Europa. Ein Nachruf. Von Hannes Hofbauer

Der herrschende Diskurs erlaubt kein negatives Eigenschaftswort zum Begriff „Europa“. Allenthalben wird über mehr Transparenz, bessere Kommunikation und effektivere Verwaltung debattiert. Das Konstrukt der Europäischen Union wird als alternativlos dargestellt; alternativlos als Großraum im weltweiten wirtschaftlichen Konkurrenzkampf ebenso wie als Garant für eine – angeblich – demokratische Wertegemeinschaft.

Hannes Hofbauer entlarvt das in Brüssel, Berlin und anderswo gemalte Selbstbild als ideologische Begleiterscheinung ökonomischer Protagonisten, die für ihre Geschäfte einen supranationalen Raum und einen entsprechenden militärischen Flankenschutz brauchen. Und er weist den hegemonial-liberalen Ansatz, wonach eine Infragestellung des „europäischen“ Selbstverständnisses quasi automatisch rechts wäre, entschieden zurück.

ISBN 978-3-85371-475-1     22,00 €  Portofrei     Bestellen

Der Autor verfolgt die Europa-Idee bis ins Hochmittelalter zurück und zeigt, wie die Verschmelzung von Antike und Christentum schon vor 800 Jahren zu einem Drang nach Osten geführt hat. Das Selbstverständnis der Kreuzzüge war weströmisch-europäisch. Auch der Kampf von Herrscherhäusern um Vorherrschaft spielte sich auf dem europäischen Tableau ab. Und die zwei bislang verheerendsten Feldzüge in Richtung Osten, jener Napoleons und jener der Wehrmacht, folgten sehr unterschiedlichen, heute verquer wirkenden Europabildern.Nur wenige Europa-Visionen waren von sozialen Utopie- und Friedensvorstellungen geprägt.

Der Großteil des Buches beschäftigt sich mit der Geschichte der EU-europäischen Einigung, die vom Kohle-Stahl-Pakt über die Einheitliche Europäische Akte, Maastricht und den Vertrag von Lissabon bis zu den Zerfallsprozessen unserer Tage reicht. Die vielfachen Warnungen an die Brüsseler Ratsherren, ablehnende Referenden in Frankreich, den Niederlanden, Irland und EU-feindliche Stimmungen in vielen Mitgliedsländern, wurden in den Wind geschlagen. Auch das britische Brexit-Votum im Jahr 2016 stellte keinen Weckruf für die Apologeten der Supranationalität dar. Wie stark die nationalen Fliehkräfte entwickelt sind, zeigt der Umgang mit der Bekämpfung eines Virus, dem sich das abschließende Kapitel widmet.

Es ist Zeit, sich Gedanken über eine Welt nach dem Scheitern der Brüsseler Union zu machen.

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Inhaltsverzeichnis und Leseprobe bei Google Books

Vor Überheblichkeit strotzend. Im Umgang mit Polen und Ungarn bedienen sich die westeuropäischen Staaten am Vokabular des Kalten Krieges. Von Hannes Hofbauer → der Freitag 29.11.2020

Der tyrannische Kontinent. Exklusivabruck. Die einstige Vorzeigeregion der „Freien Welt“ setzt auf Polizeistaat und soziale Kälte. Von wegen „Union“ — die EU ist zu einer Zone der Ungleichheit und der Spaltung geworden. Da kämpft jeder gegen jeden: die armen gegen die reichen Länder, denen gnadenlose Austeritätspolitik aufgezwungen wird; die „rechtspopulistisch“ regierten Länder des Ostens gegen die westlichen, die eine scheinliberale Fassadendemokratie alten Typs verkörpern; und vor allem: fast alle Regierungen gegen ihre Bürger, die als Verfügungsmasse obrigkeitlich verhängter „Corona-Maßnahmen“ betrachtet werden. Abweichler unter den Mitgliedstaaten werden rücksichtslos zur Ordnung gerufen. Das europäische Projekt ist gescheitert — vor allem an der mangelnden Integrität der meisten seiner Akteure. Rubikon 05.11.2020

Muslime, Russen, Chinesen … und Trump. Die Identität "Europa" verstand sich immer in Abgrenzung zu einer anderen Kultur, einer anderen Religion, einer anderen Wirtschaftsweise, einer anderen Auffassung von Politik. Und die Geschichte der europäischen Idee ist voll von Feindbildern und Feinden, die - um des eigenen Geistes und der eigenen Werte, mithin der eigenen Interessen willen - bekämpft werden mussten und müssen. Von Hannes Hofbauer Telepolis 25.10.2020

Der Autor:

Hannes Hofbauer, geboren 1955 in Wien, studierte Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Publizist und Verleger. Im Promedia Verlag ist von ihm u.a. erschienen: „EU-Osterweiterung. Historische Basis – ökonomische Treibkräfte – soziale Folgen“ (2. Auflage 2007) und „Feindbild Russland. Geschichte einer Dämonisierung“ (2016).

Im Gespräch: Hannes Hofbauer (“Europa: Ein Nachruf”)
KenTube 07.11.2020

"Europa. Ein Nachruf" – Hannes Hofbauer über das Scheitern der EU
RT Deutsch Youtube 23.10.2020

 

Erstellt: 10.10.2020 - 20:20  |  Geändert: 10.12.2020 - 15:26

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