Geopolitik zur Einführung
Geopolitik ist wieder en vogue. Von Gaspipelines als Lebensadern ist die Rede, von der Amputation von Territorien oder auch vom Willen, eine lebenswichtige Landbrücke zu einer Enklave herzustellen.
Staaten werden in Analogie zu Lebensformen betrachtet: Nicht Staaten, sondern Lebewesen fehlt die Luft zum Atmen, benötigen mehr Raum oder leiden unter Gebietsverlusten wie ein verstümmelter Körper. In dieser Einführung rekonstruiert Niels Werber den geopolitischen Diskurs von den literarischen und akademischen Anfängen im 19. Jahrhundert bis zu ihren aktuellsten Varianten bei Wolfgang Schivelbusch und Bruno Latour.
Neben »klassischen« Autoren wie Friedrich Ratzel, Alfred Mahan, Halford Mackinder, Karl Haushofer, Carl Schmitt und Samuel Huntington werden dabei auch populäre Repräsentationen geopolitischen Denkens diskutiert. Eine Revision mit Blick u.a. auf die Adaption des genuin »deutschen« geopolitischen Denkens durch das heutige russische Großraumdenken beschließt die Nachauflage dieses Bandes.
»Eine konzise Theoriegeschichte.« Philosophie magazin
Rezension
Als Fazit dieser Einführung kann Werbers Urteil gelten: „Diese dem Raum in der Geopolitik zugesprochene Handlungsmacht hat sich durchweg als fatal erwiesen“, denn sie rechtfertige „die schrecklichsten Verbrechen als Vollzug von Naturgesetzen“ (S. 150). [Eine Zusammenfassung der Kapitel mit abschließendem Fazit.] Von Thomas Barth socialnet.de 10.01.2024 und Telepolis 06.01.2024