Geld und Magie. Eine ökonomische Deutung von Goethes Faust. Von Hans Christoph Binswanger

Spätestens seit Aufkommen der modernen Wissenschaften gilt Alchimie als Aberglaube. Der bekannte Nationalökonom Hans Christoph Binswanger hält provozierend dagegen: Die Versuche zur Herstellung künstlichen Goldes wurden nicht deswegen aufgegeben, weil sie nichts mehr taugten, sondern weil sich eine Alchimie in anderer Form durchsetzte. Die moderne Wirtschaft hatte die Verwandlung eines minderwertigen Stoffs in ein hochwertiges Symbol erfunden - mit ihr ließ sich aus Papier Geld machen. Und der Nationalökonom geht in seiner Analyse sogar noch ein Stück weiter: Der alchemistische Trick der Wirtschaft wird über kurz oder lang auffliegen. Ohne reale Gegenleistung wird das Wachstum aus dem Nichts ein sicheres Ende haben. 

ISBN 978-3-938017-25-8     16,99 €  Portofrei     Bestellen

Dies ist eine überarbeitete und aktualisierte Fassung der Erstausgabe.

Mehr Infos...

Inhaltsverzeichnis und Leseprobe bei Google Books

Der Autor:

Hans Christoph Binswanger wurde 1969 als Professor für Volkswirtschaftslehre an die Universität St. Gallen berufen. Für seine Arbeit auf dem Gebiet der Nationalökonomie hat er zahlreiche Ehrungen erhalten.

Der Autor auf Wikipedia

Presse:

Von Alchemie redet heute niemand mehr. Niemand braucht heute mehr Gold künstlich herzustellen, behauptet Hans Christoph Binswanger, weil sich die moderne Geldwirtschaft als so erfolgreich erwiesen hat, dass es des mühsamen Zusammenbrauens in dunklen Küchen nicht mehr bedarf. …Binswanger zieht in "Geld und Magie" Querverbindungen zwischen der Experimentierfreudigkeit der Alchemisten und den zart anlaufenden Geldmärkten zu Goethes Zeit. In beiden Fällen wird etwas Neues kreiert, aus Ingredienzien wird ein neuer Stoff, im besten Fall Gold, aus Papier wird Papiergeld und noch mehr Geld. Süffisant weist Binswanger darauf hin, dass die Alchemisten die Suche nach dem Stein der Weisen, der Gold, Gesundheit und ewiges Leben versprechen soll, seit einiges Zeit den Ökonomen überlassen haben. In diesem 1985 erstmals veröffentlichten Buch gelingt es Binswanger, die Weitsicht und Skepsis Goethes bezüglich der modernen Ökonomie hervorzuheben. Die wundersame Geldvermehrung entpuppt sich als mephistophelische Blendung und die Wirtschaft als Nullsummenspiel. (Financial Times Deutschland, 15. März 2005)

Den "Faust" und namentlich dessen zweiten Teil als Abhandlung über das Wirtschaftswachstum - die Ultima Ratio der modernen Gesellschaft - zu lesen, ist ein kühnes, aber keineswegs abwegiges Unterfangen. Das große Menschheitsdrama ist eben auch die Geschichte eines Investors, dessen Bemühung auf die tendenziell unendliche Vermehrung seines Kapitals zielt. Der Nationalökonom Hans Christoph Binswanger deckt in seiner Abhandlung "Geld und Magie" eine Fülle von Motiven auf, die zeigen, wie wichtig für Goethe die Alchemie ist und was diese wiederum für die moderne Wirtschaft bedeutet. Die ursprüngliche alchemistische Verwandlung ist die "Transmutation" von Blei zu Gold. … Denkt man an die durchaus irrationalen Sensibilitäten der heutigen Börse, dann erkennt man, wie modern "Faust" gerade in dem ist, was sich nicht der bloßen Rationalität verdankt - zum Beispiel im Blick auf die Magie des Geldes. (Neue Züricher Zeitung, 11./12. Juni 2005)

"Nostra res agitur - Goethes Faust ist von einer kaum fassbaren Aktualität", so Hans Christoph Binswangers Urteil über das epochale Drama des Weimarer Dichterfürsten. Während der Faust üblicherweise als Liebesdrama und Wissenschaftsparabel rezipiert werde (1. Teil), offenbart Goethe insbesondere im weithin unterschätzten und schwer zugänglichen 2. Teil seine analytische Kraft als genialer Interpret der modernen Wirtschaft. Goethe, so der renommierte und querdenkende Schweizer Ökonom, fasse die Wirtschaft als einen alchemistischen Prozess auf: "…als die Suche nach dem künstlichen Gold, eine Suche, die sich für denjenigen, der sich ihr einmal verschrieben hat, schnell in eine Sucht verwandelt." Wer die Alchemie der Wirtschaft nicht versteht, so lautet die Botschaft von Goethes Faust, kann die ungeheuerliche Dimension der modernen Wirtschaft nicht erfassen. …(Zeitschrift für Sozialökonomie, 147/2005)

 

Erstellt: 07.09.2021 - 07:34  |  Geändert: 10.09.2021 - 12:06