Gefolgschaft hinterm Hakenkreuz. Zwanzig Kapitel zu zwölf Jahren deutscher Geschichte von Kurt Pätzold

Der international bekannte Faschismus- und Holocaust-Forscher Kurt Pätzold untersucht das Verhältnis von deutschem Volk und faschistischer Führung. Bei den einen waren die Deutschen Verführte, bei den anderen willige Vollstrecker. Mehrere Generationen von Forschern, Historikern, Soziologen und Psychologen haben untersucht, was da zwischen 1933 und 1945 mit den Volksmassen passiert ist. Auch durch sie? Für die meisten Forscher waren sie nur Objekte, nie Subjekte, die mitverantwortlich gewesen wären für Judenverfolgung, Unterdrückung, Völkermord und Krieg. Es gibt bis heute keine geschlossene Abhandlung, in der die Geschichte der Massengefolgschaft von ihrer Entstehung bis zu ihrem Zerfall Schritt für Schritt dargestellt worden wäre und auf die verwiesen werden könnte.

ISBN 978-3-945187-73-9     19,99 €  Portofrei     Bestellen

Vielleicht fürchtete man die Antwort auf die zwingende Frage nach dem eigenen Zutun des Volkes, das meist doch eine idealistische Aura trägt. Der marxistische Historiker Pätzold hat sich am Ende seines Lebens überwunden und sich bei diesem Thema auch selbstkritisch befragt. Es geht um Mitläufertum, um die Stützen der Nazidiktatur, den auch "das Volk" war Träger und Nutznießer dieses Systems. Es waren nicht nur Naivität, Gutgläubigkeit, Irrtum, Dummheit, Täuschung, Betrug und Raffinesse im Spiel. Was also ist da passiert? "Was ist die Volksstimmung?", fragte Victor Klemperer am 30. August 1940 in seinem Tagebuch. "Das unlösbare Rätsel." Pätzold versucht es zu lösen.

 

Mehr Infos...

Mensch und Masse. Gedanken anlässlich der Veröffentlichung von Kurt Pätzolds posthum erschienener Studie über die »Gefolgschaft unterm Hakenkreuz«. Von Manfred Weißbecker → Junge Welt 15.09.2017

Das Volk folgt. Vorabdruck. Der deutsche Faschismus und die Massen. Von Kurt Pätzold → Junge Welt 14.08.2017

Der Autor:

Kurt Pätzold (1930-2016), geboren in Breslau, studierte in Jena Geschichte, Philosophie und politische Ökonomie. Später ging er nach Berlin und konzentrierte sich dort auf Lehre und Forschung auf seinem Gebiet: deutscher Faschismus und Imperialismus. Aufsehen erregte der international renommierte Historiker mit Publikationen zum Dritten Reich und der Judenverfolgung, darunter »Geschichte der NSDAP« und »Rudolf Heß. Der Mann an Hitlers Seite«. Zugleich beschäftigt er sich zunehmend mit peripheren Themen, die im weitesten Sinne den kulturhistorischen Hintergrund für den deutschen Nationalismus, Militarismus und Rassismus bilden. Zuletzt erschienen im verlag am park »1813. Der Krieg und sein Nachleben« (2013), »1914. Das Ereignis und sein Nachleben« (2014), »Kein Platz an der Sonne. Hundert Jahre danach und wenig gelernt« (2015), »Faschismus-Diagnosen« (2016) und "Die Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942" (2016). Die vorliegende Publikation ist Pätzolds letzte Arbeit. Er beendete sie wenige Wochen vor seinem Tode im August 2016.

 

Erstellt: 26.08.2017 - 11:04  |  Geändert: 02.12.2020 - 17:58

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