Ray McGovern: Russland-Japan-Spannungen wachsen & US-Beteiligung
auf YouTube (16.08.2026) 51:20
Ray McGovern war 27 Jahre lang CIA-Offizier, leitete die National Intelligence Estimates und erstellte die Presidential Daily Briefs der CIA.
Überblick
Einführung und der Besuch der südlichen Kurilen (00:00) Glenn Diesen begrüßt den ehemaligen CIA-Analysten Ray McGovern, der kürzlich mit dem renommierten James Joyce Preis ausgezeichnet wurde. Das Gespräch beginnt mit Wladimir Putins historischem Besuch auf den umstrittenen südlichen Kurilen-Inseln (für Japan die „nördlichen Territorien“), die seit dem Zweiten Weltkrieg unter russischer Verwaltung stehen. Da Japan sich den antirussischen Sanktionen angeschlossen hat, zeigt Russland mit diesem Besuch demonstrativ Stärke. Unter dem ehemaligen japanischen Premierminister Abe war eine gemeinsame Verwaltung noch in Reichweite, doch die neue Führung in Tokio hat eine feindselige Haltung eingenommen, worauf Putin nun reagiert.
Die schwindende Glaubwürdigkeit der US-Sicherheitsgarantien (04:05) McGovern erklärt, dass Putin die Inseln auch deshalb besucht, weil die USA ihre Japan schützenden Raketen abgezogen und zur Unterstützung der Ukraine oder in die Region des Irans verlegt haben. Dies lässt Verbündete wie Japan, Südkorea und Saudi-Arabien an der Zuverlässigkeit der US-Sicherheitsgarantien zweifeln. Zudem wird Japan durch das unauflösliche Bündnis zwischen Russland und China geopolitisch eingehegt. Putin agiert zwar selbstbewusst, sorgt sich jedoch stark über Donald Trumps instabilen psychischen und physischen Zustand und dessen Zugriff auf die Atomcodes.
Putins Telefonate mit Trump und der Hebel über Kiew (06:27) Laut McGovern ruft Putin Trump nur an, wenn er konkrete Maßnahmen fordert. So verhinderte ein anderthalbstündiges Telefonat im Oktober 2025 die geplante Lieferung von Tomahawk-Raketen an Selenskyj. Vor den Militärparaden am 9. Mai drohte Selenskyj zudem mit Drohnenangriffen auf den Kreml, woraufhin Putin erneut Trump anrief. Trump übte daraufhin Druck auf Selenskyj aus, was zu einem viertägigen Waffenstillstand führte. Trotz dieses punktuellen Einflusses fürchten die Russen Trumps Unberechenbarkeit, während US-Geheimdienste Kiew weiterhin für Angriffe tief in Russland unterstützen. Dennoch bleibt das russische Militär geduldig, da die Ukraine wirtschaftlich am Ende und vom Meer abgeschnitten ist.
Historischer Rückblick: Die US-Blockade im russisch-japanischen Konflikt (11:33) Bereits 1956 verhandelten Japan und die Sowjetunion über einen Friedensvertrag. Moskau bot damals an, die Inseln Habomai und Shikotan zurückzugeben, während Kunashir und Etorofu bei der Sowjetunion verbleiben sollten. Die USA blockierten dieses Abkommen jedoch mit der Drohung, in diesem Fall Okinawa zu behalten. Die USA wollten keinen regionalen Frieden, da ein friedliches Umfeld ihre Bestrebungen zur Einhegung von Gegnern und zur Unterwerfung ihrer Bündnispartner behindert hätte. Dies führte dazu, dass der potenzielle ökonomische Brückenschlag zwischen Russland und Japan schließlich durch den Ukraine-Krieg und Japans Sanktionen endgültig abbrannte.
Der Einfluss der Geschichte und die Bedrohung durch den Militarismus (17:46) McGovern betont Putins persönliche historische Prägung: Sein älterer Bruder Vitia starb während der Leningrader Blockade durch Nazis und Finnen. Das historische Trauma von 27 Millionen sowjetischen Kriegstoten prägt das russische Sicherheitsdenken tief. Aus russischer Sicht zeigen sich heute in der Ukraine und in Japan erneut nazi-ähnliche Aktivitäten und Militarismus. Um eine Wiederholung der Geschichte zu verhindern, zeigt Putin an Orten wie den Kurilen Stärke, ignoriert japanische Proteste und lässt notfalls Oreshnik-Raketen abfeuern.
Der Tiefe Staat und die Grenzen von Trumps Macht (22:35) Russland registriert eine zunehmende Verhärtung der Rhetorik bei Vertretern wie Medwedew, Lawrow und Rjabkow, die das gescheiterte Anchorage-Abkommen als bewusste Täuschung des Westens analog zu Minsk werten. McGovern verweist darauf, dass Trump den „tiefen Staat“ (Deep State) in den USA nicht unter Kontrolle hat. Autonome Kräfte im Geheimdienstapparat, wie Geheimdienstchefin Avril Haines, steuern Vertuschungen und ermöglichen es der Ukraine, mit Drohnen tief im russischen Territorium zivile Infrastruktur anzugreifen. Ein Beispiel war der Drohnenangriff auf Putins Residenz in Waldi Ende Dezember, bei dem die Russen eine Steuereinheit sicherstellten, die direkt auf das Wohnhaus des Präsidenten programmiert war – ein mutmaßlicher Mordversuch durch autonome Akteure im Deep State.
Militärische Eskalationsdynamik und der Einsatz der Oreshnik (31:14) Russische Militärs fordern zunehmend Angriffe auf Drohnen-Produktionsstätten in Westeuropa (wie Ramstein in Deutschland). Putin lehnt dies jedoch ab, da das Risiko, dass Trump daraufhin Artikel 5 des NATO-Vertrags aktiviert, bei mindestens 10 % liegt – ein zu hohes Risiko angesichts der Tatsache, dass Russland den Krieg in der Ukraine ohnehin gewinnt. Stattdessen besteht eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass Putin eine Oreshnik-Mittelstreckenrakete auf ein Entscheidungszentrum in Kiew abfeuern lässt, um der NATO ohne direkten Bündniskonflikt eine unmissverständliche Lektion zu erteilen.
Die Unberechenbarkeit am Rande des Atomkriegs (36:20) Ein verhandelter Frieden ist in weiter Ferne, da die Vorschläge des Westens für einen Waffenstillstand von Lawrow als unnachgiebige Forderungen nach einer russischen Kapitulation abgelehnt werden. Die jüngsten experimentellen Abschüsse der Oreshnik-Rakete dienten dazu, die Zerstörungskraft im Granitboden präzise zu vermessen, um sie künftig operativ in Massenproduktion einzusetzen. Das größte Risiko liegt in der Unvorhersehbarkeit von Akteuren wie Trump oder Netanjahu. Putin rät daher auch dem Iran zur äußersten Vorsicht: Iran soll keine US-Flugzeugträger versenken, um die USA und Israel nicht in eine Situation zu drängen, in der sie aus Demütigung zu Atomwaffen greifen müssen. Die Gefahr eines Atomkriegs ist heute so hoch wie seit 1945 nicht mehr.
Europäische Ohnmacht und die Unterwürfigkeit Deutschlands (44:55) McGovern und Diesen kritisieren das Verhalten der europäischen Eliten, die nukleare Abschreckung fälschlicherweise als „Erpressung“ abtun und irrational agieren. Politiker wie Macron, Starmer und Scholz stehen vor dem politischen Aus, während die russlandfreundliche AfD an Zulauf gewinnt. Besonders drastisch zeigt sich die deutsche Unterwürfigkeit gegenüber den USA darin, dass die Regierung lieber die eigene Industrie deindustrialisiert, anstatt das russische Angebot anzunehmen, die verbliebene und betriebsbereite Röhre von Nord Stream zu öffnen. Putin setzt daher auf den Faktor Zeit. Sollte er ermordet oder durch unvorsichtigere Hardliner (wie Medwedew) ersetzt werden, würde der Westen Putin schnell vermissen