisch interveniert, was zur Gefangennahme von Präsident Maduro führte. In Venezuela wurde eine Übergangspräsidentschaft unter Delcy Rodríguez eingerichtet, während international Proteste und diplomatische Reaktionen, unter anderem von den Vereinten Nationen und China, folgen. Das Dokument verbindet somit eine tiefgehende theoretische Kritik an der kapitalistischen Zeitauffassung mit einer konkreten Darstellung imperialistischer Aggression und nationalen Widerstands.

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1. Philosophische Kritik des „Neujahrs“ als ideologisches Konstrukt

Der Artikel „Doce buenos propósitos para el 'año nuevo'“ von Fernando Buen Abad Domínguez, Doktor der Philosophie, präsentiert eine radikale Kritik an der gesellschaftlichen Konzeption des Jahreswechsels. Anstatt ihn als echten Neuanfang zu sehen, entlarvt der Autor ihn als einen Mechanismus, der zur Aufrechterhaltung der bestehenden Machtverhältnisse dient.

Die Illusion der Erneuerung und die Fetischisierung der Zeit

Der Autor argumentiert, dass das „neue Jahr“ als „Fetisch des Kalenders“ fungiert und eine „automatische Erneuerung dort verspricht, wo nur die Kontinuität der sozialen Beziehungen herrscht“. Diese Illusion ist für das herrschende System von entscheidender Bedeutung, da sie die Notwendigkeit einer echten historischen Transformation durch eine oberflächliche psychologische Erwartung ersetzt.

  • Ideologische Anästhesie: Der Jahreswechsel wird als „ideologische Anästhesie“ und „rituelle Pause“ beschrieben, die es ermöglicht, Versprechen zu recyceln, ohne die grundlegenden Strukturen der Ungerechtigkeit anzutasten.
  • Waffe der Ausbeutung: Der Kapitalismus hat gelernt, die Zeit zu fetischisieren und das Leben in Schichten, Fristen und Zeitpläne zu zerlegen, um die Ausbeutung mit „wissenschaftlicher Präzision“ zu organisieren. Das „neue Jahr“ wird als individuelle, niemals als kollektive Chance zur besseren Anpassung an dieses System verkauft.
  • Verlust des historischen Gedächtnisses: Die Falle der jährlichen Erneuerung führt zur Auslöschung des Gedächtnisses an vergangene Kämpfe, Niederlagen und Errungenschaften. Ohne Gedächtnis gibt es keine Dialektik, sondern nur die „ewige Wiederkehr der Ausbeutung“.

Eine dialektische Zeitperspektive

Im Gegensatz zur linearen, leeren Zeitvorstellung des Kapitalismus stellt der Autor eine dialektische Sichtweise. Wahre Erneuerung entsteht nicht durch den bloßen Ablauf von Tagen, sondern durch Konflikt und die bewusste Negation des Bestehenden.

  • Konflikt als Motor der Veränderung: Jede echte Neuheit wird aus einer „konkreten Negation des Bestehenden“ geboren. Die Zeit ist die materielle Bühne, auf der materielle Kräfte aufeinanderprallen.
  • Politisierung der Zeit: Der Autor fordert dazu auf, mit der Illusion zu brechen, indem man die Zeit politisiert und jeden Tag als „Schlachtfeld“ und nicht als leeres Blatt begreift.
  • Zeit und Macht: Das zentrale Argument gipfelt in der Feststellung: „Das Problem der Zeit ist das Problem der Macht“. Die Illusion der Veränderung ist eine Strategie, um die Dringlichkeit echter Veränderung zu entschärfen.

2. Die zwölf Vorschläge für eine radikale Transformation

Als Antwort auf die ideologische Leere des „Neujahrs“ schlägt der Autor zwölf „gute Vorsätze“ vor. Diese sind keine moralischen Ratschläge, sondern „offene Aufgaben“, die auf eine grundlegende Umgestaltung der Gesellschaft abzielen und direkt mit einem System kollidieren, das darauf ausgelegt ist, sie zu verhindern.

Nr.VorsatzBeschreibung
1Soziale GerechtigkeitEine radikale Neuorganisation des kollektiven Lebens, um die Konzentration des von allen geschaffenen Reichtums in den Händen weniger zu beenden. Bekämpfung von Hunger, erzwungener Unwissenheit und prekärer Arbeit.
2Demontage der IdeologieEin kultureller Kampf gegen die Normalisierung von Ungleichheit durch kritisches Denken, historisches Gedächtnis und bewusste Organisation.
3Demokratisierung der KommunikationDas Wort als Werkzeug der Völker etablieren, um Unternehmensmonopole zu brechen und die Erzählung eigener Kämpfe und Hoffnungen zu ermöglichen.
4Wiederherstellung der ArbeitswürdeDie Befreiung der Arbeit von der Logik der Ausbeutung, die sie zu einer Wegwerfware degradiert.
5Kritische und emanzipatorische BildungEine öffentliche Bildung, die Subjekte formt, die fähig sind, die Welt zu verstehen und zu verändern, anstatt gehorsame Marktteilnehmer zu sein.
6SouveränitätSouveränität in allen Dimensionen (Ernährung, Energie, Kultur, Technologie), um Erpressbarkeit zu vermeiden und das kollektive Wohl über transnationale Profite zu stellen.
7Substanzielle Gleichstellung der GeschlechterEine tiefgreifende Transformation von Machtverhältnissen, die Gewalt, Ausgrenzung und normalisierte Ungleichheiten überwindet.
8Aktiver Schutz der NaturDie Anerkennung, dass das ausbeuterische Modell des Kapitalismus mit dem Leben unvereinbar ist und die ökologische Krise auch eine soziale, ethische und politische ist.
9Erinnerung als Waffe im KampfDie Erinnerung an Widerstände, Verbrechen der Mächtigen und errungene Erfolge, um Domestizierung durch programmiertes Vergessen zu verhindern.
10Solidarische Integration der VölkerIntegration auf Basis von Kooperation und Respekt als Gegenmodell zu ausgrenzendem Nationalismus und Unternehmensglobalismus.
11Ethik der OrganisationDer geduldige und kollektive Aufbau von Volkskräften, die auf bewusster Beteiligung und solidarischer Disziplin basieren, nicht auf Anführern oder Wundern.
12Kohärenz zwischen Wort und TatDie revolutionäre Tugend, so zu leben, wie man denkt, und so zu denken, wie man lebt, ohne Doppelmoral oder Opportunismus.

Diese Vorsätze sind laut Autor keine Wünsche für einen Trinkspruch, sondern notwendige Aufgaben. Soziale Gerechtigkeit, als erster und grundlegendster Wunsch, wird nicht erbeten, sondern erkämpft.

3. Geopolitischer Kontext: Die Venezuela-Krise von Anfang 2026

Die philosophischen Überlegungen sind in einen Rahmen von Nachrichtenmeldungen eingebettet, die eine schwere geopolitische Krise um Venezuela Anfang Januar 2026 beschreiben.

US-Intervention und Gefangennahme des Präsidenten

Die Berichte deuten auf eine direkte militärische Aggression der Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump gegen Venezuela hin.

  • Gefangennahme von Nicolás Maduro: Präsident Nicolás Maduro und Cilia Flores wurden gefangen genommen und befinden sich vor einem Gericht in New York. Maduro hat in einer Audiobotschaft erklärt, er sei kein Krimineller, sondern ein „verfassungsmäßiger Präsident, der von der aggressivsten Macht der Welt illegal gefangen genommen wurde“. Sie bezeichnen sich als Kriegsgefangene.
  • Militärische Aktionen: Berichte erwähnen einen US-Raketenangriff in La Guaira, bei dem eine Person getötet und neun weitere verletzt wurden. Die Aggression wird mit der US-Strategie zur Kontrolle des Erdöls in Verbindung gebracht.
  • Reaktionen in den USA: Die New York Times wirft Trump vor, mit dem Angriff auf Venezuela die US-Verfassung verletzt zu haben. Demokraten fordern ein Amtsenthebungsverfahren.

Venezolanische Reaktion und Regierungsführung

Die venezolanische Regierung und die Bevölkerung haben auf die Intervention reagiert.

  • Interimsregierung: Delcy Rodríguez wurde als geschäftsführende Präsidentin vereidigt.
  • Institutionelle Kontinuität: Jorge Rodríguez wurde als Präsident der Nationalversammlung (AN) für die Periode 2026-2027 bestätigt, und eine neue AN für 2026-2031 wurde eingesetzt.
  • Militär und Bevölkerung: Die Bolivarische Nationale Streitkräfte (FANB) fordert die sofortige Freilassung von Präsident Maduro. In Caracas finden Demonstrationen statt, die seine Rückkehr fordern.

Internationale Reaktionen und Auswirkungen

Die Krise hat weitreichende internationale Reaktionen hervorgerufen.

  • UNO und internationale Diplomatie: Der UN-Sicherheitsrat hält eine Dringlichkeitssitzung zu Venezuela ab. Der venezolanische Außenminister Gil hat die anhaltende Bedrohung vor der CELAC angeprangert.
  • Unterstützung für Venezuela: China fordert die sofortige Freilassung Maduros und bekräftigt seine Unterstützung für Venezuela. Auf den Philippinen und in Spanien finden pro-venezolanische Proteste statt.
  • Gegnerische Maßnahmen und Drohungen: Die Schweiz hat Berichten zufolge die Vermögenswerte von Maduro und seinen Vertrauten eingefroren. Donald Trump droht dem kolumbianischen Präsidenten Gustavo Petro mit einer ähnlichen Militäroperation in Kolumbien.
  • Weitere Akteure: Maria Corina Machado äußert, sie würde den Friedensnobelpreis mit Donald Trump teilen. Starlink bietet bis zum 3. Februar kostenloses Internet in Venezuela an.

Präsentation: Ein neues Jahr ändert nichts

Quellen

Zwölf gute Vorsätze für das "neue Jahr" 

Von Buen Abad RT Deutsch 31.12.2025

Der bekannte mexikanische Philosoph Buen Abad über das "neue Jahr" als ideologische Betäubung und rituelle Pause, um Versprechen zu recyceln, ohne die herrschenden Strukturen anzutasten. Dem stellt er notwendige "gute Vorsätze" gegenüber. (Vorsatz 4 Wiederherstellung der Arbeitswürde wurde in dem Artikel vergessen)

Doce buenos propósitos para el "año nuevo"

Erschienen beim venezolanischen Onlineportal "Aporrea". Aus dem Spanischen übersetzt von Olga Espín.

Erstellt: 06.01.2026 - 13:19  |  Geändert: 06.01.2026 - 17:30