Krieg im 21. Jahrhundert. Militärische Gewalt, Aufstandsbekämpfung und humanitäre Intervention. Von Jochen Hippler

Krieg hat seinen Charakter in den vergangenen Jahrhunderten dramatisch geändert. Der Friedensforscher Jochen Hippler zeichnet die Wandelbarkeit von Krieg und Gewalt historisch nach und zeigt, dass in der „neuen“ asymmetrischen Kriegsführung des 21. Jahrhunderts Politik und Medien wesentliche Faktoren sind, die über Sieg oder Niederlage entscheiden.

ISBN 978-3-85371-457-7     22,00 €  Portofrei     Bestellen

Mit der Französischen Revolution betrat das Volk als politisches Subjekt die Weltbühne. Damit änderte sich auch die Kriegsführung, die nun die ganze Gesellschaft umfasste. Kabinettskriege der Monarchen wurden von Massenkriegen abgelöst, die im 20. Jahrhundert industriell ausarteten. In diesem klassischen Krieg der Moderne war die Überlegenheit der militärischen Feuerkraft für den Sieg entscheidend, der im Idealfall per Friedensvertrag anerkannt wurde.

Die neuen Kriegsformen finden immer weniger zwischen Ländern, sondern innerhalb von Gesellschaften statt. Gewalttätige Auseinandersetzungen im Kontext sogenannter „gescheiterter Staaten“ und Aufstandsbekämpfung übernehmen das Terrain. Sieg oder Niederlage entscheiden sich nicht mehr hauptsächlich auf dem Schlachtfeld, sondern im Kampf um Governance-Strukturen und gesellschaftliche Akzeptanz. Ein rein militärisch ausgefochtener Sieg kann meist nur mehr mittels ethnischer Säuberung oder Völkermord errungen werden.

Mit der Art der Kriegsführung ändern sich auch die Bedingungen zur Beendigung von militärischer Gewalt. Eine zunehmende Zahl von Kriegsparteien vermindert die Chance auf Verhandlungslösungen ebenso wie eine oft fehlende Kontrolle über die Kämpfer. Ohne Herstellung einer allseitig akzeptierten Führung kann der neue Krieg zur allgegenwärtigen Dauerkrise werden, auch wenn das Niveau seiner Gewalt häufig schwankt.

Im letzten Teil seines Buches untersucht Jochen Hippler die dunkle Seite der Politik in aktuellen innergesellschaftlichen Konflikten und Bürgerkriegen zwischen Afghanistan, dem Nahen Osten und Afrika. Dabei setzt er sich mit Gotteskriegern, „humanitären Interventen“, Aufständischen und Aufstandsbekämpfern, Terroristen und Befreiungskämpfern auseinander.

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Inhalt und Leseprobe bei Google Books

Der Nutzen der Gewalt. Auch lang andauernde und scheinbar erfolglose Kriege zahlen sich für die Mächtigen aus. Es gibt existenzielle Kriege, also solche, bei denen es für die beteiligten Staaten wirklich um Leben und Tod geht. Hierzu zählte zum Beispiel die Zurückdrängen der Nazi-Truppen aus Osteuropa. Und es gibt Kriege, die von zumindest einer beteiligten Macht eher „nebenbei“ geführt werden — ohne dass diese existenziell gefährdet wäre oder große Verluste drohten. Solche schleichenden Kriege dauern oft lange und sind im Rückblick erschreckend erfolglos wie der Dauereinsatz von NATO-Staaten in Afghanistan. Und sie bleiben teilweise unterhalb der Wahrnehmungsschwelle der Öffentlichkeit. Bei solchen Gewaltakten zeigt eine nähere Analyse: Ein „Sieg“ ist mitunter gar nicht nötig, um das anvisierte Ziel zu erreichen; schon ein auf kleiner Flamme köchelnder Konflikt passt ins Machtkalkül bestimmter militaristischer Kräfte. Exklusivabdruck aus „Krieg im 21. Jahrhundert“. → Rubikon 14.12.2019

Der Autor:

Jochen Hippler, geboren 1955 in Duisburg, ist Friedens- und Konfliktforscher mit den Schwerpunkten politische Gewalt, Militärinterventionen und Aufstandsbekämpfung. Geographisch liegt seine Expertise in der Region von Nordafrika über den Nahen und Mittleren Osten bis nach Afghanistan/Pakistan. Seit Herbst 2019 leitet er das Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung in Islamabad/Pakistan.

 

Erstellt: 29.09.2019 - 21:10  |  Geändert: 17.12.2019 - 19:11

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