Richard Wolff & Michael Hudson: Trump startet härteste Wirtschaftsoperation gegen Iran
auf YouTube (22.08.2026) 53:33
Übersicht
Trumps neue Sanktionsstrategie und das Erstarken des Irans (00:21) Richard Wolff und Michael Hudson diskutieren Donald Trumps jüngste Ankündigung, die härtesten Wirtschaftsmaßnahmen und einen beispiellosen Wirtschaftskrieg gegen den Iran einzuleiten. Da die militärische Option gescheitert ist, kehrt Trump zur „maximalen Druck“-Politik von 2018 zurück. Hudson analysiert, dass die Zeit gegen die USA arbeitet: Wenn die USA iranische Ölexporte blockieren, droht der Iran, den gesamten Ölfluss im Persischen Golf zu stoppen – weder durch Hormus noch über den Jemen wird dann noch Öl transportiert.
Die globale Nahrungsmittelkrise und der russisch-ukrainische Handelskrieg (03:07) Russland schließt sich der iranischen Blockade-Logik an. Angesichts der Tatsache, dass 27 % des weltweiten Getreides aus Russland und der Ukraine über das Schwarze Meer exportiert werden, führt der gegenseitige Beschuss von Schiffen und Häfen zu einer massiven Krise. Da die Ukraine russische Schiffe bombardiert, blockiert Russland im Gegenzug alle Schiffe von und nach Odessa. Dies geschieht mitten in der Erntezeit, sodass der Ukraine die Lagerplätze ausgehen und die Silos überquellen.
Die fatalen Folgen der globalen Erwärmung und Sanktionen für Europa (06:11) Entgegen der US-Propaganda, die vor einer Hungersnot in Afrika warnt, landete das Getreide bisher primär in Europa. Nun gerät Europa selbst in schwere Bedrängnis durch den heißen Sommer, sinkende Ernteerträge, steigende Düngemittelpreise und hohe Zinsen. Zudem haben austrocknende Flüsse wie der Rhein den Schiffstransport blockiert. Die russische Erntesaison erweist sich – ähnlich wie der russische Winter im Feldzug Napoleons 1812 – als strategischer Vorteil für Moskau, um den Westen auszuhungern.
Die Isolation der USA und das Schuldenschwert des Globalen Südens (09:05) Da die westlichen Sanktionen und der Ölkrieg den Rest der Welt belasten, droht eine Gegenreaktion. Viele Länder im Globalen Süden und Asien könnten gezwungen sein, die Zahlung ihrer in US-Dollar denominierten Schulden einzustellen, da sie ihre Ressourcen stattdessen für Lebensmittel und Energie ausgeben müssen. Trump nutzt das Dollarsystem und den Ölhandel rücksichtslos als Waffe, was den Rest der Welt zwingt, sich aus diesem System zu verabschieden.
Militärische Verzweiflung und das Risiko einer Flächenbombardierung im Iran (11:56) Wolff stellt fest, dass sich Trump vom maritimen Ansatz wegbewegt, nachdem der Luftkrieg keine schnelle Lösung brachte. Um den Iran zur Kapitulation zu zwingen, zieht er B1- und B2-Bomber zusammen, um eine großflächige Zerstörung nach „Gaza-Art“ durchzuführen. Dies birgt die extreme Gefahr, dass die USA in einer ausweglosen militärischen Situation schließlich auf den Einsatz taktischer Atomwaffen zurückgreifen.
Finanzielle Instabilität und politische Polarisierung vor den US-Wahlen (15:41) Die USA steuern kurz vor den Zwischenwahlen auf eine Rezession und extremes politisches Chaos zu. Der US-Finanzminister muss aktiv in den Markt für 30-jährige Staatsanleihen eingreifen, um die historisch hohen Zinsen zu senken, die die Kreditaufnahme blockieren. Gleichzeitig verliert die MAGA-Basis an Rückhalt, während sich die Demokratische Partei nach links in Richtung eines progressiven „Sozialismus“ verschiebt, der soziale Investitionen und Antikriegshaltungen fordert.
Entdollarisierung und die unaufhaltsamen SWIFT-Alternativen (17:00) Hudson erklärt, dass Trumps militärischer Krieg ihm die Fähigkeit raubt, seinen Finanzkrieg über den Dollarstandard fortzusetzen. Die US-Sanktionen zwingen China und Russland dazu, eigene SWIFT-Alternativen (wie CIPS/ZIPS und das russische SPFS) aufzubauen und die Entdollarisierung massiv voranzutreiben. Da westliche Demokratien aus Angst vor Protesten keine Wehrpflicht einführen können, bleiben ihnen im Ernstfall nur zerstörerische Bombenangriffe.
Die Hegelsche Ironie des US-Imperiums und die Rolle Chinas (26:35) Auf dem kommenden BRICS-Gipfel in Indien wird die Ablösung des Dollars die zentrale Rolle spielen. Wolff beschreibt die „Hegelsche Ironie“, dass das US-Imperium und das Dollarsystem den wirtschaftlichen Aufstieg Chinas in den letzten Jahrzehnten erst ermöglicht haben, dieser nun aber zum größten Hindernis geworden ist. Da das sterbende Imperium eine enorme Bedrohung darstellt, müssen die BRICS-Staaten den Übergang zu einem alternativen System nun beschleunigen.
Die Utopie eines neuen globalen Finanzsystems ohne den IWF (32:29) Hudson blickt auf Bretton Woods (1944) zurück, wo die USA ein gläubigerfreundliches System durchsetzten, während Keynes ein System forderte, das dauerhafte Defizite verhindert. Er plädiert für die Schaffung einer neuen, zwischenstaatlichen Organisation als Alternative zum IWF, die Sparprogramme vermeidet und stattdessen Schulden streicht, um eine globale Depression zu verhindern.
Die Schuldenspirale der USA und der Klassenkampf des reichsten 1% (45:48) Die USA sind zum größten Schuldnerland der Welt geworden, deren Gesamtverschuldung 40 Billionen Dollar überschritten hat. Hudson legt dar, wie sich die US-Wirtschaft von einer Mittelschicht-Ökonomie zu einem System des reichsten 1% entwickelt hat: Investmentfonds von Multimilliardären kaufen massenhaft Immobilien auf, um als Vermieter hohe Renditen zu erzielen.
Die Absurdität der politischen Ökonomie des Kapitalismus (49:36) Die US-Staatsverschuldung hat sich in nur 9 Jahren von 20 Billionen Dollar (2017) auf 40 Billionen Dollar (2026) verdoppelt. Wolff kritisiert das kapitalistische Dilemma, bei dem Politiker aus Angst vor Wählerstimmen und Spenderentzug weder Reiche noch Massen besteuern, sondern sich stattdessen das Geld von den Reichen leihen, das sie ihnen zuvor nicht wegbesteuert haben. Das System ertrinkt in geliehenem Geld des Rests der Welt, was letztendlich in den Ruin führt