Freunde. Von Eva Kranenburg. Rezension von Britta Kiersch
Freunde. Von Eva Kranenburg Verlag FISCHER Sauerländer ISBN 978-3-7373-7499-6
Tarek, Nata, Ren und der kleine verwilderte Tuk lernen sich kennen, als sie in den letzten Kriegstagen doch noch eingezogen werden sollen. Zuerst haben die anderen drei Angst vor Tarek mit seiner furchterregenden Narbe im Gesicht, der jetzt ihr Anführer sein soll, als sie nur mit Spaten bewaffnet losziehen, auf‘s Schlachtfeld. Aber nachdem er dann bei der ersten Gelegenheit gemeinsam mit ihnen desertiert, sehen sie ihn mit anderen Augen und die vier wachsen zu einer eingeschworenen Gemeinschaft zusammen und werden einander die Familie, die sie alle im Krieg verloren haben. Sie teilen ihr Essen, das Versteck, den Schlafplatz und auch ihre Träume und Gefühle.
Eindringlich und spannend schildert die Autorin den Überlebenskampf und die Rivalitäten in dieser Parallelwelt der Kinder und Jugendlichen in einer zerstörten Stadt, wo sie sich ohne Erwachsene durchschlagen. Voller Wärme beschreibt sie die Gedanken- und Gefühlswelt ihrer Protagonisten, ihre Ängste und Sehnsüchte. Und am Ende eröffnet sie keine
(unglaubwürdig) verheißungsvolle, aber zumindest eine freudvolle Zukunftsperspektive.
Am Beispiel der Freunde wird erschütternd beschrieben, was es bedeutet, einen Krieg mitzuerleben, was für verheerende Spuren an Leib und Seele die Kriegserlebnisse hinterlassen und wie schwer es ist, diese Wunden zu heilen, wenn man überhaupt in der Lage ist, sie genauer zu betrachten. Zum anderen werden die Mechanismen deutlich: Wie gesteuert Hass geschürt wird, um ein Volk in einen Krieg zu führen und wie ein Sog entsteht, dem man sich kaum entziehen kann.
Dieser Debütroman von Eva Kranenburg ist ein überzeugendes Plädoyer für den Frieden, für ein friedvolles und großzügiges Miteinander. Zumal es ihr hervorragend gelingt, die Grenzen zwischen Freund und Feind, zwischen „Wir“ und „die anderen“ verschwimmen zu lassen. Wie sie Ren die Augen öffnet, ihn hinter die Kulissen des Krieges schauen lässt und zuletzt auch sich selbst erkennen lässt, das finde ich (zwar sehr emotional, aber doch) ganz großartig geschrieben.