Vom Verachtetwerden oder Drei Guineen. Von Virginia Woolf

Immer wieder hat sich Virginia Woolf mit der Frauenfrage befasst. Am berühmtesten ist wohl ihr hellsichtiger Essay Ein Zimmer für sich allein (1929). In Vom Verachtetwerden, zehn Jahre spater erschienen, ist Woolfs Ton weniger ironisch, ihre Haltung unnachgiebiger. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs fragt sie sich, wie Frauen einen Krieg verhindern sollen, wenn sie ausgeschlossen sind von Aufgaben in Offentlichkeit und Politik, und übt damit grundsatzliche Kritik am Patriarchat. Auf eindrückliche Weise verbindet Woolf hier schon früh das Private mit dem Politischen, den Aufstieg der Faschisten mit grundsatzlichen gesellschaftlichen Macht- und Denkstrukturen: Die Wurzel des Faschismus liege in der Vorherrschaft des Mannes in samtlichen Lebensbereichen.

ISBN 978-3-311-22005-3     24,00 €  Portofrei     Bestellen

Aber Woolf kritisiert nicht nur, sondern entwirft auch ein utopisches Gesellschaftmodell, eine Welt, in der Frauen Familie und Erwerbstatigkeit verbinden, sich in Ausbildung und Beruf frei entfalten, wirtschaftliche Unabhangigkeit und intellektuelle Freiheit erreichen: So konnten Frauen für dieselbe Sache arbeiten und kampfen wie Manner, auf Augenhohe mit ihnen. Woolfs noch heute hochaktueller Essay macht deutlich, dass Terror, Unrecht, Autoritarismus nur dann wirklich aus der Welt zu schaffen sind, wenn sie auch im »Kleinen« erkannt und bekampft werden.

Neben Ein Zimmer für sich allein der wirkmachtigste feministische Essay von Virginia Woolf. Erstmals unter dem Titel, den Woolf dafür vorgesehen hatte, On Being Despised - Vom Verachtetwerden, weil man ihr drei Jahre zuvor einen Sitz im Verwaltungsrat der London Library verweigert hatte: Frauen seien dort »unerwünscht«.

Nachwort von Antje Ràvik Strubel

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»Virginia Woolfs Essay ist ein scharfes Fernrohr. Aus 90 Jahren Entfernung holt sie die Gegenwart nah heran.« Antje Ravik Strubel

Die Autorin:

Virginia Woolf (1882–1941) gilt als Englands bedeutendste Autorin der Moderne. Ihre Romane werden in einem Atemzug mit denen von Joyce und Proust genannt, zudem verfasste sie etliche Essays und hinterließ umfangreiche Tagebücher. Obgleich Tochter wohlhabender Intellektueller – Thomas Hardy und Henry James gingen in ihrem Elternhaus ein und aus – hat sie nie eine Schule, geschweige denn eine Universität besucht. 1917 gründete sie gemeinsam mit ihrem Mann Leonard den Verlag The Hogarth Press, in dem neben Vom Verachtetwerden auch ihr zweiter bedeutender feministischer Essay Ein Zimmer für sich allein erschien. Zeitlebens litt Virginia Woolf unter schweren Depressionen. Am 28. März 1941 fand ihr Mann einen Brief auf dem Kaminsims, der mit den Zeilen begann: »Liebster, ich fühle deutlich, dass ich wieder verrückt werde ...« Virginia Woolfs Leiche wurde in einem nahe gelegenen Fluss entdeckt.

Die Autorin auf Wikipedia

 

Erstellt: 17.11.2021 - 10:07  |  Geändert: 17.11.2021 - 10:08

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